Musikalische Höchstleistungen mit szenischen Mängeln

Großer Jubel für den österreichischen Startenor Andreas Schager bei den Bayreuther Festspielen.
Bayreuth Die Premiere von „Tristan und Isolde“ am Donnerstagabend bei den Bayreuther Festspielen bot musikalische Glanzleistungen, während die szenische Umsetzung des isländischen Regisseurs Thorleifur Örn Arnarsson enttäuschte.

Die musikalische Leitung lag in den Händen von Semyon Bychkov. Mit seiner außergewöhnlichen Virtuosität inspirierte er das Orchester zu Höchstleistungen. Er begann das Vorspiel so zart, dass der berühmte Tristan-Akkord, der die unerfüllte Liebe symbolisiert, kaum zu hören war. Diese subtile und meisterhafte Interpretation erzeugte Gänsehaut und schuf ein zutiefst bewegendes musikalisches Erlebnis. Besonders bemerkenswert war Bychkovs führte die Musiker mit Präzision und Leidenschaft durch die komplexen Passagen der Partitur, was zu herausragenden Leistungen führte. Zum Beispiel zeigten die Hörner zu Beginn des zweiten Aktes und das Englischhorn-Solo des Hirten im dritten Akt eine wundervolle Perfektion und Ausdrucksstärke.

Andreas Schager als Tristan beeindruckte mit einem raumfüllenden Tenor, sein viriles, metallisch glänzendes Klangbild ging ebenso unter die Haut wie seine darstellerische Leistung. Herrlich seine „Isolde, Geliebte“. Trotz kleinerer Unsicherheiten im zweiten und dritten Akt behielt Schager eine angenehme und modulationsfähige Stimme.

Camilla Nylund als Isolde war eine hervorragende Besetzung. Im ersten Akt lief die Finnin zur Hochform auf und sang die große Erzählung mit schlanker Stimmführung und honigfarbenem Timbre. Ihre Spitzentöne setzte sie fulminant wie Leuchtraketen ein. In den Liebesduetten des zweiten Aktes überzeugte sie mit schönen Kopftönen, im dritten Akt zeigte sie träumerische Zartheit.

Günther Groissböck als König Marke zeigte einmal mehr seine enorme Bühnenpräsenz und rollengerechte Stimme. Seine Interpretation des verzweifelten Königs war berührend und seine warme Stimme füllte den Raum. Ólafur Sigurdarson als Kurwenal war der heimliche Star des Abends. Seine Darbietung war energiegeladen, voller Hingabe und von großer stimmlicher Vielfalt. Seine Professionalität und Perfektion vom Piano bis zum Fortissimo waren atemberaubend, das Publikum zeigte sich begeistert und applaudierte stürmisch.

Szenisch bot die Neuinszenierung allerdings wenig Überraschungen. Der erste Akt war geprägt von Dauernebel und wechselndem, schattenhaftem Licht, das wenig zur Handlung beitrug. Arnarssons Inspiration durch die isländische Landschaft, die als Seelenzustand dargestellt werden sollte, verfehlte ihre Wirkung. Das metaphorische Bühnenbild blieb unklar und wirkungslos. Das Brautkleid, Symbol romantischer Hoffnungen und Träume, lag zerknüllt in einer Truhe, umgeben von Alltags- und Kunstgegenständen – ein geplatzter Traum als Kulisse.

Der dritte Akt setzte diesen Ansatz fort, indem die Alltagsgegenstände als Scherbenhaufen dargestellt wurden, die die zerstörten Hoffnungen symbolisierten. Es war nicht der eifersüchtige König Marke, der die Liebe des Paares bedrohte, sondern ihre eigene Kommunikationsunfähigkeit und die gesellschaftlichen Rollen, die ihnen zugedacht waren. Trotz dieser interessanten Ansätze blieb die Inszenierung statisch und belanglos. Die düsteren Bühnenbilder und das atmosphärische Halbdunkel trugen zur allgemeinen Tristesse bei. Die Buh-Rufe für das Regieteam am Ende waren für Bayreuther Verhältnisse jedoch sanft.

Während die Sänger und der Dirigent Semyon Bychkov das Publikum mit großartigen musikalischen Leistungen begeisterten, konnte die szenische Umsetzung von „Tristan und Isolde“ bei den Bayreuther Festspielen nicht überzeugen. Die statische Inszenierung und die düsteren Bühnenbilder hinterließen einen faden Beigeschmack und boten wenig visuelle Höhepunkte.