Wenn Nebel tanzt und Feuer lodert: Wie Theresa Fink die Festspielbühne zum Leben erweckt

Theresa Fink kreiert mit jeder Aufführung am Effekte-Pult der Bregenzer Festspiele ein spektakuläres Bühnenbild mit Nebel, simulierten Schüssen und Flammen.
Darum geht’s:
- Theresa Fink leitet Spezialeffekte bei den Bregenzer Festspielen.
- Sie verantwortet Spezialeffekte auf der Bühne.
- Theresa kombiniert technische Präzision mit kreativen Herausforderungen.
Bregenz Ein Knall durchbricht die Stille, kurz darauf lodern Flammen an der Kutsche empor und plötzlich treten die Darstellerinnen und Darsteller wie aus dem Nichts durch den dichten Nebel. Wenn sich in der Wolfsschlucht des ‚Freischütz‘ die Ereignisse überschlagen, ist eines gewiss: Hinter dem Effekte-Pult der Bregenzer Festspiele sitzt eine junge Frau, die den Überblick behält und nicht nur das Staunen steuert.

Was sich auf der Seebühne spektakulär und dramatisch inszeniert, wäre ohne Theresa Fink aus Andelsbuch kaum denkbar. Die 24-Jährige sorgt im Kontrollraum dafür, dass jedes Detail zur richtigen Zeit passt. Ihre präzise Arbeit verleiht der bereits im zweiten Jahr aufgeführten Oper von Carl Maria von Weber das gewisse Etwas: Sie feuert Schüsse ab, lässt Feuerringe zünden und Nebelschwaden aufsteigen.

Von Bewegungsfahrten zu Nebel, Feuer und Gewehren
Bereits im Sommer 2023 tauchte die Wälderin erstmals in die Welt der Festspiele ein. Damals noch ganz am Anfang als Unterstützung bei Bewegungsfahrten. Später half sie beim Aufbau der „Freischütz“-Kulisse – und als das Effekte-Team Verstärkung suchte, empfahlen sie Kollegen immer wieder.

So fand Theresa ihren Weg zur einer der spektakulärsten Positionen hinter den Kulissen: Effekte Operatorin. Vorerfahrung und Kenntnisse hatte sie jedoch keinerlei in diesem Bereich. Zwar brachte die junge Showtechnikerin durch ihre Matura an der HTL Bregenz ein technisches Grundverständnis mit, doch den Rest eignete sie sich praktisch Schritt für Schritt an. Ein ganzer Monat Probezeit, zahlreiche Bühnenpräsentationen und das geduldige Coaching ihrer Kollegen halfen ihr, sich einzuarbeiten.

Magie auf Knopfdruck
Ihr Arbeitstag beginnt meist gegen halb fünf, wenn die Lichter noch im Tageslicht untergehen. Bei Effekte-Checks wird vorbereitet, überprüft und getestet. Nebelmaschinen werden ausgerichtet, Feuereffekte überprüft und Abläufe am Steuerpult simuliert. Denn sobald die Vorstellung beginnt, zählt jede Sekunde und jeder Effekt muss punktgenau sitzen.

Drei große Effekte liegen in Theresas Verantwortung: Schüsse, Feuer und Nebel. Besonders bei den Schussmomenten sind höchste Präzision und Zusammenarbeit gefragt. „Bevor ein Effekt ausgelöst werden darf, braucht es Freigaben von gesamt vier Personen“, erklärt die Effekte-Operatorin. Es geht um Millimeter und Millisekunden.
Auch die Feuereffekte sind anspruchsvoll: Windrichtung, Sicherheitsabstände und Brenndauer – alles muss haargenau mit den Darstellern abgestimmt sein, um Sicherheit zu gewährleisten und die gewünschte Wirkung zu erzielen. „Man muss aufmerksam sein, jedes Signal der Darsteller und des Teams deuten können und dennoch flexibel den Bedingungen sein.“
14 Nebelmaschinen
Ihr Lieblingseffekt? Der Nebel. Ganze 14 Maschinen lassen die Bühne in dichte, mystische Schwaden tauchen, schaffen magische Momente, in denen Bühne und Realität zu verschwimmen scheinen. „Wind verändert ständig die Gegebenheiten, man muss schnell und spontan reagieren, aber darf dabei die Sicht auf die Darsteller nicht blockieren.“ Besonders in diesem Sommer macht das Wetter die Inszenierung unberechenbar.

Mehr als nur ein Job
Wenn schließlich die Musik einsetzt, das Licht angeht und Tausende Mensch gespannt auf die Bühne blicken, ist die Bregenzerwälderin bereit. Dann sitzt jeder Handgriff. „Jeder Abend ist ein Höhepunkt“, freut sie sich. „Wenn man weiß, wie viele Menschen hier beteiligt sind, wie viel Herzblut, Präzision und Arbeit in jeder einzelnen Vorstellung steckt, um eine einzigartige Show zu bieten – das ist einfach überwältigend.“
Was das alles möglich macht, sei nicht zuletzt das Team. „Wir sind wie eine Familie“, schildert die angehende Kapitänin das Miteinander. „Jeder bringt sich ein, man kann sich entfalten, lernt voneinander. Es ist mehr als ein Job – es ist ein Herzensprojekt und unser Leben über den Sommer.“
Im Herbst geht es für Theresa dann wieder nach Bremen, wo sie ihr drittes Semester als Nautik-Studentin antritt. Doch bis dahin sorgt sie noch ein paar Wochen lang dafür, dass auf der weltweit größten Seebühne das Magische erlebbar wird – mit Feuer, Nebel und jeder Menge Spaß.
Zur Person: THeresa Fink
Alter: 24 Jahre
Wohnort: Andelsbuch
Ausbildung: abgeschlossene Matura an der HTL Bregenz, aktuell Nautik-Studium in Bremen
Traumberuf: Kapitänin
Lieblingseffekt: Nebel