Klangwelten zwischen Spannung und Ruhe

Werke von Willi und Brass bei den Schallwende-Porträtkonzerte 2024 in Feldkirch.
Feldkirch Am Freitag fand im Großen Saal der Musikschule Feldkirch der Auftakt der „Schallwende“-Porträtkonzerte statt, bei dem Werke der Komponisten Nikolaus Brass und Herbert Willi im Fokus standen.
Den Abend eröffnete Nikolaus Brass mit seinen atmosphärisch dichten Kompositionen.
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Den Beginn machte „Songlines 1“ für Violine, interpretiert von Joanna Lewis. Schon hier wurde Brass’ unverkennbare Handschrift deutlich: Seine Musik bewegt sich in den feinen Abstufungen zwischen Klang und Stille, den subtilen Nuancen und dem „Atem“ der Töne. Lewis’ sensible Interpretation machte den leisen Dialog der Töne zu einem intensiven Erlebnis.

Anschließend folgte „Strophe“ für Viola, dargeboten von Lena Fankhauser. In diesem Werk entfaltete sich eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz und dem akustischen Raum. Fankhauser meisterte die technischen und emotionalen Herausforderungen mit beeindruckender Präzision und ausdrucksstarker Tiefe. Das „3. Streichtrio“ bildete den Abschluss des Brass-Programms. Das Koehne Trio präsentierte das Werk auf gutem Niveau, wobei die Streicher die komplexen Schichten von Brass’ Musik eindrucksvoll zum Ausdruck brachten. Die intensive Abstimmung zwischen den Musikerinnen ließ die anspruchsvolle Struktur des Trios in klaren, meditativen Bögen erklingen.

Nach einer kurzen Pause wandte sich das Programm Herbert Willi zu, dessen Kompositionen von der Natur inspiriert und tief in seiner Vorarlberger Heimat verwurzelt sind. Besonders eindrucksvoll war die Aufführung der neuen Fassung von Willis Klaviertrio, das Joanna Lewis und Mara Achleitner gemeinsam mit dem Pianisten Yunus Kaya vortrug. Dieses Werk, ursprünglich 1984 entstanden und jetzt überarbeitet, überzeugte durch eine große klangliche Vielfalt und die nahtlose Integration der Instrumente.

Kaya fügte sich mühelos in das Ensemble ein. Das Trio begann mit einer ruhigen, fast meditativen Passage, die sich allmählich zu dynamischen und kontrastreichen Abschnitten entwickelte – wie die wechselhaften Stimmungen der Natur. Die dichte Klanglandschaft, die die Musikerinnen und Kaya schufen, wurde immer wieder von ruhigen Momenten durchbrochen und durch dramatische Höhepunkte belebt. Besonders der letzte Satz führte das Publikum in eine andere Dimension – hier wurde die Spannung zwischen Klang und Stille auf die Spitze getrieben.
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Ein weiterer Höhepunkt war die Uraufführung von Willis neuesten Klavierstücken, die Yunus Kaya mit beeindruckender Sensibilität vortrug. Die Klavierstücke XI, XII und XIII führten die Zuhörer in eine Welt, in der die Grenzen zwischen Musik und Natur, zwischen Ton und Stille zu verschwimmen scheinen. Kaya zeigte eine wunderbare Beherrschung der Nuancen von Willis Kompositionen, wodurch die Musik wie ein lebendiger Organismus erschien.
Besonders in den letzten beiden Stücken, die 2020 entstanden, wurde deutlich, wie intensiv Willi nach neuen Ausdrucksformen sucht. Die Klänge schufen eine kontemplative Atmosphäre, in der sich die Musik zu einer tief spirituellen Erfahrung verdichtete.

Die Werke von Nikolaus Brass und Herbert Willi ermöglichten dem Publikum einen faszinierenden Dialog zwischen verschiedenen musikalischen Ausdrucksformen, zwischen Struktur und Freiheit.