Wer macht Kunst zu Kunst?

Grüne fordern Aufwertung der Kunstkommissionen.
Bregenz Anlässlich der Vergabe des Vorarlberger Ehren – und Förderpreises für Kunst 2022 am Montagabend stellte sich der grüne Landtagsabgeordnete Bernie Weber die Frage, wer genau in Vorarlberger darüber entscheidet, welche Kunst förderungswillig ist und welche nicht.
Der Kunst- und Kultursprecher der Grünen interessiert sich im Speziellen für den Vergabeprozess der Landesförderungen für Kunst und Kultur: „In Vorarlberg sollten der Kulturbeirat und die Kunstkommissionen ein gewichtiges Wort mitreden bei der Frage, was Kunst ist und was nicht. Doch wie die Kunstkommissionen besetzt werden, ob alle Förderansuchen von ihnen beurteilt werden, wie diese über Förderwürdigkeit entscheiden und mit welchen Begründungen ihren Empfehlungen manchmal nicht Folge geleistet wird, bleibt unklar.”
Um die Wichtigkeit und den Stellenwert der Kunst und Kultur in Vorarlberg zu ermöglichen, haben in der Vergangenheit die unterschiedlichsten Künstler „als Kämpfer für einen Gesinnungswandel in der Nachkriegszeit – das Kunst- und Kulturfeld umgepflügt und aufgearbeitet. Ihnen gebührt an dieser Stelle ein großer Dank für Festspiele, Randspiele, Jazz-Hus, Spielboden, Kunstraum Dornbirn, Frauenmuseum Hittisau, Jüdisches Museum, Kosmos Theater, vai und viele andere Institutionen der Vorarlberger Kulturlandschaft mit internationaler Strahlkraft“, so Weber.
Wenn es wie im Moment gerade um eine für viele existenzielle Indexanpassung, budgetäre Grundausstattung von landeseigenen Kultureinrichtungen geht, scheint die Kunst jedoch wieder zur Nebensache zu werden. Wie bereits am Samstag in den VN berichtet, kritisiert unter anderem die Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg, Mirjam Steinbock, den vorliegenden Budgetvoranschlag für das Jahr 2023 des Landes Vorarlberg, der lediglich ein Plus von knapp 600.000 Euro zum Vorjahr, also 2,4 Prozent, vorsieht. Bei einer Inflationsrate von knapp 10 Prozent bedeutet dies natürlich eine satte Kürzung. Mit einem Förderbudget der Landesregierung für Kunst und Kultur für 24,5 Millionen Euro im Jahr 2022 und veranschlagt für 25,1 Millionen Euro für das Jahr 2023 ist die Frage, „Wer entscheidet und wer macht eigentlich Kulturpolitik in Vorarlberg?“ richtungsweisend. „Wer hier den Weg vorgibt, bestimmt letztendlich über unsere kulturelle Identität und die Freiheit der Kunst. Der Kulturbeirat und die Kunstkommissionen – als unabhängige, beratende Gremien der Vorarlberger Landesregierung – sollten in Vorarlberg ein gewichtiges Wort mitreden, wenn es um die Frage geht, was Kunst ist und was nicht. Doch wie diese Kommissionen und Beiräte besetzt werden, welchen Qualitätskriterien sie unterworfen sind, wie diese über Förderwürdigkeit entscheiden und mit welchen Begründungen ihren Empfehlungen nicht Folge geleistet wird, das findet meist hinter verschlossenen Türen statt“, kritisiert Weber.
Weber fordert daher Landesstatthalterin Schöbi-Fink auf, das Vorarlberger Kulturförderungsgesetz und die Geschäftsordnung der Kunstkommissionen dementsprechend anzupassen. „Kulturpolitik ist kein Impro-Theater, hier brauchen wir klare Spielregeln und transparente Geldervergaben. Nur so kann sich eine lebendige Kulturszene mit aktiver Teilhabe der Künstler und Kulturschaffenden weiter entfalten.“