Denzel Washington im Blutrausch

“The Equalizer 3 – The Final Chapter” legt in Sachen Gewaltdarstellung gegenüber den beiden Vorgängerfilmen noch einmal zu.
Action Charles Bronson hat es vorgemacht. In “Ein Mann sieht rot” rächte er 1974 den Mord an seiner Frau und räumte für damalige Kinofilme ungewohnt brutal unter Kriminellen auf. Kritiker reagierten geschockt, das Publikum aber strömte in die Kinos. Es folgten zahlreiche Fortsetzungen. Rund 50 Jahre später erfreuen sich Selbstjustiz-Thriller weiterhin großer Beliebtheit beim Publikum, wie “96 Hours” mit Liam Neeson, “John Wick” mit Keanu Reeves und die “The Equalizer”-Reihe mit Denzel Washington zeigen. Das Motto scheint dabei zu lauten: Je brutaler, desto besser.

Auch “The Equalizer 3 – The Final Chapter” legt in Sachen Gewaltdarstellung gegenüber den beiden Vorgängerfilmen noch einmal zu. In dem Actionthriller spielt Washington zum dritten Mal den Ex-Elite-Agenten Robert McCall. Nachdem er im ersten Film von 2014 in seiner Heimat Boston die russische Mafia ausgeschaltet und sich im Sequel von 2018 übler Ex-Kollegen entledigt hat, lehrt er dieses Mal die italienische Mafia das Fürchten oder, besser gesagt, das Sterben.
McCall ist in Süditalien unterwegs, um von einem Mafiapaten “etwas zurückzuholen, dass jemand anderem gehört”. Dafür löscht er im Alleingang praktisch den ganzen Clan auf einem Weingut in Sizilien aus. Dabei wird er angeschossen. In der italienischen Küstenstadt Altamonte (es handelt sich um Positano an der Amalfiküste) wird er von dem wohlmeinenden Arzt Enzo gesund gepflegt. Weil McCall auf dem Weingut etwas entdeckt hat, was für amerikanische Behörden interessant ist, kontaktiert er die Agentin Emma Collins (Dakota Fanning, spielte als Kind neben Washington im Actionthriller “Mann unter Feuer”).

Während sich McCall langsam von seiner Verletzung erholt, verliebt sich der Mann mit dem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und dem Hang zur Gewalt in das malerische Örtchen. Allerdings hat es die Mafia auf Altamonte abgesehen. Mit brutaler Gewalt versucht sie den Widerstand der Bürger zur brechen, um dort eine Vergnügungsstadt mit Hotels, Clubs und Casinos zu erschaffen. McCall beobachtet, wie Angehörige der Camorra die Menschen zunehmend drangsalieren. Bis er genug gesehen hat und sich den Gangstern in den Weg stellt.
Das Prinzip ist dasselbe wie bei den vorherigen Filmen. Es werden solange niederträchtige Ungerechtigkeiten gezeigt, bis man auch als Zuschauer gedanklich die Moral und das Gesetz über Bord wirft und den unvermeidlichen Rachefeldzug herbeisehnt. “Bist du ein guter oder ein böser Mensch?”, fragt Enzo. McCall weiß es selbst nicht. Im ersten “The Equalizer” ging es in erster Linie um Gerechtigkeit, im zweiten stand schon die Rache im Vordergrund. Im dritten Teil befindet sich McCall nun regelrecht im Blutrausch. Man könnte meinen, er genießt das Töten, wenn er Feinden mit Genugtuung beim langsamen Sterben zuschaut.
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Regisseur Antoine Fuqua, der mit Washington bereits die ersten beiden Filme sowie den Oscar-prämierten Thriller “Training Day” und das Western-Remake “Die glorreichen Sieben” drehte, richtet den Fokus von Beginn an auf Gewaltszenen. Es genügt ihm nicht, dass man die übel zugerichteten Toten in Nahaufnahme sieht. Später wird in einem überflüssigen Rückblick im Stil eines Ego-Shooters detailreich und blutig gezeigt, wie unangenehm die Clanangehörigen zu Tode kamen. In den knapp zwei Stunden werden Schädel durchbohrt, Hälse aufgeschlitzt und Gliedmaßen abgetrennt. Selbst Brutalitäten aus den ersten beiden Filmen werden in Rückblicken erneut gezeigt.
Im Kontrast zu diesen garstigen Gewaltszenen stehen die malerischen Kulissen von Positano und die Momente, in denen McCall Freundschaft zu den Anwohnern aufbaut. Der italienische Theater- und Filmveteran Remo Girone glänzt als McCalls Arzt und Freund Enzo Arisio. Eugenio Mastrandrea ist als Carabinieri Gio Bonucci sympathisch. Die meisten Charaktere, darunter Gaia Scodellaro als liebevolle Kellnerin Aminah, bleiben jedoch oberflächlich. Die Mafiosi wirken zwar furchteinflößend und charismatisch, agieren aber klischeehaft und vollkommen übertrieben.

Denzel Washington sieht man sein Alter wahrlich nicht an. Die Action- und Kampfszenen, so unrealistisch sie auch sein mögen, nimmt man dem mittlerweile 68-Jährigen deshalb gern ab. In den ersten beiden Filmen konnte der zweifache Oscar-Gewinner (“Glory”, “Training Day”) allerdings auch noch als Schauspieler sein Talent zeigen. In “The Equalizer 3 – The Final Chapter” wird seine Rolle fast komplett auf die des gnadenlosen Killers reduziert. Das ist zwar trotz der brutalen Momente zum Wegschauen noch erstaunlich unterhaltsam. Insgesamt jedoch ist der Actionthriller, der dem Namen nach die “The Equalizer”-Reihe abschließt, trotz der vielen blutigen Szenen inhaltlich eher blutleer.
The equalizer 3
Regie: Antoine Fuqua
Mit: Denzel Washington, Dakota Fanning, David Denman, Sonia Ammar, Eugenio Mastrandrea
Start: 1. September