“Hamlet” neu entdeckt

Kultur / 11.12.2023 • 15:40 Uhr
Die moderne Adaption von "Hamlet" öffnet neuen Generationen die Tür zu Shakespeares Werk.<span class="copyright"> Anja Köhler/VLT</span>
Die moderne Adaption von "Hamlet" öffnet neuen Generationen die Tür zu Shakespeares Werk. Anja Köhler/VLT

Dynamische 70-Minuten-Adaption im Vorarlberger Landestheater.

Die jüngste Inszenierung von „Hamlet“ am Vorarlberger Landestheater, gekürzt auf 70 Minuten und inszeniert von Lisa-Maria Cerha, ist eine innovative Adaption, die Shakespeares Klassiker einem jüngeren Publikum zugänglich machen soll. Cerha stellte sich der Herausforderung, die Komplexität und Tiefe des Stückes in komprimierter Form zu präsentieren.

„Hamlet“ erzählt die Geschichte des dänischen Prinzen Hamlet, der nach dem mysteriösen Tod seines Vaters, des Königs, und der überstürzten Heirat seiner Mutter Gertrude mit seinem Onkel Claudius, dem neuen König, in eine tiefe persönliche Krise gerät. Hamlet schwankt zwischen Rache, Melancholie, Wahnsinn und philosophischen Betrachtungen über Leben und Tod.

Der Regisseurin Cerha gelingt es, die kleine Bühne der Box wirkungsvoll zu nutzen.<span class="copyright"> Anja Köhler/VLT</span>
Der Regisseurin Cerha gelingt es, die kleine Bühne der Box wirkungsvoll zu nutzen. Anja Köhler/VLT

Cerha, die sowohl eigene Theaterfassungen als auch Kinderstücke inszeniert und sowohl mit Profis als auch mit theaterbegeisterten Jugendlichen arbeitet, gelingt es, die kleine Bühne der Box wirkungsvoll zu nutzen. Ihre Inszenierung zeichnet sich durch Tempo und intelligente Einfälle aus, die eine bestechende Bühnenpräsenz erzeugen. Allerdings leidet die emotionale Tiefe der Figuren, insbesondere von Hamlet und Ophelia, unter der Kürzung. Die schnelle Abfolge der Ereignisse lässt dem Publikum wenig Raum, sich in die Figuren hineinzuversetzen und mit ihnen zu fühlen.

Nico Raschners Hamlet ist zerrissen und zweifelnd, geplagt von inneren Konflikten und Schmerz. <span class="copyright"> Anja Köhler/VLT</span>
Nico Raschners Hamlet ist zerrissen und zweifelnd, geplagt von inneren Konflikten und Schmerz. Anja Köhler/VLT

Nico Raschner in der Titelrolle des Hamlet gibt eine bemerkenswerte Vorstellung. Sein Hamlet ist zerrissen und zweifelnd, geplagt von inneren Konflikten und Selbstmitleid. Raschner gelingt es vorzüglich, die komplexe Psyche Hamlets zu vermitteln.

Isabella Campestrinis Darstellung ist nuanciert und zeigt verschiedene Facetten.<span class="copyright"> Anja Köhler/VLT</span>
Isabella Campestrinis Darstellung ist nuanciert und zeigt verschiedene Facetten. Anja Köhler/VLT

Isabella Campestrini zeigt als Ophelia eine bezaubernde Präsenz, die sowohl Verletzlichkeit als auch Stärke vermittelt. Ihre Darstellung der Königin Gertrude ist nuanciert und zeigt verschiedene Facetten ihres schauspielerischen Könnens. Mal tiefgründig, mal humorvoll zeigt sie ihre Vielseitigkeit in den Rollen des Laertes und des Wächters Bernardo.

Luzian Hirzel weiß als König Claudius zu überzeugen.<span class="copyright"> Anja Köhler/VLT</span>
Luzian Hirzel weiß als König Claudius zu überzeugen. Anja Köhler/VLT

Luzian Hirzel überzeugt in mehreren Rollen, jedoch vor allem als Claudius. Seine Interpretation des Königs ist kraftvoll und nuanciert, was der Figur eine beeindruckende Präsenz verleiht. Hirzels Fähigkeit, auch als Horatio, Laertes, Polonius und Gertrude zu überzeugen, zeigt seine schauspielerische Bandbreite und Flexibilität.

Josepha Yen beweist ihre schauspielerische Vielseitigkeit.<span class="copyright"> Anja Köhler/VLT</span>
Josepha Yen beweist ihre schauspielerische Vielseitigkeit. Anja Köhler/VLT

Josepha Yen beeindruckt mit ihrem großen Talent in einer Vielzahl von Rollen. Ihre Darstellungen sind mal ironisch, mal oberflächlich, mal tiefgründig und verleihen Charakteren wie Polonius, Claudius, Gertrude, dem Totengräber und Francisco eine einzigartige Tiefe. Yens Fähigkeit, sich in jede dieser Rollen hineinzuversetzen und sie glaubhaft zu verkörpern, zeugt von ihrer schauspielerischen Vielseitigkeit.

Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg beeindruckend.<span class="copyright"> Anja Köhler/VLT</span>
Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg beeindruckend. Anja Köhler/VLT

Ein interessantes Element der Aufführung ist die Mehrfachbesetzung der Rollen durch die Schauspieler. Diese Entscheidung trägt zur Dynamik der Inszenierung bei und unterstreicht die Vielseitigkeit des Ensembles. Es entsteht eine faszinierende Ebene der Interpretation, da die Schauspieler zwischen verschiedenen Charakteren wechseln.

Die Rollen sind mehrfach besetzt durch die Schauspieler.<span class="copyright"> Anja Köhler/VLT</span>
Die Rollen sind mehrfach besetzt durch die Schauspieler. Anja Köhler/VLT

Insgesamt ist diese Aufführung von „Hamlet“ am Vorarlberger Landestheater eine bemerkenswerte Leistung, die vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen dürfte. Trotz der Herausforderung, das Stück zu kürzen, bietet die Inszenierung eine frische und dynamische Interpretation des Klassikers. Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg eindrucksvoll und tragen wesentlich zum Erfolg der Produktion bei. Diese moderne Adaption mag Puristen herausfordern, öffnet aber neuen Generationen die Tür zu Shakespeares Werk.