Vorarlberger schrieb Musical über Johannes Kepler

Kultur / 21.12.2021 • 21:20 Uhr
Vorarlberger schrieb Musical über Johannes Kepler
In “Katharina Kepler” von Volker M. Plangg bewahrt der Astronom Johannes Kepler seine Mutter vor einem harten Urteil. Theater Pforzheim

Der Bludenzer Komponist Volker M. Plangg macht mit Musiktheater in Deutschland Furore.

BLUDENZ Es ist lange her, dass der 1953 geborene Volker M. Plangg mit 21 aus seiner Heimatstadt in die Welt hinauszog, nicht ohne hier noch in der Popgruppe „Petroleumlampe“ zusammen mit Herbert Willi erste musikalische Spuren zu hinterlassen. Nach Abschluss seines Musikstudiums in den Fächern Klavier, Dirigieren und Komposition am Mozarteum Salzburg und in Freiburg konnte er ab 1980 vor allem in Deutschland rasch Fuss fassen und sich einen geachteten Namen machen. Er arbeitete an zahlreichen Theatern und mit verschiedensten Orchestern als Gastdirigent und in leitenden künstlerischen Positionen und wirkte nach einem US-Aufenthalt auch eineinhalb Jahre als musikalischer Leiter der Hamburger Produktion des Webber-Musicals „Das Phantom der Oper“. Aus diesem Grund ist Plangg heute dort auch weit bekannter als in seiner Heimatstadt Bludenz.

Komponist Volker M. Plangg.<span class="copyright"> Plangg</span>
Komponist Volker M. Plangg. Plangg

Dennoch sind die Bande nicht ganz abgerissen, er schrieb Stücke für das Ensemble „Sonus Brass“ und das SOV, 2018 brachte der Wiener Concertverein im Vorarlberg Museum sein originelles Werk „in flagranti“ für eine ertappte Posaune und Streichsextett zur Uraufführung. Weit mehr Beachtung fand der heute in Dresden lebende Plangg freilich in seiner Wahlheimat vor allem auch für sein Schaffen als Komponist, der mit einer praktikablen stilistischen Spannweite vom Jazz bis zu fernöstlichen Klängen eine globale Musiksprache zu seinem Markenzeichen machte, die sich jeder Einordnung entzieht. Vor allem seine Musiktheater-Werke wie das Ballett „Schneewittchen, der Spiegel und der Prinz“ für das Landestheater Eisenach, das Opernmusical „Rasputin“ für die Jeunesse musicales Deutschland, „Nostradamus“ für das Tiroler Landestheater oder das Chor-Orchesterwerk „Hymne an B.“ für das Festspielhaus Baden-Baden erregten zuletzt bei unseren Nachbarn ordentlich Aufsehen.

Das Musical steht bis weit in den Jänner hinein auf dem Spielplan. <span class="copyright">Theater Pforzheim</span>
Das Musical steht bis weit in den Jänner hinein auf dem Spielplan. Theater Pforzheim

Vor Kurzem konnte nach etlichen coronabedingten Verschiebungen auch Planggs jüngstes Musiktheaterwerk realisiert werden. Bereits Anfang 2019 hatte das Stadttheater Pforzheim dem Komponisten und seinem Librettisten Hartmut Forche den Auftrag zu einem Stück über den berühmten Astronomen Johannes Kepler erteilt, der die Gesetzmäßigkeiten entdeckt hat, mit denen sich die Planeten um die Sonne bewegen. Genauer geht es dabei um dessen Mutter Katharina, die über Intervention ihres Sohnes bei einem historischen Strafprozess in Leonberg 1621, also vor genau 400 Jahren, vom Vorwurf der Hexerei freigesprochen und damit vor dem Tod bewahrt wurde. Der Librettist konnte in die Originalakten Einsicht nehmen und damit eine wirkungsvolle Textvorlage für die aktuelle Vertonung dieser Musical-Oper mit Solisten, Chor, Ballett und großem Orchester erstellen. „Für mich geht diese Geschichte über die regionale Bedeutung weit hinaus“, so Volker Plangg im VN-Gespräch. „Das eigentliche Thema unseres Werkes ist ein sehr modernes, nämlich üble Nachrede, Irreführung der Massen aus politischen Beweggründen und Ähnliches. Heute spricht man gerne von ‚Fake News‘, Querdenkern und religiösen Verbindungen.“ Eine erste Open-Air-Fassung von „Katharina Kepler“ wurde bereits im Sommer auf dem Theaterplatz in Pforzheim aufgeführt, die eigentliche Uraufführung fand vor wenigen Wochen statt. Derzeit laufen weitere Vorstellungen bis in den Jänner hinein. JU