“Das verlorene Paradies” des Literaturnobelpreisträgers

Roman Wenn die Zuerkennung des Literaturnobelpreises auch Chancen eröffnen soll, die eigene literarische Landkarte zu erweitern, dann ist Abdulrazak Gurnah eine hervorragende Wahl. Von dem in Sansibar geborenen und in Großbritannien lebenden Autor war zum Zeitpunkt der Bekanntgabe kein Werk in deutscher Übersetzung lieferbar. „Das verlorene Paradies“ macht nun den Anfang.
Der Roman spielt Ende des 19. Jahrhunderts in Ostafrika. Noch gibt es überall Völker und Stämme, die in großer Naturverbundenheit leben, doch die Europäer sind im Vormarsch. Namentlich die Deutschen, die mit großer militärischer Härte vorgehen, bringen als Kolonialherren das alte Gefüge des Zusammenlebens durcheinander. Die Blütezeit des Sklavenhandels ist zwar vorbei, doch zur Schuldentilgung werden Familienangehörige für sexuelle oder physische Ausbeutung verkauft. So geht es dem zwölfjährigen Yusuf, dem sein Vater eröffnet, er müsse den Onkel begleiten. Erst später dämmert ihm, dass er als Leibeigener verschachert wurde.
“Das verlorene Paradies”, Abdulrazak Gurnah, Penguin, 336 Seiten.