Ernani: Packendes Musikdrama voller Liebe, Hass und Rache

Kultur / 19.07.2023 • 18:00 Uhr
Verdis "Ernani" entführt in eine Welt von Ehre, Liebe, Mord und Rache.   <span class="copyright">Stiplovsek Dietmar pauschal (12)</span>
Verdis "Ernani" entführt in eine Welt von Ehre, Liebe, Mord und Rache. Stiplovsek Dietmar pauschal (12)

Lotte de Beers Inszenierung von Ernani begeistert das Publikum bei den Bregenzer Festspielen.

Bregenz Mit der faszinierenden Inszenierung von Giuseppe Verdis “Ernani” in der Regie von Lotte de Beer erlebte das Publikum im Festspielhaus der Bregenzer Festspiele einen mitreißenden Saisonauftakt. Die Oper entführt in eine Welt, in der die menschliche Natur in all ihren drastischen Widersprüchen zum Ausdruck kommt. Mit “Ernani” kann Lotte de Beer an ihren Erfolg in Bregenz anknüpfen, den sie 2017 mit ihrer einfallsreichen Umsetzung des historischen Stoffes von Rossinis “Moses in Ägypten” begonnen und ihr außergewöhnliches künstlerisches Talent unter Beweis gestellt hat.

Lotte de Beers Inzenierung entfaltet alle Facetten einer packenden Verdi-Oper.
Lotte de Beers Inzenierung entfaltet alle Facetten einer packenden Verdi-Oper.

In dem beeindruckenden Bühnenbild von Christof Hetzer – eine unberührte Insel, eine kahle Spielfläche mit Grabsteinen oder düstere Papierkulissen zeigend – entfaltet Lotte de Beer alle Facetten einer packenden Verdi-Oper. Es ist eine große Choroper, in der Verdi und sein Librettist Francesco Maria Piave Victor Hugos Liebesdrama “Hernani ou l’honneur Castillan” auf wenige dramatische Schlüsselszenen reduzieren und ein Feuerwerk aus Hass, Liebe, Eifersucht, Gewalt, Rache und Eigensinn präsentieren, umgesetzt in eine einzigartige musikalische Affektsprache, die Verdis Werk unverwechselbar macht.

Inmitten eines Geflechts aus Leidenschaft und Intrigen kämpfen drei Männer um die Gunst einer Frau.
Inmitten eines Geflechts aus Leidenschaft und Intrigen kämpfen drei Männer um die Gunst einer Frau.

Nur 14 Jahre nach der Uraufführung von “Hernani” machte Verdi aus dem Schauspiel eine Oper, die 1844 im Teatro La Fenice in Venedig uraufgeführt wurde. “Ernani” war ein sofortiger und dauerhafter Triumph für den jungen Verdi, der seine Fähigkeit unter Beweis stellte, ein historisches Ereignis in ein psychologisch überzeugendes Musikdrama zu verwandeln.

Hass, Liebe, Eifersucht, Gewalt, Rache und Eigensinn.
Hass, Liebe, Eifersucht, Gewalt, Rache und Eigensinn.

Die Handlung spielt im Spanien des 16. Jahrhunderts und dreht sich um den edlen Banditen Ernani, den mächtigen Grande Don Carlo, die schöne Elvira und den König Don Ruy Gomez de Silva. Die vier Hauptfiguren sind in eine komplizierte Dreiecksbeziehung verstrickt, die von Eifersucht, Rache und politischen Intrigen geprägt ist. Ernani liebt Elvira, doch diese ist mit Silva verlobt. Als Ernani davon erfährt, beschließt er, sich Silva zu stellen und sein Leben zu riskieren. Doch Silva, getrieben von Eifersucht und Rache, plant, Ernani zu töten.

Kampf- und Stuntszenen sind Teil der Inszenierung.
Kampf- und Stuntszenen sind Teil der Inszenierung.

Inmitten dieser turbulenten Konflikte versucht Don Carlo, der ebenfalls in Elvira verliebt ist, seine eigenen Ambitionen zu verfolgen und die Macht an sich zu reißen. Die Geschichte erreicht ihren dramatischen Höhepunkt, als alle vier Personen aufeinandertreffen und die Konsequenzen ihrer Entscheidungen tragen müssen.

Mit Ernani setzt Lotte de Beer ihre Inszenierungen in Bregenz fort.
Mit Ernani setzt Lotte de Beer ihre Inszenierungen in Bregenz fort.

Verdi verstand es wie kaum ein anderer, diese tiefen Emotionen in mitreißende Musik umzusetzen und bewies in dieser Oper seine überragenden musikalischen Qualitäten. Unter der Leitung von Enrique Mazzola, Residenzdirigent der Bregenzer Festspiele, wird das Musikdrama zu einem wahren Genuss. Mazzola gelingt es von Anfang an, alles aus dieser Partitur herauszuholen, auch die kleinsten Nuancen und Verzögerungen. Unter seiner Leitung spürt man bereits den späten Verdi, das Genie, das in dieser Musik steckt. Zweifellos eine herausragende Leistung.

Großartige Leistungen von Saimir Pirgu als Ernani und Guanqun Yu als Elvira.
Großartige Leistungen von Saimir Pirgu als Ernani und Guanqun Yu als Elvira.

Der italienische Belcanto erfordert eine besondere Gesangskultur, und das Sängerensemble überzeugt durchweg mit herausragenden Leistungen. Besonders hervorzuheben sind Saimir Pirgu als Ernani und Guanqun Yu als Elvira. Pirgus Tenor hat ein wahrhaft italienisches Timbre, das jede Note mit Leidenschaft und Ausdruckskraft erfüllt. Yus Sopran beeindruckt durch eine konstante Höhe, durchdringende Klarheit und in den Liebesduetten durch eine einfühlsame Zartheit, die die Herzen der Zuschauer berührt.

Goran Jurić, der den alten Don Ruy Gomez de Silva mit seinem kraftvollen Bass eindrucksvoll verkörpert und Franco Vassallo, der als Don Carlo auf ganzer Linie überzeugt.
Goran Jurić, der den alten Don Ruy Gomez de Silva mit seinem kraftvollen Bass eindrucksvoll verkörpert und Franco Vassallo, der als Don Carlo auf ganzer Linie überzeugt.

Ein weiteres Highlight dieser Aufführung ist Goran Jurić, der den alten Don Ruy Gomez de Silva mit seinem kraftvollen Bass eindrucksvoll verkörpert. Seine Bühnenpräsenz und sein nuanciertes Spiel verleihen der Figur eine beeindruckende Authentizität, ebenso wie Franco Vassallo, der als Don Carlo auf ganzer Linie überzeugt. Aytaj Shikhalizada, Omer Kobiljak und Stanislav Vorobyov komplettieren das Ensemble mit ihren Leistungen.

Großartige Chorszenen sind eine der Höhepunkte.
Großartige Chorszenen sind eine der Höhepunkte.

Der Prager Philharmonische Chor unter der Leitung von Lukáš Vasilek trägt zum Gesamterlebnis bei und erzielt mit den meist einstimmig geführten Chören starke und mitreißende Effekte.

"Ernani" war ein sofortiger und dauerhafter Triumph für den jungen Verdi.
"Ernani" war ein sofortiger und dauerhafter Triumph für den jungen Verdi.

Insgesamt entsteht durch die Kombination der herausragenden sängerischen Leistungen, der mitreißenden Inszenierung und der eindringlichen Darstellung der Folterszenen eine faszinierende künstlerische Atmosphäre, die das Publikum gleichermaßen fesselt und bewegt. Immer wieder wird die Szenerie von Soldaten in Kampfmontur durchbrochen, die sich gegenseitig die Schädel einschlagen, foltern und morden und blutüberströmte Tatorte hinterlassen. Mit ihrem kühnen Umgang mit Blut und Ehre überschreitet diese Opernproduktion konventionelle Grenzen und lässt das Publikum in eine verstörende und zugleich faszinierende Welt eintauchen.

Wie so oft entfaltet sich eine Geschichte um Rache, Liebe, Eifersucht und Ehre, die uns in ihrer Thematik nicht fremd ist. Inmitten dieses Geflechts aus Leidenschaft und Intrigen kämpfen drei Männer um die Gunst einer Frau, um Elvira, die sowohl von Ernani geliebt wird als auch seine Liebe erwidert.
Lotte De Beer gelingt es auf beeindruckende Weise, die Gratwanderung zwischen reinem Spektakel und durchdachter Inszenierung zu meistern. An einigen Stellen mag die Versuchung zur reinen Show präsent sein, doch sie überschreitet nie die Grenze, sondern behält stets ihre Instinkte und Intelligenz im Blick.

Weitere Aufführungen von Ernani finden am 23. Juli um 11 Uhr und am 31. Juli um 19.30 Uhr statt.
Weitere Aufführungen von Ernani finden am 23. Juli um 11 Uhr und am 31. Juli um 19.30 Uhr statt.

Dieses Zusammenspiel von Unterhaltung und Anspruch macht die Produktion von “Ernani” zu einem einzigartigen Erlebnis, das man unbedingt erleben sollte. Die Bregenzer Festspiele bieten hier eine Gelegenheit, den Zauber und die Magie dieser Oper auf eine fesselnde und unvergessliche Weise zu erleben.

“Ernani”

Bregenzer Festspiele

Weitere Vorstellungen:

23. Juli um 11 Uhr und am 31. Juli um 19.30 Uhr