Ein Konzert, das die Seele berührt

Die Aufführungen der Bach-Kantaten durch Miriam Feuersinger und ihr Ensemble finden heuer schon im zehnten Jahr statt.
Bregenz Es gibt Konzerte, die verlässt man beglückt. Und es gibt Konzerte, die berühren die Seele und verwandeln einen. Dazu gehören die Aufführungen der Bach-Kantaten durch Miriam Feuersinger und ihr Ensemble, die 2023 nun schon im zehnten Jahr stattfinden. In der evangelischen Kreuzkirche in Bregenz standen letzten Samstag neben Johann Sebastians Solokantate „Jauchzet Gott in allen Landen“, BWV 51, auch zwei Händel-Arien und eine Ouvertüre von Johann Ludwig Bach auf dem Programm.

Es war ein Abend mit zwei Primadonnen: Miriam Feuersinger mit ihrem ergreifend schönen Sopran, der geheimnisvoll schimmert wie Bronze und doch wieder hell und himmlisch ist, und die international renommierte Barocktrompeterin Ute Hartwich. Nur dass es keine Primadonnen sind, sondern Virtuosinnen ohne jedes Divengehabe, die sich völlig in den Dienst der Musik stellen. In der festlichen Arie „Let the bright Seraphim“ aus Händels Oratorium „Samson“ wetteiferten der warme, runde Klang der Barocktrompete und Feuersingers Stimme, um einen Eindruck von der Engelsmusik der Cherubim zu geben.
In seiner Gratulationsrede zum 10-Jahres-Jubiläum erinnerte der ehemalige evangelische Pfarrer von Bregenz, Hans Jaquemar, daran, dass Pastor Pommer, als er 1917 nach Bregenz kam, beim Kirchenchor keine Begeisterung für Bach erwecken konnte und sich deshalb nach Lindau wandte. Noch Jahrzehnte später gab es Einwände gegen die Bach-Choräle, „es gäbe doch Gängigeres“. Jaquemar dankte Feuersinger und ihrem Ensemble dafür, dass sie den Geist Bachs wachhielten, dessen Musik die Botschaft des Heiligen Geistes weitertrage.

Die Händel-Arie „Eternal source of light divine“ aus einer Geburtstagskantate für Queen Anne verströmte, wieder im Zusammenspiel von Trompete und Sopran, erhabene Feststimmung. Eine Entdeckung war die Ouvertüre in G-Dur von Johann Bernhard Bach, bei der sich das exzellente Ensemble mit der Geigerin Regula Keller an der Spitze durch sprechende Artikulation und tänzerischen Schwung auszeichnete. Schade, dass man im Programmheft nicht erfuhr, dass dieser Johann Bernhard ein entfernter Verwandter von Johann Sebastian war, den dieser sehr schätzte; er führte sogar eine Reihe von seinen Kantaten in Leipzig auf. Den krönenden Abschluss bildete die hochvirtuose Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“. Das Besondere an Feuersingers Interpretation ist es, dass sie nicht nur durch Bravour überzeugt, sondern dass man ihr auch die Glaubensgewissheit abnimmt. Man kann den Bach-Kantaten in Vorarlberg nur gratulieren und sich weitere Jahrzehnte mit ihnen wünschen! Ulrike Längle
