Kulturveranstalter: 2G-Regel ist hart, aber machbar

Vorarlbergs Kulturanbieter sprechen von einer “Kultur des sicheren Veranstaltens”.
Dornbirn, Feldkirch, Bregenz Seit einer Woche gilt bei Kulturveranstaltungen im Rahmen der Pandemiebekämpfung die 2G-Regel, Zugang finden nur jene Besucher, die geimpft oder in einem bestimmten Zeitraum von einer Covid-19-Infektion genesen sind. Der Lockdown für Ungeimpfte wird somit nur in den Museen und Ausstellungshäusern als weitere Maßnahme wahrnehmbar. Werner Döring, Geschäftsführer Kulturhäuser Betriebsgesellschaft (Kuges), hat das Personal im Kunsthaus Bregenz und im Vorarlberg Museum dazu angewiesen, die Nachweise stichprobenartig zu überprüfen. “Wir gehen davon aus, dass nun nur jene Menschen unterwegs sind, die das gemäß der neuen Verordnung sein dürfen.” In einem weiteren Kuges-Betrieb, nämlich dem Landestheater, ist die Einlassüberprüfung seit Monaten gang und gäbe. Hier werde die 2G-Regel im Vergleich zur 3G-Regel (geimpft, genesen oder aktuell negativ getestet) zu Besucherrückgängen führen, erklärt Döring gegenüber den VN. Zwar sei, wie man beobachten konnte, ein Großteil der Besucher geimpft, den Menschen sei aber oft nicht klar, was jetzt noch stattfinden kann.
Alles besser als ein Lockdown
Einige Fremdveranstaltungen, also Termine, für die Kuges-Räumlichkeiten von anderen Anbietern gebucht wurden, sind abgesagt worden. Trotz einiger Schwierigkeiten mit notwendig gewordenen Umbesetzungen bleiben Theaterprojekte wie etwa das große Familienstück “Pünktchen und Anton” aber auf dem Spielplan. Die Premiere soll am kommenden Samstag stattfinden. Inwieweit Besuche von Schulklassen möglich sind, werde sich weisen. Die Bildungsdirektion beschließe jeweils am Donnerstag weiterführende Maßnahmen. Eine 2Gplus-Regelung (geimpft und getestet) erachtet Döring für kontraproduktiv. Sie erhöhe zwar die Sicherheit, aber sie schränke auch geimpfte Personen zusätzlich erheblich ein. Alles sei besser als ein Lockdown, also ein erneutes Verbot von Kulturveranstaltungen, meint Döring, der eine Maskenpflicht als adäquat erachtet und auch sonst für ein hygienisches Verhalten appelliert, also für ein Abstandhalten und Kontaktreduktionen in Eigenverantwortung.
Auch Künstler fordern Impfpass
Einen Totallockdown erachtet Heike Kaufmann, Geschäftsführerin am Spielboden in Dornbirn, als “Schreckensszenario”. Man habe bislang schon so viel mitgemacht, sich spontan auf neue Verordnungen eingestellt, dass die 2G-Regel auch noch einhaltbar sei. Zum Besucherrückgang, den sie bemerkt, seit der Spielboden wieder offen ist, komme nun hinzu, dass es kaum Vorreservierungen gibt. Künstlerinnen und Künstler, die reisen müssen, seien im Allgemeinen ohnehin geimpft. Mittlerweile sei zu bemerken, dass diese auch von ihrem Betreuungspersonal vor Ort Impf- oder Testnachweise sehen wollen. Es herrsche eine “Kultur des sicheren Veranstaltens” und die ist Heike Kaufmann nur recht.
Absagen bei der Blasmusik
Es könne ruhig noch etwas mehr Druck geben, kommentiert Wolfram Baldauf den Lockdown für Ungeimpfte, wenn man hört, wie das Pflegepersonal in den Krankenhäusern am Anschlag ist, dann könne man wohl verlangen, dass man sich impfen lässt. Der Obmann des Vorarlberger Blasmusikverbandes ist, wie er gegenüber den VN erklärt, seit Monaten dabei, die Mitglieder der Musikvereine für das Impfen zu überzeugen.”Manchmal blitze ich dabei aber mit jedem Argument ab.” Im Blasmusikbereich ergibt sich nämlich die besondere Situation, dass Amateure nur geimpft oder genesen auftreten dürfen. Die 3G-Regel, die aktuell am Arbeitsplatz gilt, kommt nur im Profibereich zur Anwendung. Konzerte von Musikvereinen mit vielen “Impfverweigerern” werden deshalb abgesagt. Bei den Besuchern seien rein aus seiner Wahrnehmung aufgrund von 2G bislang nur leichte Rückgänge zu verzeichnen.
Unterstützungsfonds notwendig
Mirjam Steinbock, Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg, richtet den Fokus auf die weiteren Einnahmenverluste, die die 2G-Regel mit sich bringt. Sie habe immer wieder darauf hingewiesen, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist. Das Auslaufen der Unterstützungsfonds sei daher unbedingt zu verhindern. Sie macht auch auf die Problematik aufmerksam, dass viele der gebrauchten ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kulturbereich durch die 2G-Regel nun nur noch dann einsatzbar sind, wenn sie geimpft sind.
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