Grenzenlos kreativ: Wie das KUB Kunst erlebbar machen möchte

Das Kunsthaus Bregenz mit drei Ausstellungen und zwei Projekten im Jahr 2025.
Bregenz Der Direktor des Kunsthaus Bregenz (KUB), Thomas D. Trummer, warf zunächst einen Blick ins Jahr 2024 und streute “seinem” Publikum Rosen: “In einer Zeit, in der oft behauptet wird, die Menschen hätten kein Gespür mehr für echte Aufmerksamkeit, haben wir das Gegenteil erlebt. Ein Beispiel dafür ist das dreitägige Festival mit Performances und Musik von Tarek Atoui. Es war beeindruckend zu sehen, wie sich das Publikum jeden Tag verdoppelte – und das bei einer Musik, die kein mitreißendes oder lautes, sondern ein sensibles, zerbrechliches Klangerlebnis ist. Besonders berührend war, wie sich das Publikum öffnete, tief in die Klänge eintauchte und aufmerksam zuhörte. Das schätze ich besonders an unserem Publikum – diese Fähigkeit, sich ganz auf das Erlebte einzulassen. Diese Wahrnehmungsintensität ist außergewöhnlich”.

Mit einem Programm von drei Ausstellungen und zwei Projekten für das Jahr 2025 will das Kunsthaus erneut Maßstäbe in der zeitgenössischen Kunst setzen. Thomas D. Trummer präsentierte ein vielseitiges, international geprägtes Ausstellungsprogramm, das Künstlerinnen und Künstler in den Mittelpunkt stellt, die aktuelle gesellschaftliche und künstlerische Diskurse prägen. Von der Erforschung poetischer Zusammenhänge zwischen Natur und Technik über feministische Perspektiven bis hin zu transkulturellen Dialogen zeigt das KUB, wie Kunst Brücken zwischen unterschiedlichen Welten schlagen kann.

Das Jahr beginnt mit dem Projekt „Cloud Castle“, einer neuen Plattform, die die Ressourcen und Visionen von vier Institutionen aus Österreich, Liechtenstein und der Schweiz bündelt. Den Auftakt zu dieser innovativen Kooperation macht die US-amerikanische Künstlerin Wu Tsang mit ihrer Performance “Carmen in den Bergen”. Sie wird das Klanghaus Toggenburg mit einer experimentellen Klanglandschaft füllen. Die Plattform selbst versteht sich als immaterieller Raum – ein Experimentierfeld für ephemere Kunst, das den Dialog zwischen Museen und Künstler auf eine neue Ebene hebt.

Ab Februar steht Precious Okoyomon im Mittelpunkt, eine nigerianisch-amerikanische Dichterin und Künstlerin, die die Schnittstellen zwischen Kunst, Natur und Technologie erforscht. Nach internationalen Erfolgen, darunter ein wuchernder Garten auf der Biennale di Venezia 2022, bringt Okoyomon nun Arbeiten nach Bregenz, die auf poetische und berührende Weise die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt thematisieren. Ihre Installation “The Sun Eats Her Children” verbindet Poesie mit organischen Materialien und unterstreicht ihre außergewöhnliche Fähigkeit, Natur in lebendige Kunst zu verwandeln. Die Besucher können sich auf eine tiefgehende Erfahrung freuen, die zum Nachdenken über Menschlichkeit und technologische Entwicklungen anregt.

Im Sommer widmet sich die polnische Künstlerin Małgorzata Mirga-Tas den Lebensrealitäten der Roma- und Sinti-Gemeinschaften. Ihre detailreichen Textilcollagen und Wachsskulpturen verbinden persönliche Geschichten mit transkulturellen Narrativen. Mirga-Tas, die 2022 mit ihrem Beitrag zur Biennale di Venezia große Anerkennung fand, nutzt textile Materialien, um marginalisierte Geschichten sichtbar zu machen und weibliche Perspektiven zu betonen.

Ein weiteres Highlight im Sommer 2025 ist die Kooperation mit dem Nairobi Contemporary Art Institute und der Maria Lassnig Stiftung. Unter der kuratorischen Leitung des britisch-kenianischen Künstlers Michael Armitage treffen Werke der kenianischen Bildhauerin Chelenge Van Rampelberg, der österreichischen Malerin Maria Lassnig und Armitage selbst aufeinander. Die Ausstellung beleuchtet den menschlichen Körper aus verschiedenen Blickwinkeln und schafft eine Verbindung zwischen europäischer und afrikanischer Kunst. Sie zeigt, wie universelle Themen wie Verletzlichkeit und Selbstwahrnehmung über Kontinente hinweg künstlerisch interpretiert werden können.

Der Herbst bringt eine anonyme künstlerische Position, die sich mit der Migration von Ideen und Fragen der Autorschaft auseinandersetzt. Dieses Konzept hinterfragt traditionelle Vorstellungen von Individualität und rückt kollektive Kreativität als treibende Kraft für kulturellen Wandel in den Vordergrund. Trummer präsentierte den mit der Person unterzeichneten Geheimhaltungsvertrag.