„Das Material ist bis zu 1500 Jahre alt“

Cukrowicz-Nachbaur-Architekten erhielten Preis für Grablege.
Rottenburg, Bregenz Es geht nahe, was Andreas Cukrowicz schildert. Die Bischofsgrablege in Rottenburg am Neckar, die er in seinem mit Anton Nachbaur geleiteten Vorarlberger Architekturbüro plante, ist ein kontemplativer Ort. Stampflehm, für dessen Verwendung der Schlinser Experte Martin Rauch beratend zur Seite stand, verleiht ihm eine besondere Atmosphäre. Verarbeitet wurde dabei auch jenes Material, das am Ort vorzufinden war, „es ist bis zu 1500 Jahre alt“.
Unter der bestehenden Kirche aus dem 15. Jahrhundert befindet sich eine Vorgängerkirche aus dem 9. Jahrhundert und auch diese fußt auf Resten eines Sakralbaues, der vermutlich im 6. oder 7. Jahrhundert errichtet wurde. Ihre Idee sei es gewesen, den Aushub, auf dem sich einmal ein Friedhof befand, und aus dem menschliche Skelette geborgen wurden, wieder zu verwenden. Die Erde, in der einmal Menschen bestattet waren, wurde somit einer pietätvollen Verwendung zugeführt. Gläubige mögen an das Memento mori „Gedenke, dass du aus Staub bist und wieder zu Straub wirst“ erinnert sein, das Konzept ist grundsätzlich zutiefst berührend.
Hugo Häring Preis
Am Freitagabend wurde den Cukrowicz-Nachbaur-Architekten für die Bischofsgrablege der Hugo Häring Preis für vorbildliche Bauwerke in Baden-Württemberg verliehen. Vergeben wird dieser im jeweiligen Abstand von drei Jahren vom Bund Deutscher Architekten. Namensgeber ist mit Hugo Häring (1882-1958) ein Architekt und Architekturtheoretiker, der als einer der Initiatoren für neues Bauen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gilt.
Bauherr der Grablege ist das Bistum Rottenburg-Stuttgart. Die Vorarlberger Architekten waren zu einem Wettbewerb geladen, nach dem sich das Gremium für ihren Entwurf entschied, der mittlerweile umgesetzt ist. Der zentrale Raum sollte auch an frühere Felsengräber erinnern. Die Wände wie auch der Boden bestehen aus Stampflehm, die Grabplatten wurden aus Juraschiefer gefertigt, der Altar besteht aus Gauinger Travertin.
Zu den internationalen Projekten der Cukrowicz-Nachbaur-Architekten zählen auch der neue Konzertsaal für München sowie ein Palmenhaus für die Insel Mainau.
