Hier gibt es ein Heimspiel der besonderen Art.

Kunstraum Dornbirn beteiligt sich mit einem Lichtblick an grenzüberschreitendem Ausstellungsformat Heimspiel.
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Dornbirn Jeder hofft, dass sich die Türen der Ausstellungsbetriebe mit dem Handel wieder öffnen. Die kontaktfreie Auseinandersetzung mit Kunstwerken müsste einem diszipliniert auf Abstände achtenden Publikum, das die 2G-Regel bereits vor dem Lockdown akzeptiert hat, möglich sein. Ein Werk in der neuen, nun Medienvertretern präsentierten “Heimspiel”-Ausstellung bietet zudem in mehrfacher Hinsicht Perspektiven. Dem Schnee gegenüber verhielt man sich in Verordnungen stets aufgeschlossen, die Arbeit von Ursula Palla repräsentiert aber auch das neue Konzept eines Projektes, das die Länder Vorarlberg und Liechtenstein sowie mehrere Kantone der Ostschweiz alle drei Jahre gemeinsam realisieren. Für Winfried Nussbaummüller, Leiter der Kulturabteilung im Amt der Vorarlberger Landesregierung, stellt “Heimspiel” eines der wenigen Formate dar, die grenzüberschreitend funktionieren. Um die Erarbeitung von Ausstellungen zu optimieren, die in Einrichtungen in Appenzell, in Glarus und St. Gallen stattfinden, haben nun die jeweiligen Kuratoren das Wort.

Aus rund 400 Einreichungen haben Werke zahlreicher Vorarlberger Künstlerinnen und Künstler – darunter u. a. Maria Anwander, Bettina Bohne, Roland Haas, Miriam Prantl und Selina Reiterer – Aufnahme in den Ausstellungen in der Schweiz gefunden, dass sie in Dornbirn so gut vertreten sind, sei reiner Zufall, bemerkt der zuständige Kunstraum-Kurator Thomas Häusle. In der ehemaligen Montagehalle, in der ansonsten installative, meist raumgreifende Arbeiten präsentiert werden, hat sich Häusle nach der Durchsichtung aller Bewerbungsdossiers für einen Videoschwerpunkt entschieden und die zum Teil großen Bildträger so positioniert, dass sie eine Bühne für die Performances von Bella Angora und Ronja Svaneborg bilden, die im Februar aufgeführt werden.

Die Arbeit “Mindset” von Veronika Schubert (A) gewinnt durch das Großformat, thematisiert sie in einem Gang durch im Netz aufploppende, akustisch mit verheißungsvollen Ansagen unterlegten Bildern doch den Druck, den sozialen Medien auf die Menschen hinsichtlich ihrer Selbstoptimierung ausüben.
“Schon schön”
Claudia Larcher (A), die der Schnittstelle zwischen bildender Kunst und Architektur seit Jahren ihren Stempel aufdrückt, zeigt den Eingriff künstlicher Intelligenz in die Produktion von Bildern. Liddy Scheffknecht (A) thematisiert die Interpretation eines Raumes, wird dieser in ihrer Arbeit doch von einem schmalen Lichtstreifen abgescannt. Daneben bringt Sonnenlicht einen Gegenstand scheinbar in Bewegung. Cristina Witzig (CH) abstrahiert in einem Schattenspiel die Wahrnehmung von Gegenständen. Die Überlappung von Wirklichkeit und Künstlichkeit wird im faszinierenden Schneevideo der Medienkünstlerin Ursula Palla (CH) deutlich. Gilgi Guggenheim (FL) konfrontiert mit der totalen Reduktion der Malerei auf den Pinselstrich, der sich im Video verflüchtigt. Mit Simon Kindle (CH) schließt sich auch im wörtlichen Sinn der Kreis, er verbildlicht – nicht in einer Videoarbeit, sondern mit einem Relief, in dem sich die Hand von Thomas Häusle verbirgt – die Macht des Kurators, der mit der Auswahl mitunter auch Karrierewege bestimmt. Heimspiel zeigt, dass diese Hand einem besonnenen Experten gehört. “Schon schön” lautet der Kommentar von Stoph Sauter (A) im Außenraum, die Videoarbeit wirkt, weil sie in ihrer Art die Interpretation offen lässt.
Im Kunstraum Dornbirn ist die Öffnung des “Heimspiel”-Projektes am 13. Jänner vorgesehen. Ende am 27. Februar, Ende in den Schweizer Museen am 30. Jänner.