Ensemble Concerto Stella Matutina gab Anlass zum Jubeln

Kultur / 18.12.2021 • 10:00 Uhr
Ensemble Concerto Stella Matutina gab Anlass zum Jubeln
Das Concerto Stella Matutina mit dem Vokalensemble Company of Music Wien unter der Leitung von Johannes Hiemetsberger. JU

“Missa Bruxellensins” von Heinrich Ignaz Franz Biber wurde in Götzis aufgeführt.

GÖTZIS Endlich wieder Livemusik! Die Freude darüber potenzierte sich beim ausverkauften 5. Abokonzert AmBach noch durch die Werkwahl mit einer aufwendigen barocken Messe und deren Ausführung auf einem Niveau, wie man es nach den Unbilden des Lockdowns nicht einmal zu erträumen gewagt hatte. So wurde dieses glückliche Saisonfinale des Barockorchesters Concerto Stella Matutina gemeinsam mit dem Vokalensemble Company of Music Wien unter der Leitung von Johannes Hiemetsberger am Donnerstag zu einem einsamen Meilenstein in der bald 15-jährigen Geschichte dieses Projektes.

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Es ging, wie schon öfters in dieser Reihe, um den Komponisten Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704), den man landläufig von seinen solistischen „Rosenkranzsonaten“ für unerschrockene Barockgeiger kennt. Vor allem in seinen letzten Lebensjahren aber liebte es Biber opulent, wie seine ab 1674 im Auftrag des Salzburger Erzbischofs komponierten, bis zu 54-stimmigen geistlichen Chorwerke wie die „Missa Salisburgensis“ beweisen. Sie ist heute ebenso wenig bekannt wie die damals entstandene große „Missa Bruxellensis“, so benannt, weil sich das Autograph heute in Brüssel befindet. Es ist ein exemplarisches Beispiel für Bibers kompositorisch brillanten Umgang mit der damals gängigen Mehrchörigkeit, die speziell im Salzburger Dom mit seinen vielen Emporen entsprechende Wirkung entfaltete. Dass etwas von diesem Mit- und Gegeneinander der Vokal- und Instrumentalgruppen im Sakralraum mit achtstimmigem Doppelchor, ebenso vielen Solisten, einem 16-stimmigen Orchester inklusive Trompeten, Pauken, Posaunen und Zinken sowie Streichern und Continuo sich auch im profanen Raum in der guten Konzertakustik AmBach entfaltete, war vor allem auch der Erfahrung des Dirigenten Johannes Hiemetsberger zuzuschreiben. Er sorgte bislang mit seinem „Chorus sine nomine“ bei den Hohenemser Chor- und Orgeltagen mehrfach für spannende Eindrücke.

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Diesmal hat er für den komplexen Kraftakt dieser „Missa der Superlative“ mit seiner Company of Music aus Wien ein exzellentes Spezialistenvokalensemble mitgebracht, das den Chor ebenso stellt wie die Solisten, die immer wieder daraus hervortreten. Hiemetsberger ist dabei ein unglaublich wacher, exakter und kundiger Dirigent, betont in diesem Werk die Festlichkeit der messerscharfen, wie gemeißelten, blechgepanzerten Eckteile der einzelnen Abschnitte, gibt daneben den flehenden und betrachtenden Abschnitten der Solisten und des Chors im „Gloria“ und „Credo“ im strengen polyphonen Stil und den konzertanten Einwürfen viel Raum und religiöse Andacht und bringt dabei die Großartigkeit und Schönheit dieser singulären Komposition beeindruckend zur Wirkung. Als Beispiel mag das „Osanna“ gelten, das von der Vorarlberger Altistin Martina Gmeinder angestimmt wird, die den Sprung in dieses Ensemble geschafft hat. Es wird von den übrigen Solisten und vom Chor nach und nach übernommen, kunstvoll ausgestaltet, mit Koloraturen versetzt und mit Trompeten gekrönt. Speziell im „Agnus Dei“ bewundert man, mit welchem Mut Biber die damals gängige Harmonik erweitert und mit frechen Vorhalten und Dissonanzen zukunftsweisend angereichert hat.   

Hiemetsberger gelingt es, seine Vokalisten mit den Bläsern und Streichern und dem sicheren Continuo im diesmal groß besetzten Concerto Stella Matutina in einer wunderbar stimmigen Balance zu einem Klangeindruck zu führen, den man so schnell nicht vergisst. Herausgerissen aus diesem Flow wird man nur durch eher belanglose Streichersonaten von Biber, die man zwischen die großen Sätze der Messe eingeschoben hat, vermutlich um dem pausenlosen Abend die erforderliche zeitliche Länge zu geben. Gerade CSM besitzt mittlerweile ein so fachkundiges und verständiges Publikum, das auch eine einstündige kompakte Aufführung der „Missa Bruxellensis“ allein wohl mit ebenso viel Jubel quittiert hätte, wie es jetzt der Fall war.   

FRITZ JURMANN