Bibiana Zeller 95-jährig verstorben

Kultur / 17.07.2023 • 15:28 Uhr
Johannes Krisch, Bibiana Zeller, Lukas Resetarits und Robert Stadlober vor Beginn der Film-Premiere „Kottan ermittelt: Rien ne va plus“.<span class="copyright">HERBERT PFARRHOFER</span>
Johannes Krisch, Bibiana Zeller, Lukas Resetarits und Robert Stadlober vor Beginn der Film-Premiere „Kottan ermittelt: Rien ne va plus“.HERBERT PFARRHOFER

Burgschauspielerin und „Frau Kottan“.

Wien Als Frau Kottan in der Fernsehserie „Kottan ermittelt“ erlangte sie in den frühen 80er-Jahren große Popularität, am Burgtheater stand sie auch nach ihrer Pensionierung im Jahr 1999 als Ensemblemitglied bereit, wenn „eine wirklich uralte Frau“ gebraucht wurde. Am gestrigen Sonntag ist Bibiana Zeller im Alter von 95 Jahren gestorben.

Die Schauspielerin Bibiana Zeller ist am Sonntag im Alter von 95 Jahren gestorben.  <span class="copyright">APA/GEORG HOCHMUTH</span>
Die Schauspielerin Bibiana Zeller ist am Sonntag im Alter von 95 Jahren gestorben. APA/GEORG HOCHMUTH

Für das Kino spielte die am 25. Februar 1928 geborene Zeller unter anderem in Michael Glawoggers Film „Die Ameisenstraße“ (1995), in Robert Dornhelms Streifen „Der Unfisch“ (1997) oder in Xaver Schwarzenbergers „Zuckeroma“ (2004). 2010 folgte ein weiterer Auftritt in Peter Patzaks „Kottan ermittelt: Rien ne va plus“, 2011 stand sie in der Glavinic-Verfilmung von „Wie man leben soll“ vor der Kamera. Zuletzt war sie 2016 in „Die Blumen von gestern“ von Chris Kraus auf der großen Leinwand zu sehen.

Bibiana Zeller als „Camilla“ in „WüŸrgeengel“, einer masochistischen Komödie im Kasino am Schwarzenbergplatz in Wien. <span class="copyright">APA-FOTO: ANDREAS PESSENLEHNER</span>
Bibiana Zeller als „Camilla“ in „WüŸrgeengel“, einer masochistischen Komödie im Kasino am Schwarzenbergplatz in Wien. APA-FOTO: ANDREAS PESSENLEHNER

Doch den Anfang machte sie am Theater: Ihr erstes Engagement erhielt Bibiana Zeller nach einer privaten Schauspielausbildung 1950 am Theater in der Josefstadt. In den folgenden 20 Jahren war sie überwiegend auf deutschen Bühnen zu sehen. Erst 1972, als Gerhard Klingenberg sie ans Wiener Burgtheater engagierte, kehrte die Schauspielerin in ihre Heimatstadt zurück. Dort entwickelte sie sich bald zu einer profilierten Nebenrollendarstellerin: „Eigentlich habe ich mir bei jedem Stück die andere Rolle gewünscht, aber die hat dann immer Gusti Wolf bekommen“, lachte Zeller einmal. „Ich habe immer die kleinere Rolle bekommen, aber ich habe es Gusti gegönnt, wir haben uns gut verstanden.“ Zeller trat etwa in Stücken von Kleist, Ibsen, Brecht, Pirandello, Nestroy, Grillparzer und Shakespeare auf. Bei den Salzburger Festspielen 2005 und 2006 stand sie als Jedermanns Mutter auf der Bühne am Domplatz.

Bibiana Zeller, „Buhlschaft“ Birgit Minichmayr und Volksoperndirektor Robert Meyer (v.l.n.r.) am Sonntag, 22. August 2010, anlässlich der Feierlichkeit zu 90 Jahre „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen. <span class="copyright">FRANZ NEUMAYR</span>
Bibiana Zeller, „Buhlschaft“ Birgit Minichmayr und Volksoperndirektor Robert Meyer (v.l.n.r.) am Sonntag, 22. August 2010, anlässlich der Feierlichkeit zu 90 Jahre „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen. FRANZ NEUMAYR

Ihre besondere Vorliebe galt aber stets modernen Autoren. So spielte sie in Peymanns legendären Thomas-Bernhard-Inszenierungen die schweigsame Wirtin im „Theatermacher“ und Frau Liebig im „Heldenplatz“. Auch in späteren Jahren war sie in vielen Ur- und Erstaufführungen zu sehen, etwa in Gert Jonkes „Chorphantasie“ und „Die versunkene Kathedrale“, in „Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)“ von Lukas Bärfuss, in „Ende und Anfang“ von Roland Schimmelpfennig sowie Friederike Hellers Handke-Inszenierungen „Untertagblues“ und „Spuren der Verirrten“. 2012 trat sie am Burgtheater in „Nach der Oper. Würgeengel“ von Martin Wuttke nach Luis Buñuel auf.

Philipp Hochmair als wilder Mann und Bibiana Zeller in der Rolle der wilden Frau in Peter Handkes „Untertagblues“.   <span class="copyright">AP Photo/Stephan Trierenberg</span>
Philipp Hochmair als wilder Mann und Bibiana Zeller in der Rolle der wilden Frau in Peter Handkes „Untertagblues“. AP Photo/Stephan Trierenberg

1998 wurde Bibiana Zeller mit dem Berufstitel Kammerschauspielerin ausgezeichnet, im Rahmen der „Langen Nacht des Hörspiels“ wurde sie 2001 zur Schauspielerin des Jahres gekürt, 2010 erhielt sie die Romy als „Beliebteste Schauspielerin“.