Ein Himmel voller Klänge

Sakrale Meisterwerke beim Konzert der Dommusik in Feldkirch.
Feldkirch Der Feldkircher Dom St. Nikolaus verwandelte sich am Sonntagabend beim „Konzert der Dommusik“ unter der souveränen Leitung von Benjamin Lack in ein Epizentrum geistlicher Musik. Der Domchor St. Nikolaus, begleitet von einem exzellenten Orchester und herausragenden Solisten, präsentierte ein Programm, das die Zuhörer durch die Chorliteratur führte und dabei sowohl historische als auch musikalische Tiefen auslotete.
Das Konzert begann mit dem „Te Deum“ von Joseph Haydn, das ursprünglich für die Monarchin Maria Theresia komponiert und am 8. September 1800 in Eisenstadt uraufgeführt wurde. Die Aufführung illustrierte die Entwicklung der Kompositionsform, beginnend mit dem einstimmigen hymnischen Lobgesang hin zur großen mehrstimmigen Festmotette mit wechselnden Chören, wie sie in Haydns Werk repräsentiert wird. Ein besonderes Highlight ist die Doppelfuge, in der zwei Textzeilen symbolisch miteinander verknüpft werden. Diese musikalische Passage führt zu einem intensiven rhythmischen Moment, der schließlich auf dramatische Weise aufgelöst wird.
Thematische Aktualität
Ein weiterer Höhepunkt des Abends war die im Sommer 1798 von Haydn komponierte Nelson-Messe. Die „Missa in Angustiis“ reflektiert musikalisch die Koalitionskriege ihrer Zeit und bietet durch ihre thematische Aktualität die Möglichkeit, Parallelen zur heutigen weltpolitischen Situation zu ziehen. Das musikalische Thema, insbesondere die tiefen Trompetentöne und die langgezogenen Orgelakkorde, unterstreichen die bedrückende Angst, die in der Tonart d-Moll der Kyrie zum Ausdruck kommt.
Die Solisten des Abends, Sabine Winter (Sopran), Veronika Dünser (Alt), Clemens Breuss (Tenor) und David Höfel (Bariton), trugen mit ihren hervorragenden stimmlichen Leistungen und ihrer musikalischen Präzision zum Gelingen des Konzerts bei.
Genauigkeit und Leidenschaft
Die Feldkircher Sopranistin Sabine Winter entfaltete in ihrem Vortrag eine ausgezeichnete stimmliche Tiefe und Klarheit. Ihr Auftritt am Sonntagabend war ein weiterer Beweis für ihre Fähigkeit, das Publikum mit der Reinheit und Emotionalität ihrer Stimme zu fesseln und zu berühren. Mit jedem Ton gelang es ihr, die Stimmung im Dom einzufangen und zu vertiefen. Ihre Stimme, kraftvoll und zart zugleich, schuf eine beeindruckende Resonanz im Herzen des sakralen Raumes. Benjamin Lack, seit 2007 Domkapellmeister an St. Nikolaus in Feldkirch, leitete das Ensemble mit einer Mischung aus Genauigkeit und Leidenschaft. Seine große Erfahrung und sein breit gefächertes Repertoire spiegelten sich in der souveränen Leitung des Konzertes wider, das die Zuhörer mit einem Abend voller klanglicher Höhepunkte und emotionaler Tiefe begeisterte.
Harmonie und Präzision
Der Domchor St. Nikolaus zeigte eine beeindruckende Harmonie und Präzision, welche die historische und spirituelle Tiefe der ausgewählten geistlichen Werke wunderbar zur Geltung brachte. Die stimmliche Geschlossenheit und die emotionale Intensität der Darbietung schufen eine ergreifende Verbindung zum Publikum und vertieften die Atmosphäre des Abends.
Das Orchester der Dommusik spielte mit einer Sorgfalt und einem Engagement, die die Brillanz der ausgewählten Werke unterstrichen. Ihre dynamische und einfühlsame Begleitung trug wesentlich zur emotionalen Tiefe des Konzerts bei und bildete eine perfekte Symbiose mit den Sängern, die die historische und musikalische Reise des Abends abrundete.
Ein Vorschlag zur Steigerung der atmosphärischen Dichte wäre eine sanftere Beleuchtung des Doms, um die Stimmung zu intensivieren und die Aufmerksamkeit des Publikums auf die musikalische Darbietung zu lenken. VN-AMA