“Da ist auch ganz viel für die Erwachsenen drin”

Catharina May inszeniert das Familienstück „Pünktchen und Anton“ am Landestheater.
Bregenz Das Werk zählt zu jenen Klassikern, die auf dem aktuellen Spielplan des Vorarlberger Landestheaters, an dem die Saison mit „König Ödipus“ eröffnet wurde, relativ oft anzutreffen sind. Kurz nach der Premiere von „Pünktchen und Anton“ folgen „Lenz“ sowie „Herkules und der Stall des Augias“ und „Leonce und Lena“. Mit Catharina May (geb. 1984) wurde jene deutsche Regisseurin für die Inszenierung von „Pünktchen und Anton“ verpflichtet, die dem Publikum in Bregenz von Shakespeares „Coriolanus“ noch gut in Erinnerung ist. Sie hat in der Zeit von Claus Peymann am Berliner Ensemble gearbeitet, bezeichnet diese Episode in der Karriere als durchaus prägend, weil sie damals – etwa auch durch die Zusammenarbeit mit Robert Wilson – mit sehr unterschiedlichen Regiehandschriften konfrontiert war. Die Arbeit an der Adaptierung des im Jahr 1931 erschienen Romans von Erich Kästner für die Bühne ist allerdings ihr erstes Familienstück. Sie freue sich sehr, über diese Geschichte in den Dialog mit Kindern treten zu können, betont sie im Gespräch mit den VN. Allerdings sei vor allem „Püntkchen und Anton“ ein Stück, das auch für die Erwachsenen sehr viel hergibt. „Die Qualität des Stücks lässt sich daran ermessen, dass die Figuren genau gezeichnet sind, das sind keine Stereotypen, die sprühen vor Skurrilität und Charme.“
Zuwendung
Die Geschichte handelt bekanntermaßen von zwei Kindern aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, die unter abenteuerlichen Umständen zueinander finden. Diese „Freundschaft über Grenzen hinweg“ ist für May der wichtigste Aspekt, dabei gehe es aber nicht nur um das Verhältnis zwischen Arm und Reich, das Kinder vielleicht weniger anspricht als die Zuwendung, die sie erhalten oder nicht. Gerade, dass Pünktchens Eltern vor allem damit beschäftigt sind, Geld zu verdienen und auszugeben, lasse sich gut auf die heutige Situation übertragen. Wenn sich der Nachdenkprozess, der sich bei Pünktchens Vater einstellt, auch auf die Zuschauer überträgt, wenn sich Eltern und Kinder durch das Erleben der Geschichte gemeinsam mit ihrer Situation auseinandersetzen, dann sei das Beste erreicht, was möglich ist. Es gibt in ihrer Fassung selbstverständlich ein glückliches Ende, aber sie lasse spüren, dass es eine Utopie ist, dass es im wirklichen Leben das Zutun aller braucht, um Konflikte zu bereinigen.
Fragt sich, wann Catharina May erstmals einem Werk von Erich Kästner begegnet ist. Als Kind mit „Emil und die Detektive“ und „Das doppelte Lottchen“, offenbart sie und liefert somit gleich einen weiteren Literaturtipp mit.
„Es ist sehr schön, über diese Geschichte mit Kindern in den Dialog treten zu können.“
Die Premiere von “Püntkchen und Anton” nach dem Roman von Erich Kästner findet am 20. November, 19.30 Uhr, im Vorarlberger Landestheater in Bregenz statt.