Ein Abend voller Rhythmen und Virtuosität

Symphonieorchester Vorarlberg mit Strawinsky, Ravel, Coll und López.
Bregenz Am 9. Februar lud das Symphonieorchester Vorarlberg (SOV) unter der Leitung von Leo McFall zum vierten Konzert der Saison ins Festspielhaus Bregenz.

Der Abend begann mit „Avec Swing“ des peruanischen Komponisten Jimmy López. López verbindet in seinem Werk lateinamerikanische Rhythmen mit Elementen des zeitgenössischen Jazz. Die dichten harmonischen Schichtungen verlangten den Musikern höchste Präzision ab – nicht alles klang makellos, aber die Energie der Aufführung übertrug sich auf das Publikum.

Es folgte Maurice Ravels Klavierkonzert in G-Dur mit Claire Huangci als Solistin. Die 1990 geborene Pianistin beeindruckte mit einer ebenso virtuosen wie nuancierten Interpretation. Schon im ersten Satz verlieh sie den jazzigen Elementen eine geschmeidige Leichtigkeit, ohne dabei die strukturelle Klarheit aus den Augen zu verlieren. Die lyrische Mitte des Satzes gestaltete Huangci mit sensibler Zurückhaltung, bevor sie mit rasanter Technik und durchdringender Brillanz auftrumpfte.

Im zweiten Satz bewies Huangci ihr feines Gespür für weit gespannte melodische Bögen, die sich mit einer Ruhe entfalteten, die an den impressionistischen Charakter Debussys erinnerte. Der solistische Einstieg, oft als eine der schönsten Klaviermelodien des 20. Jahrhunderts bezeichnet, geriet ihr zu einem stillen, intimen Monolog. Im „Presto“ schließlich erreichte das Zusammenspiel von Solistin und Orchester seinen Höhepunkt: Huangci nahm kühn das Tempo auf, ihre perlenden Läufe wirbelten über die Tastatur, während das Orchester rhythmisch präzise Paroli bot. Der stürmische Applaus des Publikums belohnte ihre Leistung, und mit George Gershwins „Wild the Man I Love“ als Zugabe bewies sie noch einmal ihre Wandlungsfähigkeit – eine augenzwinkernde, jazzige Verbeugung vor der Musik des Abends.

Nach der Pause präsentierte sich Sophie Heinrich als Solistin in Francisco Colls „Four Iberian Miniatures“. Coll, Jahrgang 1985, gehört zu den spannendsten Komponisten seiner Generation und verbindet in diesem Werk spanische Folklore mit einer komplexen, modernen Tonsprache. Colls „Miniaturen“ sind ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich regionale musikalische Einflüsse mit der Weltsprache der Neuen Musik verbinden lassen. In wenigen Minuten entfaltet sich eine farbenreiche Palette iberischer Motive, die nie ins rein Folkloristische kippt. Allerdings wirkten vor allem die ersten beiden Sätze zu glatt und kontrolliert, wodurch die Kontraste und die innere Spannung der Musik an Biss verloren.

Igor Strawinskys „Symphony in Three Movements“ spiegelte abschließend die erschütternden Bilder des Zweiten Weltkriegs wider. Das Werk vereint Kampf, Zerstörung und Triumph – kraftvoll, aber nicht überwältigend. Zugleich durchzieht es eine düstere Resignation, begleitet von Trauer und Ratlosigkeit. Gerade diese Spannung macht seinen Reiz aus.
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Leo McFall führte das SOV mit präziser Zeichengebung durch Strawinskys tückische Taktwechsel. Vor allem in den von treibender, fast tänzerischer Energie geprägten Ecksätzen setzten die Blechbläser markante Akzente. Das für Strawinsky typische, scharf akzentuierte Schlagwerk war gut zu hören – manchmal fast zu vordergründig.

Das Orchester überzeugte besonders, wenn im ersten Satz jazzige Klänge über dunklen Streicherlinien schwebten oder sich im Andante helle Streicherpassagen mit Flöten- und Harfensoli abwechselten. Erinnerungen an den Krieg drängten sich mit den Marschrhythmen der Blechbläser auf. Dazu gesellte sich ein Duo aus zwei Fagotten, gefolgt von einem strengen Fugato für Posaune, Klavier und Harfe. Der reiche Ideenfluss hielt die Spannung bis zum abrupt ansteigenden Fortissimo-Schlussakkord. Das Publikum zeigte sich neuen Klängen gegenüber aufgeschlossen und honorierte den Programmansatz mit anhaltendem Applaus.