“Ein Sibelius passt noch nicht”

Lech Classic Festival bleibt 2022 etwas Besonderes für Musikfans und solche, die es werden.
Lech „Und der Himmel hängt voller Geigen“, frei nach einem Operettenhit, der damit aber nicht auf dem Programm stehen muss, lautet das Motto des Lech Classic Festivals im kommenden Sommer bzw. vom 1. bis 7. August 2022. Was sie für das 10-Jahr-Jubiläum in der Arlbergregion plant, darüber sprach Festivalleiterin Marlies Wagner mit den VN.
Gleich vorweg ließ die Musikexpertin wissen, dass ihr Herz auch für das anspruchsvolle Violinkonzert von Sibelius schlägt. Dieses Werk oder auch jenes von Alban Berg anzubieten, erachtet sie in diesem Umfeld aber noch als zu gewagt. Marlies Wagner kennt ihr Publikum, ein hoher Anteil der Konzertbesucher kam überhaupt zum ersten Mal mit klassischer Musik in Berührung. Ihre Initiative ist somit auch unter dem Aspekt der Musikvermittlung zu betrachten. In ein paar Jahren sind Kompositionen, die von den Hörern nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch eine gewisse Reife verlangen, vielleicht auch in Lech möglich. Man mag die Intentionen der Programmgestalter somit als etwas vorsichtig erachten, man kann aber auch festhalten, dass es Marlies und Franz Wagner vergleichsweise rasch gelang, die Neugier der Lecher und ihrer Gäste zu wecken und dass sie mittlerweile einen relativ großen Saal relativ gut füllen.
Schon im Vorjahr und auch heuer fanden die Konzerte aufgrund der Pandemieauflagen nicht mehr in der neuen Kirche, sondern im Sportpark statt. Im nächsten Jahr wird das noch so sein, der Bau des Gemeindezentrums nimmt aber bereits Form an. Ein Saal für etwa 500 Personen steht dort zur Verfügung. „Das ist perfekt“, sagt Marlies Wagner und verweist auch auf die geplante Dachterrasse: „Der Panoramablick von dort wird fantastisch sein.“ Die räumlichen Bedingungen sind somit ein wichtiger Grund, die Bemühungen fortzusetzen. Die weiteren liegen auf der Hand. Für das Festival wurde ein Orchester gegründet, mehrfach kam es bereits zu Auftritten eines Chores und die Solisten – darunter der Cellist Sebastian Bru und der Geiger Dalibor Karvay – kommen auch wegen der Infrastruktur gerne nach Lech. Zudem engagieren sich Persönlichkeiten im Rahmen eines Förderkreises für die Veranstaltung, die ohne Geldmittel von der öffentlichen Hand auskommt, aber von privaten Sponsoren und Lecher Betrieben unterstützt wird.
Schöne Besetzung
Die „Bodenständigkeit, die sie als Vorarlbergerin auszeichnet“, verbietet Marlies Wagner, wie sie selbst betont, nicht nur inhaltliche Experimente, ihr Studium in Betriebswirtschaft, das sie neben der Musikausbildung absolvierte, bewährt sich bei der Budgeterstellung, die im kommenden Jahr viel Orchesterliteratur und einen kleinen Abstecher in den Opernbereich erlaubt. Neben einem Musical-Medley von Bernstein und Gershwin und dem Einakter „Cavalleria rusticana“ von Mascagni kommen Ausschnitte aus Verdis „Ein Maskenball“ zur Aufführung. Tetsura Ban leitet das Orchester, die Sopranpartien übernimmt Leah Gordon, für die Tenorrollen wurde Jenish Ysmanov engagiert. Als Konzertmeister tritt Fedor Rudin auf, der auch die Solopartien in Haydns Sinfonie Nr. 105 sowie im 1. Violinkonzert von Paganini übernimmt. Besonders hervorzuheben ist auch das erneute Engagement von Dalibor Karvay (Violine) und Sebastian Bru (Cello) sowie jenes der noch sehr jungen Geigerin Telle Bing oder jenes von Mayuko Kamio, Gewinnerin des Tschaikowski-Wettbewerbes.
„Der im Bau befindliche Saal in Lech ist eine große Motivation weiterzumachen.“

Das Lech Classic Festival findet im kommenden Jahr zum zehnten Mal, und zwar vom 1. bis 7. August, statt. Austragungsort ist vorläufig noch der Sportpark.