Publikum soll von Studierenden profitieren

Kultur / 11.12.2022 • 18:25 Uhr
Die Arbeit mit dem Orchester und dem Chor der Hochschule wird intensiviert. STELLA PRIVATHOCHSCHULE/VICTOR MARIN
Die Arbeit mit dem Orchester und dem Chor der Hochschule wird intensiviert. STELLA PRIVATHOCHSCHULE/VICTOR MARIN

„Nach der Akkreditierung ist vor der Reakkreditierung“, heißt es an der Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik.

Feldkirch Dass sich in Vorarlberg, dem Bundesland ohne Universität, doch noch Hochschulflair entwickelt, ist zumindest abzusehen, denn ein weiterer Schritt ist getan. Das Landeskonservatorium ist zwar, wie ursprünglich geplant, keine Privatuniversität geworden, hat aber den Umwandlungs- bzw. Akkreditierungsprozess durchlaufen und empfängt die Studierenden seit Beginn des Herbstsemesters in der Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik. Die entscheidende Neuerung liegt im Angebot der Masterstudiengänge, deren Titel „Music Education & Performance“ den Studierenden angepasst wurde. „Sie kommen aus aller Welt“, betont Rektor Jörg Maria Ortwein im Gespräch mit den VN.

„Gute Gespräche“

Während die Privathochschule mit ihrem Lehrkörper und den neuen internen Gremien, wie dem Senat, bezüglich dieser Herausforderung gut aufgestellt ist, wird man sich in der Stadt Feldkirch noch mit der Verbesserung der Infrastruktur für die Studierenden beschäftigen müssen. Für die Pädagogische Hochschule war das bislang kaum ein Thema, erklärt Vizerektor und Geschäftsführer Peter Schmid, denn die werde vor allem von jungen Menschen absolviert, die ohnehin in Vorarlberg wohnen. „Wir sind in guten Gesprächen mit der Stadt Feldkirch, dass Wohnraum für unsere Studierenden aus dem Ausland zur Verfügung gestellt wird. Wichtig ist, dass die Studierenden nur kurze Wege haben und dass ihnen Räume zum Üben zur Verfügung stehen.“ Um das an der Ill liegende Gebäude des ehemaligen Jesuitenkollegs Stella Matutina werde man von Leitern anderer Musikhochschulen beneidet. Prüfungen hätten ergeben, dass die Kubatur für die zukünftigen Entwicklungen ausreichend ist. Angebaut muss somit nicht werden, „aber ein paar Sanierungsarbeiten stehen in den kommenden Jahren an“.

6,3 Millionen Euro

Die wird das Land Vorarlberg finanzieren müssen, das Träger der Stella Privathochschule ist und für diese Einrichtung 6,3 Millionen Euro pro Jahr aufbringt. Die Anzahl der Studenten war im Akkreditierungsantrag festzulegen und bleibt mit 315 in etwa auf dem Stand, den man bereits als Landeskonservatorium hatte. Um ein Bild zu bekommen, sei erklärt, dass für die künstlerischen Bachelor- und Masterstudiengänge rund 65 Plätze zur Verfügung stehen, das sogenannte Precollege besuchen etwa 100 junge Musikbegabte, die noch vor der Matura stehen, und bis zu 150 Studierende haben in erster Linie die Befähigung für ein Lehramt an den Musikschulen im Fokus. „Die Berufschancen sind sehr gut, die Nachfrage nach Musikpädagoginnen und -pädagogen ist groß und das wird auch noch eine Weile so bleiben“, erläutert Rektor Ortwein die Situation: „Es ist tatsächlich so, dass wir danach trachten müssen, junge Leute für diesen Beruf zu motivieren.“

Ein wesentliches Thema der letzten Jahre war die Hochbegabtenförderung, auf die man sich in Feldkirch nun im Rahmen des erwähnten Precollege spezialisiert hat. Wer erfährt, dass man in diesem Bereich auch mit dem Olympiazentrum in Dornbirn zusammenarbeitet, hat sich nicht verhört, „es gibt Gemeinsamkeiten zwischen der Hochbegabtenförderung in der Musik und im Leistungssport“, weiß Ortwein.

Etwa zehn Professorenstellen

Der Musikpädagoge und Musiker aus dem Allgäu hat das Landeskonservatorium über 15 Jahre geleitet und wurde zum Rektor ernannt. Eine Neuwahl findet erst in ein paar Jahren statt. Bis dahin wird es im bestehenden Lehrkörper mit rund 70 Personen neben den Dozentinnen und Dozenten in etwa zehn Professorinnen und Professoren geben, die ein Qualitätsverfahren zu durchlaufen haben. Die Stelle für einen Professor für Musikwissenschaft ist bereits fixiert, das weitere Ziel hat der Rektor vorgegeben: „Wir wollen die Hauptinstrumente mit Professorinnen und Professoren besetzen.“

Die konkrete Bemerkung, dass sich die Musikfreunde bzw. das Publikum von einer Musikhochschule nun mehr erwarten als von einem Konservatorium, erachtet Ortwein als angebracht. Er versichert, dass sich die Konzertaktivitäten erhöhen werden und dass die Studienprojekte so gut sind, dass man damit vermehrt an die Öffentlichkeit treten wird.

Neben der Kooperation im Bereich Konzertdesign mit Folkert Uhde und Hans-Joachim Gögl, den Leitern der Montforter Zwischentöne, ist eine Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen geplant. Im Bereich der Orchester-, Chor- und Ensemble-Ausbildung werde man sich auch verstärkt dem zeitgenössischen Musikschaffen widmen. Dass man „unter Beobachtung steht“, sei klar: „Nach der Akkreditierung ist vor der Reakkreditierung“, lautet nun das Motto.

„Die Berufschancen sind sehr gut, die Nachfrage nach Musikpädagogen ist groß.“

Publikum soll von Studierenden profitieren

Nächstes Konzert: Weihnachtsoratorium am 11. Dezember, 17 Uhr, im Festsaal der Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik in Feldkirch.