“Wollen das Haus noch mehr öffnen”

Sarah Kirsch folgt Maria Simma als Präsidentin der Berufsvereinigung Bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs.
Bregenz Am 12. Mai wurde Sarah Kirsch (Jahrgang 1993) bei der Generalversammlung zur Präsidentin der Berufsvereinigung Bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs mit Sitz im Künstlerhaus Bregenz gewählt und tritt somit die Nachfolge von Maria Simma an. Die Kulturmanagerin und Lektorin mit einer fundierten Ausbildung in Kunstgeschichte und deutscher Sprachwissenschaft ist bemüht, frischen Wind in die Institution zu bringen.
Welche Macht haben Sie überhaupt als Präsidentin der Berufsvereinigung Bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs?
KIRSCH Keine (lacht). Als Präsidentin bin ich Teil des Vorstands, also eine von mehreren Personen. Der Vorstand ist das Leitungsorgan des Vereins und trifft alle Entscheidungen, was Finanzen, Mitgliederaufnahmen oder die Erstellung des Jahresprogramms anbelangt. Bei Mitgliederansuchen bin ich nicht einmal stimmberechtigt – da ist es gut, dass der Vorstand durch Kunstschaffende verschiedener Bereiche besetzt ist. Meine Arbeit besteht neben der Repräsentanz des Hauses nach außen praktisch darin, operativ und geschäftsführend tätig zu sein. Da geht es dann von der Erstellung des Budgets bis zum Schreiben von Förderanträgen.
Ergeben sich durch Ihre Wahl auch strukturelle Veränderungen im Vorstand?
KIRSCH Meine Vorgängerin erhielt für die Ausübung dieser bisher ehrenamtlichen Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung. Aufgrund des erhöhten Arbeitspensums hat sich der Vorstand der Berufsvereinigung für eine Entlohnung der Präsidentschaft und somit strukturelle Veränderung entschieden. Diese Überlegung reifte schon lange und wurde nun umgesetzt. Das hat allerdings keinerlei Auswirkungen auf die Personalausgaben des Vereins und es besteht auch kein Interessenkonflikt, da alle Aufgaben klar definiert und verteilt sind.
Wie kann man sich das Arbeitspensum genau vorstellen?
KIRSCH Ausstellungskoordination, Mitgliederbetreuung, Kommunikation, Verwaltung – das sind alles Aufgaben, die bei der Größe des Vereins stetig wachsen. Da ich in der Woche mindestens 20 Stunden vor Ort bin, ergibt das auch ganz andere Möglichkeiten, sich einzubringen. Ich bin ja bereits seit mehr als vier Jahren bei der Berufsvereinigung tätig – jetzt kommen eben neue, spannende Aufgaben hinzu. Da wir ein gut eingespieltes Team sind, bin ich positiv gestimmt, dass es mindestens so gut weiterlaufen wird wie bisher.

Wie viele Mitglieder hat die Berufsvereinigung Bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs aktuell?
KIRSCH Derzeit hat die Berufsvereinigung insgesamt 325 Mitglieder – sowohl ordentliche als auch außerordentliche. Dazu gehören Kunstschaffende aus den verschiedensten Bereichen der Bildenden Kunst, aber auch Architekten. Wobei der Fokus auf ersterem liegt. Alle vereint, dass sie einen Vorarlbergbezug haben.
Die Bundesregierung will im Budget für 2026 auch bei der Kultur einsparen. Wie steht es um die Finanzen des Hauses?
KIRSCH Diese Einsparungen werden alle Vereine spüren. Da sind wir nicht ausgenommen. Wir werden vom Bund, vom Land und von der Stadt unterstützt, dazu kommen Sponsoren und Eigenmittel. Als gemeinnütziger Verein handeln wir nicht wirtschaftlich. Das ergibt schlussendlich immer ein Nullsummenspiel. Der Eintritt ins Künstlerhaus kostet immerhin nur zwei Euro, ermäßigt sogar nur einen. Wir haben bis zu zwölf Ausstellungen im Jahr und an vorderster Stelle steht es, die Künstlerinnen und Künstler zu bezahlen. Wir pflegen auch einen internen Kreislauf, in welchem diverse Aufgaben wie Grafik, Fotografie, Aufbauten oder Dokumentation an Mitglieder vergeben werden. Natürlich wird geschaut, wo man sparen kann – auch mit dem Blick aufs Jahresprogramm. Wenn man etwa Kunst aus England nach Bregenz holen will, wird diese Ausstellung durch den Zoll erheblich teurer.
In zwei Jahren feiert die Vereinigung ihr 80-jähriges Jubiläum. Gibt es schon Überlegungen für diesen Termin?
KIRSCH Aktuell sind wir noch dabei, das Programm für 2026 zu erstellen. Wenn das Anfang Sommer fixiert ist, werden wir uns Zeit nehmen und Gedanken zum Jubiläumsjahr machen. Was genau und in welchem Umfang passieren wird, ist derzeit noch offen. Sicher wird allerdings die Mitgliederausstellung stattfinden, bei der alle Mitglieder der Berufsvereinigung teilnehmen können.
Welche Impulse sollten in naher Zukunft gesetzt werden oder sind bereits in Umsetzung?
KIRSCH Wir wollen das Haus noch mehr öffnen, bieten dazu Kunstvermittlung an und laden auch Schulklassen ein, um die Schwelle zur Kunst zu überschreiten. Meist führen die Künstlerinnen und Künstler selbst durch die Ausstellungen und vermitteln ihr Schaffen. Ich kann mir auch ein ausgeweitetes Rahmenprogramm mit Lesungen, Performances oder Sonstiges vorstellen. Es ist auch ein Programm für Mitglieder angedacht, das den Austausch zwischen den Kunstschaffenden stärken soll. Immerhin sind wir ein Haus von und für Künstlerinnen und Künstler.