Animationsspaß mit Kraken und Meerjungfrauen

Kultur / 28.06.2023 • 15:12 Uhr
Nicht nur die Neuauflage von "Arielle, die Meerjungfrau" nimmt das Kinopublikum gerade mit in die Unterwasserwelt. <span class="copyright">ap</span>
Nicht nur die Neuauflage von "Arielle, die Meerjungfrau" nimmt das Kinopublikum gerade mit in die Unterwasserwelt. ap

Eine vermeintlich “normale” Teenagerin erfährt, dass sie eine Unterwasser-Prinzessin ist.

Animationsfilm Nicht nur die Neuauflage von “Arielle, die Meerjungfrau” nimmt das Kinopublikum gerade mit in die Unterwasserwelt. Auch die Protagonistin des Animationsstreifens “Ruby taucht ab” kommt von dort. Erst einmal führt sie aber ein recht normal anmutendes Leben über Wasser: Sie besucht die Highschool und bereitet sich auf den, wie es heißt, “wichtigsten Tag ihres Lebens” vor: Den in der US-Kultur so häufig besungenen Prom Day, den Tag des Abschlussballs. Ab Donnerstag im Kino.

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Wien/Hollywood. Ja, eigentlich ist Ruby eine recht normale 16-jährige Schülerin, die sich mit der Frage herumschlägt, wer denn nun der Richtige für den Abschlussball ist: vielleicht der lässig-charmante Skater mit der beeindruckenden Haarpracht? Und dann wäre da noch die neue Mitschülerin Chelsea, mit der irgendetwas nicht zu stimmen scheint: Chelsea ist nicht nur schön und beliebt, sondern auch eine Meerjungfrau.

Alles aber wird relativiert, als Ruby von ihrer unter Wasser lebenden Großmutter erfährt: “Die Frauen unserer Familie sind gesegnet mit der Gabe, sich in Riesenkraken zu verwandeln”. Ruby entstammt einem königlichen Geschlecht mythischer Seekraken-Kriegerinnen, soll den Thron ihrer Großmutter, der Kriegerkönigin der sieben Meere, erben. Nicht nur, dass ihr zuweilen lange, bunt leuchtende Fangarme wachsen, nein, sie ist auch eine Unterwasser-Prinzessin (was dem Wort vom “blauen Blut” eine ganz neue Konnotation gibt). Arme Ruby, möchte sie doch eigentlich “nur wie die anderen sein, ein normaler Teenager”. Stattdessen soll sie nun die Welt der Kraken vor den “bösen Meerjungfrauen” beschützen.

Es ist auch die fast psychedelisch zu nennende Farbpalette, die diesen Film auszeichnet. <span class="copyright">ap</span>
Es ist auch die fast psychedelisch zu nennende Farbpalette, die diesen Film auszeichnet. ap

Was Spaß bereitet an “Ruby taucht ab”, ist nicht nur die durchaus berührende und mit manch ernstem Unterton unterlegte Coming-of-Age-Geschichte. Es ist auch die fast psychedelisch zu nennende Farbpalette, die diesen Film auszeichnet. Viel, sehr viel hell leuchtendes Lila, grelles Grün, wunderbare Abstufungen von Blau, in Rosa und weiteren Farben schillernde Tentakel. Die hier verhandelten Themen sind anspruchsvoller und tiefgründiger als zunächst erwartet, was dem Film eine gewisse Reife verleiht: Es geht um die Herausforderungen eines Teenager-Daseins, um streng gehütete Familiengeheimnisse, um Eltern, die ihr bald erwachsenes Kind allzu sehr beschützen.

Dieser Ernsthaftigkeit steht eine gewisse Unruhe und Aufgeregtheit in der Bildgestaltung gegenüber, die dem Film nicht immer guttut. Auch ist nicht ganz klar, an welche Alterskohorte sich das Ganze richtet: an jüngere Kids oder doch eher an Teenager, die mit der zwar knuddeligen, aber am Leben doch schon recht doll leidenden Ruby mitfühlen können.

Chelsea ist nicht nur schön und beliebt, sondern auch eine Meerjungfrau. <span class="copyright">ap</span>
Chelsea ist nicht nur schön und beliebt, sondern auch eine Meerjungfrau. ap

“Die Menschen sind dumm”, heißt es einmal aus dem Munde von Rubys Großmama (im englischen Original gesprochen von der großen Jane Fonda, die jüngst auch in Gänze im Kino zu hören und sehen war: in “Book Club – Ein neues Kapitel”). Nein, wir Menschen und auch die Meerjungfrauen kommen nicht allzu gut weg in diesem Eineinhalbstünder. Dafür, und das ist schön, wird im Unterhaltungskino endlich einmal eine Lanze gebrochen für all die Kraken dieser Welt.

Ruby taucht ab

Regie: Kirk DeMicco, Faryn Pearl

USA 2023 91 min

Start: 29. Juni