Markus Linder, ein Humorist für alle Fälle

Kultur / 26.02.2022 • 14:00 Uhr
Markus Linder, ein Humorist für alle Fälle
Markus Linder: “Die Vorarlberger sind ein großartiges Publikum, von trocken und spröd keine Spur!” Linder

Der Allrounder hat bisher in allen Lebenslagen seinen goldenen Humor behalten.

RANKWEIL Der umwerfende Blues-Interpret und Musik-Comedian, der coole Pfarrer in der TV-Serie, der quirlige Moderator und Kabarettist, der seine Zuschauer seit 30 Jahren Abend für Abend nicht mehr loslässt und dabei eigentlich Lehrer werden sollte: Mit diesen Eckpunkten ist Markus Linder längst ein „Humorist für alle Fälle“, mit einem dicken Plus fürs Musikalische.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Leben und leben lassen. Folge deinem Herzen und deinem Talent.

Wie schwer ist es, ein Kabarettpublikum in Stimmung zu bringen?
Es ist am Anfang nicht leicht, sein Publikum zwei Stunden zu unterhalten. Das ist immer eine echte Mutprobe. Ein gewisses Talent ist sicher die Grundlage, aber bei einem Kabarettisten ist das „Learning by Doing“. Es gibt für Kabarett ja keine Ausbildung.

Muss man dazu die Menschen lieben?
Ja, für mich gilt das auf jeden Fall.

Den Clowns sagt man nach, dass sie abseits der Manege oft gar nicht so lustig sind. Wie ist das bei Ihnen im täglichen Leben, wenn man da etwa Ihre Frau fragen würde?
Ich bin auch im Alltag ein vergnügter Mensch und lache oft mit meiner Frau. Vor allem dann, wenn Glühbirnen-Wechseln oder Ein-Bild-an-die-Wand-Hängen zu Herkulesaufgaben werden, denen ich nicht gewachsen bin.

Worüber lachen Sie sonst?
Das alltägliche Leben schreibt die lustigsten Dinge. Und da gehört es zu meinem Beruf, die Antennen auszufahren und aufmerksam zu sein, Ideen zu sammeln. Und natürlich kann ich auch über mich selbst lachen. Für mich ist das Voraussetzung für erfolgreiches Kabarett. Oder, sagen wir so: Meine Frau lacht, und ich lache dann (etwas verzögert) mit! Und so sind auch bisher zehn Programme entstanden, die wir gemeinsam schreiben.

Probieren Sie neue Nummern zunächst im privaten Kreis aus, bevor Sie damit vors Publikum treten?
Nein. Ich probiere es vor meiner Frau aus, das muss genügen. Und sie ist gnadenlos: Was nicht überzeugt, wird augenblicklich in den kreativen Mistkübel geworfen!

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, nach Ihrem Studium nicht Lehrer, sondern hauptberuflich Kabarettist zu werden?
Da war kein Plan dabei, es ist alles einfach passiert. Gemäß dem Vorbild meines Vaters und der Vorväter habe ich in Innsbruck Lehramt studiert und danach in Tirol an der Schule keinen Job bekommen. Ich habe mich dann drei Jahre als Kursleiter beim BFI Tirol durchlaviert, bis ich beschloss, ab 1990 freiberuflicher Künstler zu werden – und das bin ich bis heute. Zuerst Bar-Pianist, dann „Kleiner Prinz“ mit meinem Freund Tschako, und ab 1997 als Solo-Kabarettist. Ein Beschluss, den ich nie bereut habe.

Markus Linder bei einem Auftritt in Feldkirch. <span class="copyright">Tas</span>
Markus Linder bei einem Auftritt in Feldkirch. Tas

Da hat sicher auch das Erbe in Ihren Genen mitgespielt – Ihre Eltern bildeten ja zusammen mit Klaus Schöch und Karl Winger die heute legendären „Wühlmäuse“?
Ganz klar. Die „Wühlmäuse“ waren zweieinhalb Jahrzehnte in unserer Familie das dominierende Thema, und meine Eltern sind in dieser künstlerischen Arbeit aufgegangen. Es freut mich, wenn heute noch alte „Wühlmäuse“-Fans nach einem Auftritt zu mir sagen: „Dia Oga und dia Mimik! Die oabar Mama!“

Das war damals noch ein oft scharf pointiertes politisches Kabarett, wenn man an den für Landeshauptmann Kessler bereitgestellten Stuhl denkt, der immer leer blieb. Warum sind die Kabarettisten im Land, Sie eingeschlossen, heute so handzahm geworden?
‚Handzahm‘ – na ja. Das politische Kabarett muss Dir liegen, vor allem, wenn Du solo auf der Bühne stehst. Mir liegt es nicht, ich habe es am Anfang probiert und kann ganz klar sagen: Mein Ding ist die Musik-Comedy, da bin ich authentisch und zuhause.

Gab oder gibt es auch Vorbilder für Sie?
Grundsätzlich ist jeder Solist unique, jeder ist einzigartig und macht sein Ding. Mich beeindrucken so unterschiedliche Künstler wie Gerhard Polt, Dieter Nuhr, Helge Schneider und Olaf Schubert.

Die Musik spielt auch über das Kabarett hinaus in Ihrem Leben eine wichtige Rolle, dabei ist vor allem eine Neigung zum Blues spürbar, etwa in Ihrem Hit „An g‘höriga Riebl“?
Ja, es freut mich sehr, dass dieses Lied im Ländle ein kleiner Gassenhauer geworden ist. Seit 1999 trete ich in einigen Städten gemeinsam mit meiner Sabine als Kurator von New-Orleans-Festivals auf, in Innsbruck bis heute, früher in Bregenz, heute in Hohenems, und das macht sehr viel Freude. Wir versuchen, den Spirit von New Orleans und Künstler von drüben mit heimischen Acts auf Vorarlberger Bühnen zusammenzubringen.

Brauchten Sie dafür eigentlich eine klassische Klavierausbildung?
Ja, sie gab mir aber das technische Rüstzeug für meine spätere Karriere. Mit 14 wollte ich aufhören, aber Vater Heiner Linder sagte unmissverständlich: „Kunnt überhaupt ned in Frog! Du spielsch witer!“ Ich bin normalerweise gegen Zwang, in diesem Fall bin ich ihm aber bis heute sehr dankbar.

Wie sind Sie in der Fernsehserie „Vier Frauen und ein Todesfall“ zur Rolle des alemannischen Pfarrers gekommen?
Die beiden Drehbuchautoren Rupert Henning und Uli Bree haben mich vorgeschlagen, ich bin nach Wien zum Casting mit Adele Neuhauser gefahren, und Regisseur Andreas Prochaska hat mich als „Hochwürden“ für würdig befunden. Diese sechs Jahre als Mitglied des fixen Casts einer so tollen Serie gehören für mich zu den schönsten meines Lebens.

Sie leben seit Jahrzehnten in Tirol, seit eineinhalb Jahren in Mieming – haben die Tiroler den besseren Humor als die trockenen Vorarlberger?
Diese Frage kann mit einem klaren Nein beantwortet werden. Die Vorarlberger sind ein großartiges Publikum, von trocken und spröd keine Spur! Das sagt auch meine Frau, die Tirolerin, die seit 25 Jahren mit mir durch die Lande tingelt. Die Vorarlberger sind unserer Meinung nach seit den 60ern durch die „Wühlmäuse“ und später durch „Grüss Gott in Voradelberg“ und die vielen Ländle-Solisten sehr kabarett-affin. Fritz Jurmann

Nächste Termine mit Markus Linder: 19. bis 22. August New-Orleans-Festival Hohenems; ab 13. September gemeinsam mit Maria Neuschmid im neuen Programm „Duo Sunshine”; weitere Termine im Soloprogramm „O Solo Mio“

ZUR PERSON

MARKUS LINDER

GEBOREN 1959 in Dornbirn

AUSBILDUNG Studium in Jus, ab 1978 Deutsch, Latein und Geschichte für das Lehramt

TÄTIGKEIT Regelmäßige Tourneen mit eigenen Programmen als Solokabarettist, Conferencier, Kurator von New-Orleans-Festivals, Schauspieler

FAMILIE seit 1999 verheiratet mit Sabine