Eine klare Stimme der Kunstwelt

Studie über Lebens- und Einkommensverhältnisse von heimischen Kunstschaffenden zeigt, dass die Hälfte armutsgefährdet ist.
Lustenau 160 Seiten umfasst die aktuelle Erhebung der Lebens- und Einkommensverhältnisse Kunstschaffender in Vorarlberg.
Im Jahr 2021 hat das Land Vorarlberg die Forschungsgruppe Empirische Sozialwissenschaften an der Fachhochschule Vorarlberg mit der Studie beauftragt. In den letzten beiden Jahren hat das Team die detaillierte Erhebung erarbeitet. Coronabedingt habe sich die Studie verzögert, erklärt Kulturreferentin Landestatthalterin Barbara Schöbi-Fink. “Wir wollten aber, dass es keine Pandemiestudie wird, sondern die tatsächliche Lebensrealität der Künstlerinnen und Künstler abbildet.” Es sei das Anliegen der Landesregierung gewesen, ein konkretes Bild der Lebensumstände der Vorarlberger Kunstschaffenden zu bekommen. Die Erhebung ermögliche es nun, konkrete und zielgruppengenaue Akzente zu setzen. Man habe ein Innenbild – eine klare Stimme – der Kunstwelt bekommen. Die Ergebnisse sollen in den nächsten Monaten in den Kulturstrategie-Update-Prozess eingebracht werden.

Begleitet wurde das FH-Team unter der Projektleitung von Fabian A. Rebitzer von einem Strategieteam der Kulturabteilung des Landes. Barbara Herold, Peter Niedermaier, Maria Simma und Frauke Kühn begleiteten den Prozess. Ebenso eingebunden waren die Kultursprecher der Regierungsparteien Christoph Thoma und Bernie Weber. An einer standardisierten Online-Befragung nahmen 198 Kunstschaffende teil. Darüber hinaus wurden in drei Fokusgruppen und in Interviews mit 17 Kunstschaffenden und sieben Experten Erkenntnisse gewonnen.

Aus der Studie geht hervor, dass jeder zweite Vorarlberger Kulturschaffende armutsgefährdet ist. Das individuelle Jahresnettoeinkommen erreichte in den Jahren von 2019 bis 2022 jeweils einen Medianwert von 15.000 Euro, davon stammen zwischen 3000 und 4500 Euro (Medianwert) ausschließlich aus künstlerischen Tätigkeiten. Die Situation habe sich zwar verbessert. 2019 waren noch mehr als die Hälfte der Künstler armutsgefährdet. 2022 lagen jedoch immer noch 49,4 Prozent der Vorarlberger Kunstschaffenden unter der Armutsgrenze von 16.452 Euro. Die Armutsgefährdung liege bei den männlichen Künstlern insgesamt höher als bei den weiblichen, resümiert Fabian A. Rebitzer.
Durchaus positiv wurde die Kunstförderung des Landes Vorarlberg bewertet. Knapp 85 Prozent der Kunstschaffenden haben seit 2019 Fördermittel des Landes erhalten, 60 Prozent erhielten Geld vom Bund, 49 Prozent von den Gemeinden. 57 Prozent gaben an, dass sie für sich persönlich um Förderungen angesucht haben. Auch das Antragsverfahren wurde überwiegend positiv bewertet.

Das Projekt habe sich mit dem grenzüberschreitenden Museumsforschungsprojekt “Neue Museumswelten” zur Frage des Nicht-Publikums überschnitten. Die Ergebnisse sind ebenfalls in die Studie eingeflossen, erläutert Barbara Schöbi-Fink: “Das ist ein unglaublicher Benefit, weil wir wissen wollten, wie groß das grundsätzliche Interesse der Vorarlberger Bevölkerung an Kunst und Kultur ist.” Demnach haben in Vorarlberg nur knapp über 20 Prozent kein Interesse am Besuch einer Kulturinstitution oder -veranstaltung. Für über 80 Prozent hat die Kultur “einen Wert an sich”. Allerdings stimmten auch 44,1 Prozent der Aussage eher oder ganz zu, dass “ein Kulturbesuch oftmals zu teuer ist”. “Es ist aber nicht ganz so dramatisch wie bei den Ski-Tageskarten, einem Referenzpunkt. Diese sind allen zu teuer”, sagt Fabian A. Rebitzer.
