Hinter den Kulissen: Der Protest, der in die Hose ging

Die Klimaschutzaktivisten von Extinction Rebellion machten es der Polizei am ersten Tag der Festspiele etwas zu einfach.
Bregenz Um zu wissen, dass eine Protestaktion bei den Festspielen geplant sein wird, musste man kein Prophet sein. Um es zu verhindern, aber auch nicht.

Die Möglichkeiten eines öffentlichkeitswirksamen Protestes waren vielseitig. So hätte man versuchen können, die Festspielbrücke zu blockieren, um die Zufahrt zu den Festspielen zu erschweren. Oder die Präsenz des ORF am Festspielplatz zu nutzen, um über Vorarlberg hinweg ein Statement zu transportieren. Der Eröffnungsakt am Vormittag ging jedoch ohne Zwischenfälle über die Bühne.

Am Abend dann die Premiere von Ernani. Die Präsenz an Uniformierten war groß, das Polizeiboot V20 lag zufällig neben der Seebühne. Der ORF Vorarlberg bereitete für 19 Uhr einen Liveeinstieg vom Festspielvorplatz vor, ein verlockendes Ziel für jede Protestkundgebung. Entsprechend misstrauisch beäugten die Beamtinnen jeden Schaulustigen in Reichweite der Kamerateams.

Schlussendlich war es dann doch beinahe zu einfach: Kurz vor 19 Uhr tauchte ein junger Mann auf, mit dem Logo von Extinction Rebellion auf T-Shirt und Hose. Auch für die Beamten war er nicht zu übersehen. Als sich der Aktivist auf der Tribüne der Seebühne einen Überblick über den Vorplatz verschuf, schlug die Polizei zu: Der Einsatzleiter verwickelte ihn in ein 20-minütiges Gespräch – gerade so lange, bis der ORF seine Arbeit beendet hatte und die Festspielgäste weitestgehend schon auf dem Weg in den großen Saal waren. Somit verging der erste Festspieltag ohne öffentlichkeitswirksamen Protest für mehr Klimaschutz.