Kunst und Reflexion: Das vorarlberg museum 2025

Kultur / 06.12.2024 • 13:18 Uhr
Bildstein Glatz Erstbesteigung II
Das Künstlerduo Bildstein | Glatz wird mit „Erstbesteigung II“ die Beziehung zwischen Mensch und Natur in den Mittelpunkt stellen. FlorianKoller_Mistura

Direktor Michael Kasper stellte das Programm für das kommende Jahr vor.

Bregenz Michael Kasper, Direktor des vorarlberg museums, präsentierte am Freitag nicht nur das Programm 2025, sondern auch die Besucherzahlen des vergangenen Jahres. Rund 50.000 Menschen besuchten 2024 das vorarlberg museum. Besonders erfreut zeigte sich Kasper über das Sommersemester, in dem allein 3.320 Kinder und Jugendliche an 185 Führungen und Workshops wie der Tälertour, dem Archäologiebus oder dem Zeitreiseabo teilnahmen. Darüber hinaus zählte das Museum 122 Veranstaltungen, davon 31 externe Vermietungen, mit insgesamt 11.800 Teilnehmenden.

Der atlantische Traum Franz Plunder
Der Bregenzer Bildhauer Franz Plunder überquerte 1923 mit der „Sowitasgoht V“ den Atlantik.

Das Programm für 2025 spannt einen weiten Bogen von historischen Rückblicken über gesellschaftskritische Fragestellungen bis hin zu künstlerischen Innovationen. Im Mittelpunkt stehen zwei prägende Persönlichkeiten: Hasso Gehrmann und Franz Plunder. Ergänzt wird das Programm durch Sonderausstellungen, die regionale und globale Perspektiven beleuchten.

Michael Kasper
Michael Kasper präsentierte ein Programm, das Kultur als Reflexions-, Begegnungs- und Inspirationsraum aufzeigt. andreas marte

Vom 22. Februar bis 17. August 2025 widmet sich das Museum dem Werk von Hasso Gehrmann (1924–2008). Der in Sachsen-Anhalt geborene Künstler, der sich in den 1960er-Jahren in Bregenz niederließ, hinterließ in der internationalen Kunstwelt deutliche Spuren. Seine abstrakten „Zeichentafeln“, die unter anderem im Pariser Salon des Réalités Nouvelles ausgestellt wurden, verbinden Geometrie mit Emotionalität und laden zur intensiven Auseinandersetzung mit Form und Raum ein. Gehrmanns Einfluss blieb nicht auf die Kunst beschränkt. Mit der „ersten vollautomatischen Küche der Welt“, die auf internationalen Möbelmessen für Furore sorgte, revolutionierte er das Produktdesign. Seine visionären Ideen finden sich auch in der „Meta-Kunst“ wieder, einem Konzept, das er gemeinsam mit seiner Frau Signe entwickelte und das die Grenzen der Kunst selbst hinterfragt.

Der atlantische Traum Franz Plunder
Der atlantische Traum.

Ab 5. April 2025 widmet sich das Museum Franz Plunder (1891–1945), dessen Leben und Werk ebenso abenteuerlich wie einzigartig ist. Der Bregenzer Bildhauer überquerte 1923 mit der „Sowitasgoht V“ den Atlantik – ein Wagnis, das seinen Ruf als Abenteurer festigte. Plunders Werke vereinen die künstlerischen Einflüsse seiner Aufenthalte in den USA und in Vorarlberg. Sie sind geprägt von expressiven Linien und mystischer Symbolik, die Geschichten zwischen Realität und Mythos erzählen.

Wir waren begeistert, warum? Werner Schöegel
“Wir waren begeistert, warum?” Mit Fotos von Werner Schlegel. landesbibliothek vorarlberg

Ein Programmpunkt, der zum Nachdenken anregt, ist die Ausstellung „Wir waren begeistert. Warum?“ (25. Jänner bis 6. April 2025). Sie zeigt Fotografien des Bregenzer Nationalsozialisten Werner Schlegel (1908–1945) und beleuchtet, wie durch Propaganda und Inszenierung Begeisterung für totalitäre Systeme geweckt werden konnte.

Òwú. Fil. Faden. Die verflochtene Geschichte von Textilien, Handel und kolonialen Erbschaften
Òwú. Fil. Faden. Die verflochtene Geschichte von…Fabricating Adjacency

„Òwú. Fil. Faden. Thread“ (26. April – 29. Juni 2025) untersucht die Verflechtungen des Textilhandels mit dem Kolonialismus. Ein zentraler Quilt verbindet Städte wie Lagos, St. Gallen und Dakar. Künstlerinnen wie Sasha Huber und Jumoke Sanwo eröffnen neue Perspektiven auf Gemeinschaft und Zugehörigkeit.

Òwú. Fil. Faden. Die verflochtene Geschichte von Textilien, Handel und kolonialen Erbschaften
Textilien, Handel und kolonialen Erbschaften. Fabricating Adjacency

Ab 12. Juli 2025 stellt das Künstlerduo Bildstein | Glatz die Beziehung zwischen Mensch und Natur in den Mittelpunkt. Mit „Erstbesteigung II“ an der Museumsfassade und „Habitable Zone“ im Atrium präsentieren sie Werke, die das fragile Gleichgewicht zwischen menschlichem Handeln und Umwelt erfahrbar machen.

Vorarlberg Museum
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung einer Museumsstrategie unter dem Titel „Zukunftsbild 2023“. adolf bereuter

Ein weiterer Schwerpunkt des Jahresprogramms ist die Entwicklung einer neuen Museumsstrategie unter dem Titel „Zukunftsbild 2030“. Dabei geht es um die Frage, wie das Museum gesellschaftliche und globale Entwicklungen aufgreifen kann, um sich als Ort des Dialogs und der Inspiration zu etablieren. Ein anderes Thema ist das immaterielle Kulturerbe. Traditionen sollen stärker sichtbar gemacht werden, auch durch digitale Formate, die diese kulturellen Schätze einem breiteren Publikum zugänglich machen.