Manfred Honeck: “Ich liebe Vorarlberg”

Kultur / 12.02.2025 • 14:44 Uhr
Manfred Honeck: "Ich liebe Vorarlberg"

Interview mit dem aus Nenzing stammenden Stardirigenten über Bruckner, Strauss und die Grammys.

Schwarzach Der gebürtige Nenzinger Manfred Honeck gehört zu den ganz großen Stars unter den Dirigenten weltweit. Vergangene Woche gewann seine Einspielung von Bruckners 8. Symphonie einen Grammy. Der Vorarlberger ist am letzten Juni-Wochenende in Wolfegg zu erleben.

Sie mussten letzte Woche kurzfristig beim Concertgebouw-Orchester einspringen. Ist das für Sie eher Stress oder ein Vergnügen?

Es ist beides. Für die Logistik, sprich Flug und Hotelbuchung, Probeneinteilung, Verträge usw. ist mein Management zuständig. Ich persönlich konzentriere mich auf die Musik. Anton Bruckners 9. und letzte Symphonie, die nun in Amsterdam aufgeführt wird, habe ich unzählige Male dirigiert und auf CD eingespielt. Es ist eine Freude, mit dem herausragenden Concertgebouw Orchester gerade dieses Repertoire zu erarbeiten. Es ist übrigens ein lustiger Zufall, dass ich schon letztes Jahr in Amsterdam ausgerechnet mit Bruckners 8. eingesprungen bin. 

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Ihre Einspielung von Bruckners Siebter Sinfonie mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra wurde mit mehreren Auszeichnungen bedacht und ist nun sogar mit dem Grammy ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen diese Anerkennung?

Natürlich habe ich große Freude, wenn unsere Einspielung international so erfolgreich besprochen und ausgezeichnet wird. In erster Linie geht aber diese Auszeichnung an alle Musiker und Mitarbeiter. Ein Dirigiert ist zwar verantwortlich für alle Entscheidungen. Auf der Bühne sitzen aber an die hundert Musiker, die gemeinsam  mit mir ein Konzert bestreiten. Es ist wie im Fußball: der Trainer trifft die Entscheidungen, die Spieler müssen aber in der Lage sein das Konzept umzusetzen. Das ist in Pittsburgh ganz besonders der Fall.

Manfred Honeck: "Ich liebe Vorarlberg"

Sie haben als Dirigent einen ausgeprägten Zugang zu Bruckners Musik entwickelt. Was zeichnet Ihre Interpretation der Siebten besonders aus? 

Man muss einen Komponisten immer ganzheitlich als Mensch und Künstler betrachten. Die Sicht auf Anton Bruckner ist leider oft sehr einseitig: Organist, Professor und gläubiger Katholik. Das stimmt natürlich, aber es reicht einfach nicht. Er hat zum Beispiel, besonders in seinen jungen Jahren, fast jedes Wochenende bei Festen, Hochzeiten usw. als Musiker aufgespielt. Bruckner war ein Urmusiker und ein Mensch durch und durch mit all seinen Begabungen und Schwächen. Ich glaube, dass die Zuhörer die versteckten Geheimnisse seiner Persönlichkeit in unserer Aufnahme besonders erfahren können. Ich bin der Meinung, dass die Musik immer die jeweilige Aussage des Komponisten sehr klar und deutlich wiedergeben muss. Seine tiefe und ehrliche Religiosität kommt genauso zur Geltung wie seine Liebe zum Wiener Schnitzel…

2025 steht das Johann-Strauss-Jahr an – wie werden Sie sich diesem musikalisch widmen?

Vor einem Jahr erhielt ich einen Anruf, das Jubiläumskonzert anlässlich des 200. Geburtstags von Johann Strauss am 25. Oktober 2025 im Wiener Musikverein mit den Wiener Symphonikern zu dirigieren. Anne Sophie Mutter wird Solistin sein. Dies freut mich in besonderer Weise, da gerade die Wiener Musik, speziell die Brüder Strauß, in meinem persönlichen Repertoire einen wichtigen Platz einnehmen. Johann Strauß wird heuer oft in meinen Konzerten auf der ganzen Welt zu hören sein!

Manfred Honeck: "Ich liebe Vorarlberg"

Ihre Arbeit mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra ist seit Jahren ein großes Erfolgsmodell. Was macht diese Zusammenarbeit so besonders, und wie hat sich das Orchester unter Ihrer Leitung entwickelt?

Das Pittsburgh Symphonie Orchestra ist in den Händen von meinen unmittelbaren Vorgängern Andre Previn, Lorin Maazel und Mariss Jansons hervorragend geprägt worden. Jeder dieser Dirigenten hat dem Orchester seine eigene, persönliche Spielweise vermittelt. Mein Wunsch war es von Anfang an, die besten Musiker der Welt nach Pittsburgh zu locken. Gemeinsam mit ihnen ist es mir wichtig nicht nur technische Perfektion zu erhalten, sondern auch die musikalische und persönliche Spielkultur zu stärken. Der Ausdruck, das gemeinsame Fühlen macht Pittsburgh für mich unverwechselbar. 

Wie halten Sie Verbindung zu Ihrer „alten“ Heimat Vorarlberg? Kann man Sie wieder einmal im Ländle bewundern?

Ich liebe Vorarlberg und kann mir vorstellen, in den nächsten Jahren hier aufzutreten. Ich habe jedenfalls dem unglaublich engagierten Pfarrer Thomas Sauter der Erlöserkirche in Lustenau zugesagt, wieder das Mozart Requiem zu dirigieren. Wir suchen allerdings noch einen geeigneten Termin. 

Wolfegger Konzerte
Manfred Honeck tritt regelmässig bei den Wolfegger Konzerten auf.