Dvořáks Klangmagie in der Tonhalle

Kultur / 17.02.2025 • 14:15 Uhr
Igor Keller
Igor Keller ist seit 2011 Konzertmeister des Sinfonieorchesters St.Gallen. victor marin

Ein spannender Kammermusik-Nachmittag voller Nuancen und Kontraste.

St. Gallen Antonín Dvořáks Kammermusik entfaltet eine Sogkraft, die unmittelbar anspricht und zugleich durch strukturelle Raffinesse fesselt. Im Konzert der Reihe „Sonntags um 5“ in der Tonhalle St. Gallen stand der tschechische Romantiker im Mittelpunkt: Auf dem Programm standen das Klaviertrio Nr. 4 in e-moll op. 90, der „Dumky“, sowie das Klavierquintett Nr. 2 in A-Dur op. 81 – zwei Werke, die durch ihre formale Vielfalt ebenso beeindrucken wie durch die Differenziertheit ihrer Klanggestaltung. Das Ensemble, bestehend aus Igor Keller (Violine), Yuko Ishikawa (Violine), Ricardo Gaspar (Viola), Fernando Gomes (Violoncello) und Claire Pasquier (Klavier), präsentierte Dvořák mit einer Kombination aus technischer Präzision, feiner Klangbalance und Gespür für die dramaturgische Entwicklung der Musik.

Ricardo Gaspar
Dvořáks Musik lebt von der Unmittelbarkeit des Ausdrucks – und genau diese Qualität war hier durchgängig gegeben. victor marin

Schon die ersten dunklen Töne des Cellos im Trio „Dumky“ machten deutlich, dass hier nicht nur eine stilistisch versierte, sondern auch eine in ihrer interpretatorischen Haltung überzeugende Aufführung zu erwarten war. Fernando Gomes gestaltete den kantablen, melancholischen Beginn mit kontrollierter Spannung, während Claire Pasquier am Klavier mit federnder Leichtigkeit antwortete. Dieses Wechselspiel zwischen expressiver Tiefe und tänzerischer Beweglichkeit prägte das gesamte Werk. Die sechs Teile des Trios – von introspektiver Zurückhaltung bis zu impulsiver Dramatik – wurden in ihrem jeweiligen Charakter schlüssig herausgearbeitet, wobei Igor Kellers Violine mit klar gezeichneten Linien Akzente setzte. Besonders eindrucksvoll gelang die organische Verbindung der Stimmungen: Statt abrupter Brüche entwickelte sich ein fließender Erzählbogen, in dem jede „Dumka“ ihre eigene klangliche Identität entfaltete.

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Während das „Dumky“-Trio durch seine episodische Form Raum für interpretatorische Freiheit bot, verlangte das Quintett eine größere strukturelle Geschlossenheit. Der eröffnende Allegro-Satz entfaltete sich mit weit gespanntem Atem: Das Klavier öffnete den harmonischen Raum, die Streicher füllten ihn mit einer klanglichen Wärme, die den Charakter des Werkes prägte. Der zweite Satz erhielt in der Interpretation der fünf Musiker eine ausgefeilte dynamische Gestaltung. Die nachdenkliche Hauptmelodie des Cellos – von Gomes mit klanglicher Fülle und nuancierter Phrasierung getragen – wurde in den Zwischenspielen von rhythmischer Vitalität durchbrochen. Das Scherzo schließlich – ein energischer Furiant – zeichnete sich durch präzise artikulierte Synkopen und eine klangliche Leichtigkeit aus, die das Zusammenspiel der Musiker besonders zur Geltung brachte. Hier zeigte sich die hohe Abstimmung innerhalb des Ensembles: Blickkontakte, fein abgestufte dynamische Übergänge und eine ausgeprägte Reaktionsfähigkeit machten die Darbietung zu einem lebendigen Dialog. Das Finale des Quintetts geriet zu einem kraftvollen Abschluss, in dem sich Virtuosität und klangliche Transparenz die Waage hielten. Dvořáks Musik lebt von der Direktheit ihres Ausdrucks – und genau diese Qualität war hier durchgängig zu spüren.

Quartett

Wer sich die Wartezeit bis zur Schubertiade verkürzen möchte: Das Armida Quartett, das am 2. Mai in Hohenems spielt, ist am kommenden Donnerstag in der Tonhalle zu Gast.