Bundespräsident warnt vor Ausgrenzung und Populismus

Eröffnung der 77. Bregenzer Festspiele.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen eröffnete am Mittwoch mit einer eindrücklichen Rede die 77. Bregenzer Festspiele. In seiner Ansprache warnte er vor Ausgrenzung und Populismus und bezog sich zu Beginn auf die „Theorie der zerbrochenen Fenster“ aus der amerikanischen Sozialtheorie der 1980er-Jahre. Diese besagt, dass sich der Verfall eines Stadtviertels beschleunigt, wenn eine zerbrochene Fensterscheibe nicht sofort repariert wird. Dadurch entstehe der Eindruck, dass sich niemand um das Viertel kümmere, was zu Vandalismus und weiterem Verfall führe.

Van der Bellen betonte, dass auch in unserem Land „Fensterscheiben“ eingeworfen würden und dass damit Schluss sein müsse.
Der Bundespräsident zeigte sich besorgt, dass sich in unserem Land manches nicht in die richtige Richtung entwickle. „Sprache wird wieder zum Ausgrenzen verwendet. Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass wieder von einem ‚Wir‘ und den ‚Anderen‘ gesprochen wird. Wer bestimmt, wer normal ist und wer nicht?“

Van der Bellen appellierte an alle Politikerinnen und Politiker, sich auf die Suche nach den besten Lösungen zu konzentrieren, anstatt sich in Begrifflichkeiten und Deutungshoheiten zu verlieren. Diese Lösungen müssten den Menschen so vermittelt werden, dass sie ihren persönlichen Nutzen erkennen können. Wohlstandsmehrung, Klima- und Umweltschutz, Armutsbekämpfung und sozialer Zusammenhalt nannte der Bundespräsident als Themen, die diskutiert, gelöst und kommuniziert werden müssen.
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„Lassen Sie uns ruhig streiten, aber mit Sachargumenten. Konstruktiv streiten. Bringen wir das Beste in uns und in Österreich zum Vorschein und nicht das Niedrigste. Lassen Sie uns glauben, dass wir durch alle Herausforderungen der Zukunft gut durchkommen, wenn wir nicht aufgeben.“

Festspielpräsident Hans Peter Metzler stellte in seiner Begrüßung fest: „Heute gut zu leben war und ist nur möglich, weil vorausschauende Menschen gestern geträumt und entsprechend gehandelt haben. Sich morgen in einem lebenswerten Umfeld entfalten zu können, wird nur möglich sein, wenn wir heute die notwendigen Weichenstellungen mit Elan, aber auch mit Sorgfalt anpacken. Dies gilt für viele Lebensbereiche, nicht nur vorrangig für Klima, Energie, Gesundheit und Wohnen, sondern auch Bildung, Wissenschaft und die Kunst.“

Auf die Festspiele bezogen bedeute dies einerseits, Investitionen in die Schaffung von Rahmenbedingungen zu tätigen, was sowohl die Sicherheit als auch den Komfort für das Publikum betrifft als auch für die Künstlerinnen und Künstler die Schaffung der notwendigen Freiräume. Dafür bedürfe es einer konstruktiven Begegnung in den Bereichen Kunst, Kultur, Politik und Wirtschaft, wobei er die Sanierung und 3. Baustufe des Festspielhauses ansprach: „Der positive Beitrag der Festspiele zum Bruttoinlandsprodukt von 200 Millionen Euro über qualifizierte Arbeitsplätze, Mehr-Geschäft, Konsum und entsprechende Steuereinnahmen spielen dabei eine erhebliche Rolle.“

Vizekanzler und Kulturminister Werner Kogler betonte den Zusammenhang von Demokratie und Kunst: „Für eine offene Gesellschaft, für eine liberale Demokratie ist die Freiheit der Kunst ein konstruktives Element. Und umgekehrt garantiert dauerhaft nur die liberale Demokratie die Freiräume, auf die die Kunst angewiesen ist, wenn sie mehr sein will als reine Dekoration und Aufputz. Und deswegen gehen Freiheit der Kunst und die liberale Demokratie Hand in Hand in Gedanken und in Worten.“