Duell der Königinnen

Kultur / 13.03.2023 • 19:17 Uhr
Die ukrainische Sopranistin Sofia Soloviy singt die Elisabetta. LT/koehler
Die ukrainische Sopranistin Sofia Soloviy singt die Elisabetta. LT/koehler

„Maria Stuarda“ von Gaetano Donizetti feierte umjubelte Premiere.

Bregenz Donizetti komponierte die Oper 1834 im Auftrag des Teatro San Carlo in Neapel, die jedoch, als die Proben bereits liefen, von der Zensur verboten wurde. Eine Oper, in der eine katholische Königin zum Tod durch Enthauptung verurteilt wird, war in Süditalien undenkbar. Um die bereits komponierte Musik trotzdem verwenden zu können, ließ Donizetti in kürzester Zeit einen anderen Text schreiben, woraus die Oper “Buondelmonte” entstand. Die eigentliche Uraufführung der „Maria Stuarda“ konnte erst ein Jahr später an der Mailänder Scala stattfinden.

Treffen zweier Feindinnen

Entscheidend zum Ruhm der historischen Figur Maria Stuart beigetragen hat das Drama von Friedrich Schiller, das um 1800 entstanden ist, von dem ausgehend im 19. Jahrhundert ein Interesse an Maria Stuart einsetzte, das sich in zahlreichen Romanen, Theaterstücken, Opern sowie in Kino- und Fernsehfilmen niederschlug. Auch die Oper von Gaetano Donizetti basiert auf dem „Krieg“ von Elisabeth I. und Maria Stuart, allerdings haben in Schillers Drama die beiden Königinnen ungefähr gleich viel Gewicht, bei Donizetti verschiebt sich dieses Gleichgewicht zugunsten von Maria Stuarda.

Im Mittelpunkt der Oper stehen natürlich die stolze Elisabeth und die ihr in diesem Hochmut keineswegs nachstehende, im dritten Akt vor Zorn schier explodierende Maria. Die Begegnung der beiden Königinnen, die historisch nie stattgefunden hat, zeigen Eva Bodorová (Maria Stuarda) und Sofia Soloviy (Elisabetta) als frostige Gegenüberstellung zweier Todfeindinnen. Die beiden anspruchsvollen Partien, Elisabetta und Maria sind wechselweise fast ununterbrochen präsent und singen über weite Strecken im Alleingang – werden von den beiden Sängerinnen mit großartiger stimmlicher und szenischer Präsenz gemeistert.

Sofia Soloviy ist für die Elisabetta eine ausgezeichnete Besetzung. Darstellerisch überzeugt sie als bissige Königin ebenso wie sie stimmlich mit ihrem fabelhaften Sopran über die in dieser Partie nötigen Höhen verfügt. Von schneidender Schärfe und furioser Attacke bis zur geschmeidigen Kantilene und zum – seltenen – zarten Piano ist alles dabei.

Eva Bodorová meistert die schwere Partie der Maria mit ihrem kräftigen Sopran sowohl in den herrisch auftrumpfenden Momenten als auch in den melancholisch entrückten eindrücklich.

Der koreanische Tenor Hyunduk Kim kann als Roberto nicht überzeugen, zu oft hat er gegen das Orchester und die stimmliche Präsenz seiner Sängerkollegen das Nachsehen, vor allem gegenüber Andrii Ganchuk, der einen grandiosen George Talbot gibt. Gabriel Wernick behauptet sich als Cecil mit baritonalem Glanz und Lucija Varsic setzt in der kleinen Rolle von Marias Vertrauter Anna mit ihrer fein timbrierten Stimme einen Farbtupfer.

Dem peruanisch-finnischen Dirigenten Arturo Alvarado, der schon mit dem London Symphony Orchestra zusammenarbeitete, gelingt es gemeinsam mit dem großartig aufspielendem Symphonieorchester Vorarlberg Donizettis melodische Bögen und kompositorische Feinheiten auszukosten und den Sänger die perfekte Bühne für das Belcanto zu bieten. Der Bregenzer Festspielchor war auch an diesem Abend wieder ein absoluter Hörgenuss.

Schlichte Schönheit

Die Inszenierung von Teresa Rotemberg, Choreografin und Gründerin der Zürcher Tanzkompanie Company Mafalda, ist so reduziert, dass man eigentlich von einer mehr oder weniger konzertanten Aufführung sprechen muss. Die Mitglieder des Ensembles stehen und singen zum großen Teil an der Rampe, von einer Personenführung ist nichts zu merken. Die Kostüme von Sabina Moncys sind geschmackvoll-elegant, das Bühnenbild ist von schlichter Schönheit und Arndt Rössler hat eine kluge, angemessene Beleuchtung gestaltet.

Die Bregenzer „Maria Stuarda“ kann trotz der Schwächen nicht nur jedem Opernfreund, sondern auch jenen, die es noch werden wollen, ans Herz gelegt werden. Vielleicht sollte es sich Intendantin Stephanie Gräwe noch einmal überlegen, ob sie nicht doch weiterhin jährlich eine Oper im Landestheater produzieren möchte.

Hyunduk Kim als Roberto und Andrii Ganchuk als George Talbot.
Hyunduk Kim als Roberto und Andrii Ganchuk als George Talbot.
Eva Bodorová meistert die schwere Partie der Maria eindrücklich.
Eva Bodorová meistert die schwere Partie der Maria eindrücklich.