Yalla. Arabisch-jüdische Berührungen

Kultur / 27.09.2024 • 14:11 Uhr
Pressegespräch und Ausstellungseröffnung: “Yalla. Arabisch-jüdische Berührungen”
Die Ausstellung bietet neue Perspektiven auf jüdisch-arabische Lebenswelten. philipp steurer

Eine Ausstellung im Jüdischen Museum Hohenems.


Hohenems In einer Zeit wachsender politischer und gesellschaftlicher Spannungen bietet ab Sonntag die neue Ausstellung im Jüdischen Museum Hohenems einen tiefen Einblick in die Lebenswelten arabischer Jüdinnen und Juden, die seit über 1.500 Jahren eine wichtige Rolle in dieser islamisch geprägten Welt spielten. Die Ausstellung verbindet künstlerische und historische Perspektiven, um das kulturelle Erbe dieser jüdischen Gemeinschaften ins Bewusstsein zu rücken.

Pressegespräch und Ausstellungseröffnung: “Yalla. Arabisch-jüdische Berührungen”
“Yalla. Arabisch-jüdische Berührungen” vom 29. September 2024 bis 24. August 2025. philipp steurer

Eine zentrale Frage, die sich die Kuratoren Anika Reichwald und Hanno Loewy stellten, war: Wie lassen sich all diese Geschichten erzählen? Die Facetten dieses Themas sind so vielfältig, dass die Ausstellung einen doppelten Ansatz verfolgt. Zum einen zeigt sie Werke von jüdischen Künstlerinnen und Künstlern mit arabischen Wurzeln, die sich mit Themen wie Identität, Musik, Architektur und Erinnerung auseinandersetzen. Diese Werke treten miteinander in Dialog und eröffnen neue Perspektiven auf das jüdisch-arabische Zusammenleben.

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Humus als Kunstobjekt des Künsterls Eliyahu Fatal. philipp steurer

Eine Besonderheit der Ausstellung ist, dass sie sich nicht auf den Sonderausstellungsbereich beschränkt. Um die Vielfalt jüdischer Lebenswelten erfahrbar zu machen, erstreckt sich die Ausstellung über das gesamte Museum. Die Dauerausstellung, die bisher stark auf die europäisch-jüdische Geschichte fokussiert war, wird um neue Erzählungen erweitert. Die Besucher haben so die Möglichkeit, oft übersehene Facetten jüdischer Identitäten jenseits der europäischen Narrativen zu entdecken.

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Ein ganz besonderer baum führt vor den Toren des Musums in die Ausstellung ein. philipp steurer

Es wird auch deutlich, wie tief die blinden Flecken in unserer Wahrnehmung der arabischen Welt und ihrer jüdischen Bevölkerung verankert sind. Es gibt kaum deutschsprachige Literatur, die sich mit der Geschichte der arabischen Juden auseinandersetzt. Die Ausstellung in Hohenems hat das Ziel, diese Lücke zu schließen und neue Zugänge zu schaffen. Ein Beispiel dafür ist der intellektuelle Austausch zwischen jüdischen und muslimischen Denkern im Mittelalter. Ohne diesen Dialog wäre das Wissen der antiken griechischen Philosophie nie nach Europa gelangt.

Pressegespräch und Ausstellungseröffnung: “Yalla. Arabisch-jüdische Berührungen”


Auch die Gegenwart wird in der Ausstellung behandelt. Ein zentrales Thema ist die jüdische Einwanderung nach Israel, insbesondere nach 1948. Mehr als die Hälfte der israelischen Juden stammt aus arabischen Ländern, doch waren diese Misrachim nach ihrer Ankunft oft Diskriminierung und Ausgrenzung ausgesetzt. Die Ausstellung beleuchtet diese Erfahrungen und zeigt, wie eng sie mit der politischen Entwicklung Israels verbunden sind. Dies wirft einen neuen Blick auf ein Land, dessen Narrative stark vom Holocaust geprägt sind.

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Ein Aspekt der Ausstellung ist der intergenerationelle Dialog der teilnehmenden Künstler. Viele von ihnen verarbeiten persönliche Familiengeschichten von Flucht und Vertreibung, aber auch von der Sehnsucht nach verlorenen Lebenswelten. Die Ausstellung gibt ihnen Raum, diese Geschichten zu teilen und ermöglicht den Besuchern, sich mit der Komplexität jüdischer Identität auseinanderzusetzen.

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Hori Izhaki, eine in Berlin ansässige Künstlerin mit familiären Wurzeln in Marokko und im Irak, die in der Ausstellung in Hohenems mit Videoinstallationen und mehreren Werken vertreten ist: “Es leben Arabische Juden in Israel, und wir müssen uns damit auseinandersetzen. Wir müssen ihre Geschichten als Teil unserer Gesellschaft anerkennen und reflektieren, wie wir eine inklusive Gemeinschaft gestalten können. Ich habe gesehen, was passiert, wenn wir dies nicht tun.”