Neue Wege für nachhaltiges Bauen

Ausstellung „Refuse, Reduce, Re-use, Recycle, Rot“ im Vorarlberger Architektur Institut.
DORNBIRN Der Bausektor ist weltweit einer der größten Verursacher von CO2-Emissionen und trägt rund 40 Prozent zu den schädlichen Treibhausgasen bei. In den letzten Jahrzehnten lag der Schwerpunkt ökologischer Bauprojekte oft auf Energieeffizienz und Gebäudedämmung. Doch jetzt findet ein Wandel statt. Aspekte der Kreislaufwirtschaft gewinnen im Bausektor an Bedeutung. Die Ausstellung „Refuse, Reduce, Re-use, Recycle, Rot“ zeigt verschiedene Ansätze des ökologischen Bauens und beleuchtet deren Wechselwirkungen, Herausforderungen und Grenzen.
„House Europe!“
Provokante Thesen in der Ausstellung lauten: „Verbietet das Bauen“ oder „Stoppt den Neubau“. Dahinter verbirgt sich der dringende Appell, das Dogma des ständigen Neubaus zu durchbrechen und den Erhalt des Bestehenden in den Mittelpunkt der Bauwende zu stellen. Aus ökologischer Sicht ist es oft sinnvoller, ältere Gebäude zu sanieren und weiterzunutzen, als sie abzureißen und neu zu bauen. Ein herausragendes Projekt in diesem Zusammenhang ist „House Europe!“, eine europäische Bürgerinitiative zur Förderung der Bestandsnutzung und gegen spekulativen Abriss. vai-Direktorin Verena Konrad: „Wir stellen Projekte aus verschiedenen Zusammenhängen vor, die zeigen, wie vielfältig die Material- und Bauwende gedacht werden kann, und knüpfen an bewährte historische Momente an, denn das Weiterbauen ist keine neue Erfindung.“
„Reduce“ beschreibt die vielfältigen Möglichkeiten, den Ressourcenverbrauch im Bauwesen zu reduzieren. Dies kann durch Genügsamkeit und Sparsamkeit beim Flächen- und Materialverbrauch, durch den effizienteren Einsatz von energiereichen Baustoffen oder durch den Einsatz von Low-Tech-Ansätzen, die komplexe Technologien und Bauteile ersetzen, erreicht werden. Die Idee des „Re-use“ ist in der Architektur und im Bauwesen weit verbreitet. Bei Abriss werden gut erhaltene Bauteile nicht mehr nur recycelt, sondern direkt in neuen, umgebauten oder erweiterten Gebäuden wiederverwendet. Dies erfordert jedoch die Entwicklung von Materialplattformen, Netzwerken und Lösungen für Herausforderungen wie Logistik und Zertifizierung. Mittlerweile werden in vielen Ländern ca. 90 % der Bauabfälle recycelt, was zu einer erheblichen Reduzierung des Verbrauchs an Primärressourcen führt. Allerdings geht das Recycling häufig mit einer Verschlechterung der Materialqualität einher, und die Herstellung von Recyclingbaustoffen erfordert oft einen hohen Energieeinsatz. Vor Jahrhunderten war der Bau von Gebäuden stark von lokalen natürlichen Ressourcen wie Holz, Stein, Lehm und Kalk geprägt. Mit der Industrialisierung und der Entwicklung moderner Baustoffe wurden diese natürlichen Materialien jedoch verdrängt. Die Ausstellung betont die Vorteile dieser natürlichen, biologisch abbaubaren Baustoffe und ihren geringen ökologischen Fußabdruck und zeigt auf, dass der Wandel im Bausektor hin zu mehr Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in vollem Gange ist.
Innovative Projekte und Ideen
Darüber hinaus werden innovative Projekte und Ideen vorgestellt, die dazu beitragen können, die Umweltauswirkungen des Bausektors zu reduzieren. Die Eröffnung der Ausstellung, die bis zum 24. Februar 2024 zu sehen sein wird, findet am 28. September um 19 Uhr im Vorarlberger Architektur Institut statt. Verena Konrad wird die Veranstaltung eröffnen, Kurator Clemens Quirin in die Ausstellung einführen. Interessierte sind herzlich eingeladen, in die Welt des nachhaltigen Bauens einzutauchen. VN-AMA