“In allen Gesprächen blitzte die kühne Intelligenz”

Kultur / 03.12.2021 • 19:17 Uhr
Vor wenigen Jahren war Lawrence Weiner mit Arbeiten im Kunsthaus Bregenz vertreten. Die begleitenden öffentlichen Gespräche wurden aufgezeichnet. VN/CD
Vor wenigen Jahren war Lawrence Weiner mit Arbeiten im Kunsthaus Bregenz vertreten. Die begleitenden öffentlichen Gespräche wurden aufgezeichnet. VN/CD

Der bekannte
Konzeptkünstler Lawrence Weiner ist im Alter von 79 Jahren gestorben.

Bregenz „Unverwechselbar war seine Erscheinung: verschmitztes Lächeln unter wallendem Bart und eine sonore Stimme. Weiners Sätze waren wie gestochen. Seine politische Haltung unbestechlich. Er hatte die analytischen Fähigkeiten von Noam Chomsky und den Witz von Groucho Marx. In Österreich schloss er sich der Künstlerinnengruppe ,Die Damen‘ an, augenzwinkernd und schelmisch, als assoziiertes Mitglied. In allen Gesprächen blitzte die kühne Intelligenz“, schreibt Thomas D. Trummer, Direktor des Kunsthaus Bregenz über Lawrence Weiner, mit dem er in Wien und schließlich in Vorarlberg zusammenarbeitete. Der legendäre US-Künstler verstarb am Donnerstag im Alter von 79 Jahren, wie seine Galerien mitteilten. Vor wenigen Jahren realisierte er in Bregenz eine monografische Ausstellung. Trummer: „Weiner entwarf riesenhafte Lettern für den auratischen Bau, bunt und reduziert, prosaisch und monumenthaft – eine der eindrucksvollsten Ausstellungen in diesem Haus. Die öffentlichen Gespräche, die wir damals führten, wurden aufgezeichnet und sind online verfügbar.“

Bindungen an Österreich

Weiner war einer der prominenten Vertreter der Konzeptkunst ab den 1960ern und wurde hierbei vor allem durch seine überdimensionalen Wandinstallationen bekannt. Dabei waren die Bindungen des US-Amerikaners an Österreich eng. So war Weiner erst vor wenigen Tagen der mit 20.000 Euro dotierte Wiener Oskar-Kokoschka-Preis 2022 zugesprochen worden. In der Bundeshauptstadt hatte Weiner nicht zuletzt durch seine großformatige Arbeit am ehemaligen Flakturm im Bezirk Mariahilf breite Bekanntheit erlangt. Dazu Trummer: „Allein Weiners bedeutendste Arbeit im öffentlichen Raum existiert nicht mehr. Oder nicht an jenem Ort, für den sie gedacht war. ,Smashed to pieces in the still of the night‘ wurde 1991 am Flakturm im 6. Wiener Gemeindebezirk angebracht, übertüncht durch die Expansion des Haus des Meeres. Ein unglaublicher Verlust für die Kunstgeschichte. Dennoch sei der Initiative gedankt, die das Werk an der Fassade des Museums für Angewandte Kunst als Projektion weiterhin sichtbar macht. Allein die Wahl des Ortes hat den Text zu einem Mahnmal werden lassen.“

Festgeschrieben

Am 10. Februar 1942 in der New Yorker Bronx geboren, hatte Weiner in den 1960er-Jahren seine ersten Einzelausstellungen. Der tradierten Vorstellung vom Künstler als Schöpfer einzigartiger Originale arbeitete er entgegen. Sein Axiom: Was Kunst interessant macht, ist das Faktum, dass – ist die Idee einmal geboren und festgeschrieben – jeder sie realisieren kann. 1968 veröffentlichte Weiner mit „Statements“ eines der bedeutendsten Bücher dieser Zeit zur Konzeptkunst. Darin stellte er drei Prämissen auf, deren dritte besagt, dass das Kunstwerk nicht ausgeführt werden muss, um Kunst zu sein. Ob hergestellt vom Künstler, von jemand anderem oder gar nicht realisiert, für Weiner sind alle drei Möglichkeiten gleichwertig. Ab den frühen 1970er-Jahren wurden Wand­installationen Weiners bevorzugtes Medium.