Nilbar Güreş und Marlene Hausegger im Dialog

Kultur / 07.01.2025 • 14:15 Uhr
Nilbar Güreş und Marlene Hausegger
Im Kunstforum Montafon treffen die zeitgenössischen Künstlerinnen Nilbar Güreş und Marlene Hausegger aufeinander. roland haas

Die aktuelle Ausstellung im Kunstforum Montafon läuft noch bis zum 2. Februar.

Schruns Das Kunstforum Montafon bleibt seiner Tradition treu, unterschiedliche künstlerische Positionen miteinander in Beziehung zu setzen. In der aktuellen Ausstellung „Junctions“ treffen zwei zeitgenössische Künstlerinnen aufeinander: Nilbar Güreş und Marlene Hausegger. Nach der Schau „Looming at the Horizon“ 2023, die das Spannungsfeld zwischen Johanna Tinzl und Andreas Werner auslotete, steht erneut die Wechselwirkung zwischen individuellen Ansätzen und dem Ausstellungsraum im Mittelpunkt.

Nilbar Güreş und Marlene Hausegger
Nilbar Güreş und Marlene Hausegger bieten einen spannungsreichen Dialog über kulturelle Klischees, Identität und soziale Dynamiken. roland haas

Nilbar Güreş, 1977 in Istanbul geboren, arbeitet mit Medien wie Performance, Skulptur, Fotografie und Mixed-Media-Collagen. Ihre Arbeiten hinterfragen stereotype Rollenzuschreibungen und kulturelle Klischees. Ihr besonderes Interesse gilt der Situation von Frauen und ihrer Sichtbarkeit in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten. Humorvolle Elemente stehen oft im Kontrast zu den ernsten Fragen, die sie aufwirft.

Nilbar Güreş und Marlene Hausegger

Ein zentrales Thema ihrer Kunst ist die Auseinandersetzung mit kulturellen Identitätscodes und westlichen Vorurteilen gegenüber religiös geprägten Erscheinungsformen. Ihre Collagen und Installationen bestechen durch Materialvielfalt und symbolische Mehrdeutigkeit. Besonders prägnant ist ihr Bezug zu Vorarlberg: Begegnungen mit türkischen Migrantinnen in Dornbirn lieferten Inspiration und Stoffreste, die sie in ihre Arbeiten einfließen ließ. Diese Fragmente erzählen Geschichten von Migration, Identität und prekären Lebensumständen – symbolisiert etwa durch Plastikfolien, die in ihren Arbeiten als Zeichen sozialer Ausgrenzung fungieren.

Nilbar Güreş und Marlene Hausegger

Marlene Hausegger, geboren 1984 in Leoben, arbeitet mit reduzierten Mitteln wie Farbfolien, Kreidestrichen oder temporären Interventionen im öffentlichen Raum. Ihre Kunst erforscht Themen wie Bewegung, Grenzen und soziale Dynamiken. Dabei gelingt es ihr, mit scheinbar einfachen Interventionen komplexe Fragestellungen zu beleuchten. In der Ausstellung beleuchtet Hausegger das Thema Grenzen auf mehreren Ebenen: geografisch, sozial und symbolisch. Sie spannt eine gedankliche Linie vom Schlappiner Joch an der Schweizer Grenze über die slowenisch-italienische Demarkationslinie bis zur US-mexikanischen Grenzregion. Ihre Arbeiten regen dazu an, Grenzen nicht nur als trennende, sondern auch als verbindende Elemente wahrzunehmen. Die spielerische Leichtigkeit ihrer Arbeiten wird durch ihre kritische Substanz ergänzt und schafft Raum für Reflexion.

Nilbar Güreş und Marlene Hausegger

Der Ausstellungstitel „Junctions“ – Knotenpunkte und Verbindungen – spiegelt das Anliegen wider, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen. Nilbar Güreş bringt eine politische Dimension in ihre Arbeiten ein, während Marlene Hausegger mit formaler Klarheit gesellschaftliche Strukturen hinterfragt. Das Zusammenspiel ihrer Werke eröffnet einen spannungsreichen Dialog, der den Besucher einlädt, eigene Positionen zu hinterfragen.

Nilbar Güreş und Marlene Hausegger

Kurator Roland Haas ermöglichte es Nilbar Güreş, ihre Ausstellungspartnerin selbst zu wählen. Mit Marlene Hausegger fiel die Wahl auf eine Künstlerin, die bereits 2017 und 2023 mit bemerkenswerten Projekten im Kunstforum Montafon vertreten war. Beide Künstlerinnen verbindet die Lust am Experiment und ein subtiler Widerspruchsgeist, der sich in den ausgestellten Werken widerspiegelt.

Nilbar Güreş und Marlene Hausegger

„Junctions“ bietet nicht nur visuell fesselnde Arbeiten, sondern auch die Möglichkeit, gesellschaftliche und politische Themen zu reflektieren. Die Ausstellung führt in eine vielschichtige Realität, in der sich persönliche Geschichten mit universellen Fragen verbinden. Sie zeigt, wie Kunst zum Nachdenken anregen und Grenzen überwinden kann – geografische, soziale oder mentale.