Die „Missa Bruxellensis“ wurde zum Klangerlebnis

Kultur / 17.12.2021 • 18:02 Uhr
Der Auftritt des Concerto Stella Matutina mit der Company of Music wurde mit Jubel quittiert. fritz jurmann
Der Auftritt des Concerto Stella Matutina mit der Company of Music wurde mit Jubel quittiert. fritz jurmann

GÖTZIS Die Freude über Livemusik potenzierte sich beim ausverkauften Konzert noch durch die Werkwahl mit einer barocken Messe und deren Ausführung auf einem Niveau, wie man es nach den Unbilden des Lockdowns nicht einmal zu erträumen gewagt hatte. So wurde dieses glückliche Saisonfinale des Barockorchesters Concerto Stella Matutina gemeinsam mit dem Vokalensemble Company of Music Wien unter der Leitung von Johannes Hiemetsberger zu einem Meilenstein in der bald 15-jährigen Geschichte dieses Projektes.

Es ging um den Komponisten Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704), der es vor allem in seinen letzten Lebensjahren opulent liebte, wie seine ab 1674 im Auftrag des Salzburger Erzbischofs komponierten, bis zu 54-stimmigen geistlichen Chorwerke beweisen. Die „Missa Bruxellensis“, deren Autograph sich heute in Brüssel befindet, ist ein exemplarisches Beispiel für Bibers kompositorisch brillanten Umgang mit der Mehrchörigkeit. Dass etwas von diesem Mit- und Gegeneinander der Vokal- und Instrumentalgruppen im Sakralraum mit achtstimmigem Doppelchor, ebenso vielen Solisten und einem 16-stimmigen Orchester sich auch im profanen Raum AmBach in Götzis entfaltete, war vor allem auch der Erfahrung des Dirigenten Johannes Hiemetsberger zuzuschreiben.

Er hatte ein exzellentes Vokalensemble mitgebracht, das den Chor ebenso stellt wie die Solisten, die immer wieder daraus hervortreten. Hiemetsberger ist dabei ein exakter und kundiger Dirigent, betont die Festlichkeit der wie gemeißelten, blechgepanzerten Eckteile der Abschnitte, gibt daneben den flehenden und betrachtenden Abschnitten der Solisten und des Chors im „Gloria“ und „Credo“ im strengen polyphonen Stil und den konzertanten Einwürfen viel Raum und religiöse Andacht und bringt dabei die Großartigkeit und Schönheit dieser Komposition zur Wirkung. Als Beispiel mag das „Osanna“ gelten, das von der Vorarlberger Altistin Martina Gmeinder angestimmt wird. Speziell im „Agnus Dei“ bewundert man, mit welchem Mut Biber die damals gängige Harmonik erweitert und mit Dissonanzen zukunftsweisend angereichert hat. JU