Integration ist keine Einbahnstraße

Margit Heumann verarbeitet ihre persönlichen Erfahrungen als Sozialpatin.
Roman Flüchtlingswelle, Flüchtlingskrise, Flüchtlingsgipfel, Flüchtlingspolitik – seit sieben Jahren dominieren in diesem Zusammenhang Negativschlagzeilen die Medien. Mauern werden gebaut, schnellere Abschiebungen gefordert, Menschenrechte verletzt. Der neue Roman von Margit Heumann spricht ein aktuelles Thema an. „Nur ein Mädchen“ ist nicht nur Titel, sondern auch der erste Satz des Prologs. Malalei aus Afghanistan kennt ihn seit frühester Kindheit. Er ist so selbstverständlich wie weiche Schlafteppiche im Haus, wie der gepflasterte Hof, auf dem sie ihre ersten Schritte machte. Den Vater gab es nur am Rande, weil er draußen für die Familie sorgte oder wegen der Taliban. Malalei und ihrer Familie gelang die Flucht. Als sie zwölf Jahre alt war, kam das Mädchen nach Deutschland. Freiheit, Selbstbestimmtheit und emanzipiert sein treffen auf die alten Traditionen, die ihr Vater strikt und ohne Widerspruch zu dulden einfordert. Als Malalei zwangsverheiratet werden soll, flieht sie aus der elterlichen Wohnung und taucht unter. Die Autorin aus Vorarlberg verarbeitete in ihrem jüngsten Roman ihre Erfahrungen, die sie als ehrenamtliche Sozialpatin für Flüchtlingsfamilien sammelte.
Tatsächlich sollte eines der Mädchen zwangsverheiratet werden und vertraute sich Heumann an. Auch das sozial engagierte Paar, das mehr das eigene Renommee als das Wohl ihres Schützlings im Auge hatte, gab es im realen Leben. Heumann zeichnet eine Geschichte, die klarstellt, dass beide Seiten aktiv an der Integration arbeiten müssen. CRO
Margit Heumann, Nur ein Mädchen, Verlag Medimont, 239 Seiten