Junger Dornbirner verzaubert Feldkirch

Aaron Pilsan beeindruckt durch seine spielerische Meisterschaft.
Feldkirch Der Dornbirner Pianist Aaron Pilsan stellte bei seinem jüngsten Konzert in Feldkirch erneut sein beachtliches Können unter Beweis. Trotz seiner erst 29 Jahre hat Pilsan bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten und sich einen festen Platz in der internationalen Musikszene erobert.

Den Auftakt des Abends bildete César Francks Prélude, Choral et Fugue, das Pilsan mit nuanciertem Einfühlungsvermögen interpretierte und sowohl die lyrisch fließenden Linien des Préludes als auch die dichte, komplexe Struktur der abschließenden Fuge meisterhaft zur Geltung brachte. Auch die Werke von Frédéric Chopin kamen nicht zu kurz. Ein „Chopin-Block“ mit verschiedenen Walzern, darunter der berühmte Minutenwalzer, zeigte Pilsans besondere Verbindung zu diesem Komponisten.

Pilsans Darbietung der Barcarolle in Fis-Dur beeindruckte durch die Balance zwischen lyrischen Passagen und virtuosen Momenten. Die sanft wiegende Melodik und die harmonische Komplexität des Werkes brachte er mit großer Leichtigkeit zur Geltung, was die emotionale Vielschichtigkeit und Tiefe der Komposition wunderbar unterstrich.
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Besonders fesselnd war Pilsans Interpretation von Robert Schumanns Carnaval op. 9, einem der komplexesten und originellsten Klavierwerke der Romantik. Das Werk besteht aus einer Reihe kurzer Charakterstücke, die verschiedene Figuren und Masken eines imaginären Karnevals darstellen. Pilsan meisterte die Herausforderung, die kontrastreichen Stimmungen und Charaktere – von lebhaft tänzerischen Momenten bis hin zu lyrischen, fast melancholischen Passagen – nahtlos miteinander zu verweben.

Besonders bemerkenswert war sein feines Gespür für die wechselnden Charaktere von Florestan und Eusebius, die zwei Seiten von Schumanns Persönlichkeit repräsentieren: Florestan als das Impulsive und Leidenschaftliche und Eusebius als das Träumerisch-Lyrische. Pilsan gelang es, diese emotionalen Gegensätze überzeugend darzustellen, indem er in den dramatischen Passagen eine präzise und kraftvolle Interpretation bot und gleichzeitig in den lyrischen Passagen Intimität und Zartheit schuf. Durch seine Interpretation erweckte Pilsan das Werk zum Leben und ließ das Publikum die tiefe innere Dramatik und den ständigen Wechsel der musikalischen Charaktere hautnah miterleben.
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Ein weiterer musikalischer Höhepunkt des Abends war Franz Liszts Rigoletto-Paraphrase, ein technisch höchst anspruchsvolles Werk, das auf der berühmten Arie „La donna è mobile“ aus Giuseppe Verdis Oper Rigoletto basiert. Pilsans Interpretation dieses virtuosen Stücks ging weit über technische Perfektion hinaus. Er verlieh dem Werk eine fast orchestrale Fülle und ließ die dramatische Kraft der Oper in seiner Klavierfassung aufleben. Besonders beeindruckend war, wie Pilsan die Beweglichkeit und Leichtigkeit der Arie in eine fließende, elegante Spielweise übertrug, die die Virtuosität des Stückes deutlich hervortreten ließ. Seine von Chopin inspirierte Technik des „Atmens aus dem Handgelenk“ ermöglichte es ihm, die schnellen Läufe, Triller und Oktaven mit beeindruckender Präzision und scheinbarer Leichtigkeit zu bewältigen. Trotz der vielen virtuosen Verzierungen und technischen Herausforderungen bewahrte Pilsan stets die melodische Klarheit und Struktur des Werkes und ließ so die Brillanz von Liszts Komposition in vollem Glanz erstrahlen.

Mit seiner technischen Meisterschaft, seiner tiefen musikalischen Ausdruckskraft und seiner unverwechselbaren Bühnenpräsenz bewies Aaron Pilsan einmal mehr, dass er auf dem besten Weg ist, zu den führenden Pianisten seiner Generation zu gehören.