Wo Kultur war, war Edgar
Es war einmal … man könnte fast anfangen wie im Märchen. Und irgendwo war die Zeit in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts im Bereich der Kultur auch eines. In Bregenz entstanden die Randspiele, im Bregenzerwald die Wäldertage, in Lustenau das Jazzhuus, in Bludenz allerArt, in Feldkirch wurde gar ein Theater gegründet. Feldkirch, das wir lange als kulturelle Wüste gesehen hatten, war überhaupt die große Überraschung. Und natürlich standen dafür auch Namen, allen voran Vizebürgermeister und Kultur- und Jugendreferent Helmut Futscher. Aber Politiker alleine konnten auch damals nur Dinge ermöglichen, benötigten aber Menschen, die ihren Ideen folgten und sie umsetzten. In Feldkirch war das vor allem Wolfgang Angerer, ohne den es das Theater am Saumarkt wohl nie gegeben hätte. Er schaffte es, das kleine Kellertheater zu einem kulturellen Zentrum zu machen, mit Kleinkunst, die man bis dahin in Vorarlberg kaum einmal gesehen hatte. Unter anderem spielten hier die legendären „Wühlmäuse“ von Heiner Linder mit Komponisten wie Gerold Amann oder Spielern wie Klaus Schöch. Und was immer auch in der Kultur in Feldkirch geschah – einer war immer dabei: Edgar Schmidt als eine Art kultureller Stadtschreiber, der als Journalist weit über die Stadt Bedeutung erlangte. Oder auch als Akteur, etwa als Leiter des „Talk im TaS“, einer Gesprächsreihe mit regionalen und internationalen Künstlern, die er über zehn Jahre im Saumarkt durchführte. Vor einigen Tagen ist Edgar Schmidt im Alter von 86 Jahren gestorben.
„Er war ein angenehmer, kluger Mensch, der nie schnell verurteilte, aber seine kritische Position dennoch deutlich machte.“
Es war wohl auch das Zusammentreffen von Menschen wie Futscher, Angerer und Schmidt, die – natürlich nicht alleine, sondern mit vielen Helfern auf verschiedensten Ebenen – das kleine Kulturwunder in Feldkirch auf den Weg brachten. Feldkirch war damals mit dem Saumarkt so etwas wie das kulturelle Schwungrad des Landes, das durch das Palais Liechtenstein mit Archiv, Bibliothek und Ausstellungsraum und nicht zuletzt mit dem Jugendhaus Graf Hugo unter Ulrich Herburger eine wesentliche Ergänzung erfuhr. Leider ist Feldkirch in den letzten Jahren – trotz neuer Spielstätten wie dem Montforthaus – durch unkluge Politik ins Hintertreffen geraten.
Edgar Schmidt war immer mit dabei. Es war anregend, sich mit ihm über das jeweilige Thema zu unterhalten. Edgar hatte zu nahezu allem eine begründete Meinung. Er hatte auch – was noch wichtiger ist – Haltung. Mit ihm ins Gespräch zu kommen, bedeutete bis in die jüngste Zeit, also bis ins hohe Alter, das er erreichte, Gewinn. Man ging wissender von ihm weg, als man ihm begegnet war. Allein das sagt für einen Kulturjournalisten schon vieles aus. Er war ein angenehmer, kluger Mensch, der nie schnell verurteilte, aber seine kritische Position dennoch deutlich machte. Feldkirch hat mit ihm einen wichtigen Menschen, der die Kultur zu den Leuten brachte, verloren.
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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