Künstlerische Tiefe und emotionale Intensität

In der Zürcher „Turandot“-Inszenierung geben die Bienen den Ton an.
Zürich Das Opernhaus Zürich präsentiert Giacomo Puccinis Meisterwerk „Turandot“ in der selten gespielten „unvollendeten“ Fassung, die mit dem tragischen Ende der Liù endet. Die Inszenierung erweist sich als künstlerisch gelungen, da sie der Oper zusätzliche Tiefe verleiht und den emotionalen Gehalt der Geschichte unterstreicht.

Die Handlung von „Turandot“ basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Carlo Gozzi und spielt im alten China. Im Mittelpunkt steht die Prinzessin Turandot, die ihren Freiern Rätsel aufgibt. Wer sie nicht lösen kann, muss mit seinem Leben bezahlen. Als sich der unbekannte Prinz Calaf in Turandot verliebt, stellt er sich den Rätseln und löst damit eine Geschichte von Liebe, Opfer und Vergebung aus. Puccini konnte sein Werk nicht vollenden, hinterließ jedoch Skizzen und unvollendete Partituren, die es nachfolgenden Komponisten ermöglichten, das Werk in verschiedenen Fassungen zu vollenden.

Die Titelrolle der Turandot wird von der herausragenden Sängerin Sondra Radvanovsky verkörpert. Mit ihrer kraftvollen und nuancierten Stimme verleiht sie der eiskalten Prinzessin eine beeindruckende Präsenz. Radvanovsky meistert die schwierigen Höhen und Tiefen der Partie mit Leichtigkeit und schafft es, das komplexe Innenleben Turandots glaubhaft darzustellen. Ihr Gesang ist von einer unglaublichen Intensität geprägt, die das Publikum fesselt und in ihren Bann zieht.

Piotr Beczała brilliert als Prinz Calaf, der sich den Herausforderungen Turandots stellt, um ihr Herz zu gewinnen. Mit seiner ausdrucksstarken Stimme und seiner charismatischen Bühnenpräsenz verkörpert Beczała die Rolle des leidenschaftlichen Prinzen auf mitreißende Weise.

Die Rolle der Liù wird von der wunderbaren Rosa Feola verkörpert. Mit ihrer berührenden Darstellung und ihrem warmen, emotionalen Gesang verleiht sie Liù eine zutiefst menschliche Note. Feola gelingt es, die Zerbrechlichkeit und Opferbereitschaft der Figur mit großer Sensibilität zum Ausdruck zu bringen. Ihr Gesang berührt die Herzen der Zuschauer und sorgt für bewegende Momente auf der Bühne.

Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Marc Albrecht. Er führt das Orchester zu einer beeindruckenden Aufführung, in der sowohl die kraftvollen Klänge als auch die subtilen Nuancen der Partitur gleichermaßen zur Geltung kommen. Das Orchester spielt mit Hingabe und Präzision, und die musikalische Dynamik ist von Anfang bis Ende mitreißend.

Sebastian Baumgarten versetzt die Handlung in die Zeit der Uraufführung der Oper mit ihrem Fortschrittsglauben und ihren technischen Erfindungen. Gelbe Requisiten kennzeichnen den chinesischen Kaiser Altoum, seine Tochter Turandot und das chinesische Volk, während der gestürzte Tatarenkönig Timur, Prinz Calaf und die Dienerin Liù in blaue Gewänder gehüllt sind.

Mit Videoprojektionen von Philipp Haupt versetzt Baumgartner das Publikum in unbehagliche futuristische Räume. Das chinesische Volk wird als willenlose Masse von Arbeitsbienen dargestellt, über die Turandot in ihrem gelb-schwarzen Gewand als Bienenkönigin herrscht.

Am Ende versinkt die Bühne in schwarzem Nichts, was einen eindringlichen und emotionalen Eindruck hinterlässt.
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Das Zusammenspiel zwischen Orchester und Chor ist brillant. Der Klangkörper füllt den Saal mit einer kraftvollen und zugleich sensiblen Darbietung. Die Chorszenen sind mitreißend und geben der Aufführung eine zusätzliche Dimension.
„Turandot“
Oper von Giacomo Puccini
Samstag, 24. Juni, 20 Uhr
Dienstag, 27. Juni, 19 Uhr
Freitag, 30. Juni, 19 Uhr
Dienstag, 04. Juli, 19 Uhr
Samstag, 8. Juli, 19 Uhr