Es war die Schoder und nicht der Shakespeare

The Romeo &
Juliet Society
Sabine Schoder, Rosenfluch,
Ravensburger Verlag,
416 Seiten, ab 16 Jahre
Montafonerin setzt bekannte Liebesgeschichte in die Gegenwart.
Jugendbuch Joy ist eine ganz normale Schülerin. Jedenfalls fast, denn ihr Vater ist Theaterschauspieler und die beiden leben, seit dem Tod der Mutter, immer dort, wo er ein Engagement bekommen hat. Das waren bisher Städte wie London, Buenos Aires, Auckland, Sydney und New York. Doch was sich cool anhört, ist für den Teenager immer mehr eine Belastung. Nirgends fühlt sie sich daheim, überall ist sie die Neue beziehungsweise die Fremde. Doch das ist nicht das einzige Schicksal von Joy. Viel schlimmer ist, sie stammt angeblich von niemand Geringerem als der allseits bekannten Julia Capulet ab. Das an sich wäre ja nicht so schlimm, aber auf den beiden Familien Capulet und Montague lastet ein Fluch. Als Capulet darf sie sich auf keinen Fall in einen Montague verlieben, denn alle siebzehn Jahre muss ein Liebespaar geopfert werden und dieser Zeitpunkt steht unmittelbar bevor.
Doch als Joy von den beiden Fürsten Rhyme Capulet und Cut Montague an eine geheime Akademie in Verona entführt wird, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Auf dem Ball, auf dem das tragische Liebespaar ausgewählt wird, bringen Joys Gefühle nicht nur sie selbst in Gefahr. Natürlich geht nichts ohne Herzflattern, als Rhyme und Joy sich näherkommen und zum ersten Mal – seufz – auf dem Balkon küssen. Nur kurz vor dem letzten Duell! Aber gibt es ein Entrinnen aus dem Rosenfluch?
Mit „Rosenfluch“ ist der erste Band der Trilogie „The Romeo & Juliet Society“ von Autorin Sabine Schoder erschienen. Die Montafonerin, die 2021 mit dem DELIA-Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, greift darin die wohl bekannteste und tragischste Love-Story aller Zeiten auf und interpretiert sie neu. Joy ist eine sympathische Protagonistin und schildert aus der Ich-Perspektive ihre Verwirrungen um Fluch und Familie und um die erste Liebe, emotional und mitreißend. Schoder verwebt geschickt Althergebrachtes von William Shakespeare mit neuen Fantasy-Elementen und spart nicht mit Romantik das Setting und die Atmosphäre der Akademie betreffend. Dennoch ist die Welt mit ihren Familienfehden und Flüchen etwas gewöhnungsbedürftig und manche Szenen sind etwas zu langatmig beschrieben. Die Idee, auf der die Trilogie basiert, ist hingegen mutig und auch gelungen. Die weiteren Bände der Reihe sind: „Schlangenkuss“ (erscheint voraussichtlich im Frühjahr 2024) und „Diamantentod“ (erscheint voraussichtlich im Herbst 2024). CRO