Verneigung vor der Kunst
Seit einiger Zeit steht der große Bronze-Knoten von Herbert Meusburger auf dem Bregenzer Leutbühel. Allerdings steht er nicht gut. Allein schon der Sockel ist unmöglich, die Skulptur müsste direkt aus dem Boden kommen. Zudem ist die Situierung daneben, direkt vor dem Juweliergeschäft glaubt man, dass der polierte Knoten so etwas wie Werbung für das Geschäft ist, zudem stören die Screens, die im Schaufenster hinter dem Kunstwerk laufen, den Eindruck ziemlich heftig. Aber: Das kann die Stadt ja schnell ändern, ein besserer Standort ist leicht gefunden. Ein zweiter, in der Oberflächenbehandlung aber doch anderer Knoten findet sich im Skulpturengarten für Herbert Meusburger im Restaurant Guth in Lauterach. Großartig steht er hier in Verbindung mit den anderen Skulpturen zwischen den alten Bäumen.
Nun gibt es noch einen Platz, an dem dieser Knoten aufgestellt ist. Vor zwei Tagen wurde er in einem Festakt auf dem Paul-Katzberger-Platz (Katzberger war Architekt und Bürgermeister) der Weingemeinde Perchtoldsdorf bei Wien enthüllt. Das Fest galt dem vor kurzem verstorbenen Bregenzerwälder Bildhauer Herbert Meusburger, der in Perchtoldsdorf so vertreten ist wie sonst nirgends. Anlass für das Fest war der Kreuzweg, den Meusburger vor zwanzig Jahren im Auftrag des „Hochbergkreises“ errichtet hat. Vierzehn Stationen hat der Weg auf den Hochberg, so wie jeder Kreuzweg, dreizehn davon sind von Herbert Meusburger, denn die zwölfte Station bildet eine alte Kreuzigungsszene in klassischer Art, die in den modernen Weg integriert wurde.
Dazu ist ein tatsächlich bereicherndes Buch (Folio Verlag) erschienen, „Herbert Meusburger, Felix Mitterer – Kreuzweg Hochberg“. Die Stationen von Meusburger, alle in Stein, sind dargestellt, zu den Stationen hat Felix Mitterer Texte beigesteuert, die sich nicht auf den biblischen Kreuzweg beziehen, sondern auf Menschen, die durch Kriege, Diktaturen, Unterdrückung und Armut ihren eigenen Kreuzweg erlitten haben. Das Vorwort schrieb der Jesuit Gustav Schörghofer in beeindruckender Art: „Der Kreuzweg Meusburgers ist frei von Pathos. Das Leiden, das immer mit ‚Kreuz‘ verknüpft werden kann, wird nicht ästhetisiert, nicht heroisiert oder romantisiert.“ Ein schönes, auch treffendes Kompliment für die bildhauerische Arbeit. Das Nachwort kommt vom Vorarlberger Bischof Erwin Kräutler, der von einem „siebenstündigen Kreuzweg“ erzählt, den er als Bischof von Xingu in Brasilien erlebt hat. Kreuzwege, schreibt Kräutler, finden nicht nur in der Kirche, sie finden jederzeit und überall auf der Welt statt. Auch heute.
Der Abend in Perchtoldsdorf war ein Fest für Herbert, die Verneigung einer Gemeinde vor einem großen Künstler. Solche Erlebnisse, solche Ehrerbietung gegenüber der Kunst würde man sich öfter wünschen.
„Solche Erlebnisse, solche Ehrerbietung gegenüber der Kunst würde man sich öfter wünschen.“
Walter Fink
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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