Barockrausch in Bildstein

Kultur / 07.08.2023 • 17:30 Uhr
Zweistündiges Konzert der Wiener Symphoniker in der Basilika Bildstein.  <span class="copyright"> Roland Paulitsch</span>
Zweistündiges Konzert der Wiener Symphoniker in der Basilika Bildstein. Roland Paulitsch

Ensemble der Wiener Symphoniker begeisterte in der Basilika.

Bildstein Mit einem wahren Füllhorn musikalischer Perlen überschütteten die Symphoniker die zum Bersten gefüllte Bildsteiner Marienwallfahrtskirche am letzten Sonntag in einem zweistündigen Konzert. Im Mittelpunkt standen die Großmeister Bach und Vivaldi, als Einstimmung erklang die Sinfonia in G-Dur von Karl Friedrich Abel, der heuer seinen 300. Geburtstag feiert, ein heiteres Werk im Stil der Vorklassik. In seiner kundigen Moderation beleuchtete der Dirigent Christian Birnbaum unter anderem die Beziehungen zwischen Bach und Vivaldi: Bach bearbeitete nicht weniger als zehn Violinkonzerte des Prete rosso für Cembalo oder Orgel.

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Vivaldis Doppelkonzert für zwei Celli in g-Moll, RV 531, besticht durch Originalität und wilde Emotionalität. Schon der Anfang ist einzigartig: Nicht das Orchester, sondern die beiden gleichberechtigten Celli beginnen und imitieren sich in einer wilden Jagd auf den tiefen Saiten, virtuos gespielt von Andreas Pokorny und Michal Vogt. Im Largo spinnen die beiden Solisten eine melancholische gesangliche Melodie aus, im Finalsatz brodelt die Höllenküche in rasanten Läufen, dass es eine Freude ist. Im Oboenkonzert in a-Moll, RV 461, versetzte Paul Kaiser mit seinem makellos schönen Ton geradezu in Trance. Eingebettet in den feinabgestimmten Orchesterklang glitten im 1. Satz die Töne wie Perlenschnüre aus dem Soloinstrument, im Larghetto, einem jener traumhaft schönen langsamen Sätze von Vivaldi, nach denen man süchtig werden könnte, fühlte man sich wie im Himmel.

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Dazwischen erklang die bekannte Kreuzstab-Kantate, BWV 56, von Johann Sebastian Bach, aus welcher der Titel von Robert Schneiders „Schlafes Bruder“ stammt. Birnbaum machte darauf aufmerksam, dass bei Bach eine ganz andere Lösung im Umgang mit Leiden gefunden wird als im Roman: nicht Selbstmord, sondern Zuversicht in Gott. Und die vermittelte der Bariton Georg Lehner in seiner ebenso stimmgewaltigen wie textdeutlichen Interpretation überzeugend, in der Arie „Endlich wird mein Joch“ vom sonnigen Klang von Paul Kaisers Oboe unterstützt.

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Den Abschluss bildete eine umwerfende Aufführung des Dritten Brandenburgischen Konzertes, in der die in Dreiergruppen agierenden Streicher unter Führung von Konzertmeister Willy Büchler geradezu entfesselt durch Virtuosität und Spielfreude glänzten. Der in rasendem Tempo gespielte Schlusssatz riss das Publikum, unter dem sich Bischof Benno Elbs befand, von den Stühlen, erst die Zugabe, Bachs Air, beruhigte das begeisterte Publikum.

Ulrike Längle