Begeisterung für die Orgel wecken

Kultur / 17.12.2021 • 18:43 Uhr
Barbara Salomon: „Der Klang des Instruments hat mich einfach fasziniert, seit ich denken kann.“salomon
Barbara Salomon: „Der Klang des Instruments hat mich einfach fasziniert, seit ich denken kann.“salomon

Für Barbara Salomon geht ein Traum in Erfüllung.

BLUDENZ Sie galt als großes Orgeltalent des Landes. Inzwischen hat Barbara Salomon die Wandlung vom musikalischen Wirbelwind zu einer vielfach ausgezeichneten Künstlerpersönlichkeit vollzogen. Nach ihrer Ausbildung am Landeskonservatorium absolvierte sie ein Orgelstudium in Stuttgart und studiert nun an der Musikuniversität in Wien.

 

Weihnachten steht vor der Tür, eine wichtige Zeit für Organistinnen und Organisten. Werden Sie bei uns im Einsatz sein?

SALOMON Für mich ist Weihnachten immer etwas Besonderes. In den Kirchen herrscht eine herzliche und freudige Stimmung, das erfüllt einen und schafft Platz für das Ankommen und das weihnachtliche Feiern. Meine Einsätze dieses Jahr sind sehr bunt durchmischt und reichen von weihnachtlichem Musizieren in kleinem Rahmen bis zum festlichen Spielen in sehr stimmigen Ensembleformationen, vom Walsertal bis in die nahegelegene Schweiz.

 

Gab es für Sie so etwas wie ein musikalisches Schlüsselerlebnis?

SALOMON Mein erster musikalischer Eindruck mit drei Jahren war eine Platte mit dem „Radetzkymarsch“, die mein Papa oft aufgelegt hat. Und ich habe zu dieser Musik getanzt. Als die Platte eines Tages kaputtging, habe ich schrecklich geweint, bis er mir eine neue gekauft hat.

 

Wie haben Sie den Bogen vom „Radetzkymarsch“ zur Orgel geschafft?

SALOMON Das war etwas, was ich immer wollte. Wenn ich am Sonntag mit den Eltern in die Kirche von Nüziders ging, sah ich den Organisten am Spieltisch vorne neben dem Altar sitzen. Und diese Situation und der Klang des Instrumentes haben mich einfach fasziniert, seit ich denken kann, und ich habe dann mit neun Jahren dort auch meine erste Messe gespielt.

 

Und parallel dazu begann natürlich Ihre professionelle Ausbildung?

SALOMON Angefangen habe ich mit acht in der Musikschule Bludenz, ein Jahr später kam ich privat zu Domorganist Walfried Kraher, der sehr religiös war und mir das beigebracht hat, was er „Gottvertrauen“ nennt. Mit zwölf kam ich ans Konservatorium, wo Helmut Binder mich bis zu Beginn meines Studiums 2017 begleitet hat. Helmut ist von seinem Wesen her ein besonderer und einfühlsamer Mensch und wir hatten sehr bald eine enge künstlerische Verbindung.

Haben Sie damals nicht bei vielen schon als Wunderkind gegolten?

SALOMON Nein, das wollte ich auch nicht sein. Ich sehe mich als eine Mischung aus Talent und Fleiß.

 

Das wichtigste Konzert für Sie war mit 16 an der Behmann-Orgel von Herz-Jesu in Bregenz. Wie sind Sie mit diesem Ungetüm umgegangen?

SALOMON Der dortige Auftritt brachte für mich wirklich den Durchbruch in der Orgelszene des Landes. Aber das war schon eine Umgewöhnung, wenn der Ton mit der elektro-pneumatischen Traktur nach dem Anschlag viel später kommt als gewohnt. Schwer getan habe ich mir anfänglich auch mit den Dimensionen dieser Orgel, die vielen Register, die drei Manuale und das flach auslaufende Pedal beim Spiel zu koordinieren, auch wenn ich romantische Musik sehr liebe. Dafür musste ich dort auch sehr viel üben, und da bin ich meiner Mama sehr dankbar, die mir Chauffeur-Dienste gemacht hat.

 

Sie waren damals ja noch zu jung für den Führerschein?

SALOMON Ja, natürlich. Inzwischen habe ich ihn aber gemacht und dabei festgestellt, dass Autofahren auch ein bisschen ist wie Orgelspielen, mit den Fußpedalen und so …

 

Die letzten Jahre waren dann geprägt von Ihrem Orgelstudium außer Landes?

SALOMON Mein Bachelorstudium habe ich damals parallel zu meiner Schulausbildung in Feldkirch angefangen. Nachdem ich die Matura hatte, konnte ich meine Studien in Orgel und Kirchenmusik an der Musikhochschule in Stuttgart bei Ludger Lohmann fortsetzen. Das waren intensive und prägende Jahre. Abgeschlossen habe ich die Bachelor-Studiengänge im Sommer und nun setze ich meine Masterstudien in Wien bei Jeremy Joseph fort.

 

Möchten Sie als Berufsziel vielleicht irgendwann die Nachfolge von Helmut Binder als Dozentin am Landeskonservatorium antreten?

SALOMON Diese Frage hat mir zuletzt mein Papa gestellt, und da war ich selber überrascht, wie sehr sich meine Zukunftsvorstellungen entwickelt haben. Während meiner Ausbildung habe ich gemerkt, dass man vieles mit Fleiß und Geduld erlernen kann, aber dass es auch Wege gibt, die einem sehr leichtfallen. Das Arbeiten mit Kindern und auch Erwachsenen macht mir großen Spaß. Aber auch das Organisieren, das Kontakteknüpfen und die Umsetzung neuer Konzepte beflügeln mich sehr, sodass ich eine Arbeit in einem sozialen und musikvermittelnden Rahmen auch sehr spannend fände. Wenn das Lehramt am Konservatorium bedeuten würde, mit der gleichen Herzlichkeit, Freude und Empathie Musik zu unterrichten und eine Begeisterung für die Orgel zu wecken, dann würde ich mich gerne als Nachfolgerin von Helmut Binder sehen.

 

Und den Ausgleich zu alledem finden Sie als begeisterte Sportlerin?

SALOMON Ja, der Sport macht mich total glücklich und ich nehme mir einfach auch gerne die Zeit dafür.

zur Person

BARBARA SALOMON

GEBOREN 1998 in Bludenz

AUSBILDUNG Landeskonservatorium Feldkirch bei Helmut Binder; Musikhochschule Stuttgart bei Ludger Lohmann; Musikuniversität Wien bei Jeremy Joseph

AUSZEICHNUNGEN Preisträgerin bei „Prima la Musica“ und dem Wettbewerb des Landeskonservatoriums