Die Bretter, die den Katza Jazz bedeuten

Die Vorarlberger Band Rosi Spezial hat kürzlich in Wien ihr neues Album präsentiert. Im Interview versucht die Gruppe, ihre Musik irgendwie zu erklären.
Darum geht’s:
- Die Band Rosi Spezial hat ihr neues Album „Katza Jazz“ veröffentlicht.
- Sie haben ihre Release-Party in Wien gefeiert, tun dies aber am 9. Dezember auch in Feldkirch.
- Ihr Musikstil ist schwierig zu beschreiben. Die Band versucht es.
Wien Quizfrage: Welche Band schafft es, dass 100 Menschen auf einem Konzert in Wien grölen: „Rasamäher fürre, Rasamäher zruck“? Antwort: Rosi Spezial, eine Vorarlberger Gruppe, die nicht Ländle-Band genannt werden will. Mit „Katza Jazz“ haben Michael Naphegyi, Georg Wollmann, Michael Blassnig und Lukas Schiemer kürzlich ihr neues Album (oder ihre neue EP) veröffentlicht. Die VN trafen drei der vier zum Interview vor ihrer Release-Party in Wien. Es entstand ein Gespräch über Bretter, Genres und Improvisation.

Warum feiert eine Vorarlberger Band ihre Album-Release-Party in Wien?
Michael Blassnig: Wahrscheinlich weil wir hier die meisten Leute haben, die sich für uns interessieren.
Georg Wollmann: Wien ist die größte Vorarlberger Stadt!
Lukas Schiemer: Und wir leben alle in Wien.
Georg Wollmann: Aber es wird auch ein zweites Release in Vorarlberg geben. Wir spielen am 9. Dezember im Graf Hugo in Feldkirch.
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Wenn ihr eueren Musikstil beschreiben müsst: Wie tut ihr das? Wie lautet euer Genre?
Wollmann: Ich würde es als … Free … Jazz … Rock bezeichnen. Mundart Free Jazz Rock.
Blassnig: (Lacht.) Wenn die Begriffe von Georg schon weg sind, würde ich noch „freie Impro“ ergänzen.
Schiemer: Ich würde sagen, es ist eine Mischung aus Trash, Pop, Free Jazz und freie Improvisation.
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Ihr habt das Album ja improvisiert aufgenommen. Also einfach drauflosgespielt. Wie viel Konzept steckt im Album und wie viel in den Gigs?
Wollmann: Das ist unterschiedlich. Manche Impros wachsen und entwickeln sich, hinter anderen steckt mehr Konzept. Auf dem neuen Album haben wir mehrere Impro-Songs und uns überlegt, wie wir das live machen.
Schiemer: Wir kommunizieren uns gegenseitig Bilder, die uns einfallen an der Stelle, an der wir gerade sind. Der Song „Frei Jass“ geht in den Bildern über einen ganzen Tag. Er startet in der Früh und endet in der Nacht. Bei der Aufnahme haben wir völlig frei improvisiert.
Blassnig: Damit versuchen wir, den Bogen von der Impro, die uns gelungen ist, in ein Konzept zu fassen, um es live ähnlich hinzubekommen. Es geht nicht eins zu eins. Aber so, dass man es wiedererkennt.
Wollmann: Wir haben zuerst improvisiert und erst danach darüber gesprochen.
Blassnig: Bei den Auftritten hängt es natürlich auch von der Zeit ab. In der poolbar hatten wir nur eine halbe Stunde Zeit, da waren wir natürlich weniger random.
Schiemer: Da spielen wir dann die Bretter. Das sind unsere Songs mit einer klaren Form. Die Hits. Die nennen wir Bretter. Wenn wir keine Zeit haben, spielen wir hauptsächlich Bretter.
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Euer größter Hit ist „Am sunntig blibsch nüchtern!“. Sucht ihr wieder so einen Erfolg?
Blassnig: Ja … nein … Das kann man eigentlich mit Nein beantworten.
Wollmann: Ich habe eher sogar das Gefühl, dass manchmal ein kleiner Widerwille herrscht, diese Nummer zu spielen (lacht).
Schiemer: Es wäre schön, wenn es passiert, aber wir sind nicht auf der Suche. Wir versuchen immer, ein paar Bretter zu schaffen, die uns Spaß machen. Aber man hat es nicht im Sack.
Wollmann: Mir ist jetzt unser Genre eingefallen! Bretter und Impro (lacht).
Welches sind die Bretter auf dem neuen Album?
Blassnig: „Hundeholz“ und „Sure Kätzle“.
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Was ich noch fragen wollte: Habt ihr für euer Lied „A saftiges Fax“ wirklich Kommentare aus dem Forum von vol.at aufgesprochen?
Blassnig: Ja, Michi hat sie 1:1 aufgesprochen. Das war sehr lustig (lacht). Ist aber schon ewig her.
Ihr habt gesagt, euer aktuelles Album ist eigentlich eine EP. Wann kommt denn ein richtiges Album?
Blassnig: Stimmt EP eigentlich bei unserer Spiellänge?
Schiemer: Von der Länge her ist es ein Album. Von der Trackzahl eine EP, es sind fünf Songs oben. Es ist also eigentlich ein kurzes Album (lacht). Einfach nur eine Momentaufnahme von dem, was uns in Laterns eingefallen ist. Wenn es uns wieder reißt, dann machen wir wieder eines.
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In der poolbar habt ihr vor Helge Schneider gespielt. Von welcher Band wolltet ihr immer schon einmal Vorgruppe sein?
Schiemer: Eh bei Helge Schneider. Das hat für uns gepasst wie die Faust aufs Auge. Auch wenn wir mit ihm leider Backstage nicht ins Gespräch gekommen sind. Als Vorband von Helge! Das ist schon gut.
Blassnig: Besser könnte es eigentlich nicht passen. Er ist ein unfassbares musikalisches Genie.
Schiemer: Nicht nur musikalisch. Er ist ein Geschichtenerzähler und unfassbar komisch.
Die Vorgruppe von der EAV seid ihr aber nicht geworden.
Alle: (Gelächter): OOOHHH! Die Wunde!
Blassnig: Das wäre glaube ich am Rankweiler Marktplatz gewesen. Es ist dann sehr spontan nichts geworden. Leider. Es wäre lustig gewesen.
Schiemer: Ich möchte noch einmal etwas vom vorigen Thema, zum Album etwas sagen.
Nur zu.
Schiemer: Was für mich sehr relevant ist, ist für mich das Gefühl, dass es „back to the roots“ geht, also dass es wie am Anfang ist. Bei „Alles ist alles“ waren wir sehr ambitioniert, auch etwas Ernsteres reinzubringen, mit mehr Gesellschaftskritik und durchdachten Texten. Wir haben viel Arbeit investiert und nicht die Resonanz bekommen, die wir uns gewünscht haben. Danach haben wir lange darüber gesprochen, was wir als Band machen möchten. Das neue Album „Katza Jazz“ kommt jetzt wieder genau auf das zurück, wie es zuvor war.
Blassnig: Ein bisschen naiv, ein bisschen aufnehmen, worauf wir Lust haben, gar nicht viel überlegen, wie es sein könnte. Sondern einfach bamm!
Wäre „Katza Jazz“ ein Genrename für euch?
Schiemer: Jaaa!
Blassnig: Eigentlich schon, ja.
Wollmann: Wie wärs mit Katzen-Bretter? (Lacht.)
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Wir wird man eigentlich der Barkeeper eurer Band?
Wollmann: Wir haben bei jeder Probe einen anderen (lacht).
Wie ist denn die Idee entstanden, bei Konzerten einen Barkeeper mit auf die Bühne zu nehmen?
Blassnig: Das war die Idee von Michi. Er hat gesagt, er will einen Barkeeper. Und wir haben gesagt: okay (lacht).
Schiemer: Es war so in Richtung performatives Gesamtkunstwerk, wir hatten ja auch eine Malerin, die live gemalt hat. Und eben einen Barkeeper.
Blassnig: Und der ist geblieben, weil du auf der Bühne gerne danebensitzt.
Schiemer: Genau (lacht).
Sollen wir jetzt noch über Politik reden?
Alle lachen.
Blassnig: Nein, lieber nicht.