Musik und Literatur im Morgengrauen: Hier hat es bestens geklappt

Das Publikum bei den Montforter Zwischentönen bezeugte, dass sich frühes Aufstehen lohnt.
Feldkirch Veranstalter müssten längst flexibler und kreativer sein. Schon während Vorarlberg nach endlich einmal mutigen politischen Entscheidungen im Frühjahr Corona-Modellregion war und Konzerte wie Theateraufführungen stattfinden durften, aber um 20 Uhr beendet sein mussten, zeigte sich, dass die Besucher kein Problem damit hatten und die abendliche Primetime angesichts flexibler Arbeitszeitmodelle oder Schichtdiensten in vielen Branchen ohnehin nur eine Annahme ist. Wer das Publikum beobachtete, das sich nun für eine Veranstaltung der Montforter Zwischentönen um sieben Uhr in der Früh – also noch bei Dunkelheit – im Alten Hallenbad in Feldkirch einfand, konnte davon ausgehen, dass es sich nicht nur um Katholiken handelte, die auch gelegentlich für eine Morgenandacht früh aufstehen.

Die Installation, die die angehende Architektin Bianca Anna Boeckle mit einem mit Kerzen und Blumen versehenen Grabhügel entwarf, mag zwar etwas Sakrales haben, mit den vorgetragenen Texten stellte der Schriftsteller Ilija Trojanow, aber klar, dass einige der schaurigsten Dystopien zwar in der biblischen Offenbarung wurzeln, dass sie in der jüngeren Literatur aber nicht dem Zweck der Angstmache vor dem Zorn des bzw. irgendeines Allmächtigen dienen, sondern der Erkenntnis, dass der aufgeklärte Mensch seine Vernunftbegabung aktiviert. So unbequem das auch sein möge. “Die Stadt der Blinden” von José Saramago als besten Roman zu bezeichnen, der über eine Pandemie geschrieben wurde, sei ihm unbenommen, aber auch hier hilft verantwortungsvolles und vor allem empathisches Handeln aus der Katastrophe. Die Passage mit der Sorge, dem Mangel und der Schuld aus dem zweiten Teil von Goethes “Faust”-Dichtung nimmt man gerne als Aufforderung zum Nachlesen mit, und die Erinnerung an den dystopischen Roman “Wir” von Jewgeni Samjatin aus den 1920er-Jahren, in dem Menschen auch ihre Fantasie verlieren, ist anregender als das erneute Zitieren aus George Orwells “Farm der Tiere”.

Bei den Utopien hielt sich Ilija Trojanow zumindest in diesem Rahmen nicht so lange auf. Präsent wurde sie wohl auch über intuitiv Wahrzunehmendes, schließlich zeichnete sich vor den Fenstern langsam die Natur ab, die in den Texten dieses Teils (etwa von Trojanow selbst) positiv konnotiert ist.

Luise Enzian und David Bergmüller führten an der Trippelharfe, der Laute und der Barockmandoline zwar in die Klangwelt vergangener Jahrhunderte, ließen anhand der Bearbeitungen von Werken von Robinson, Bach, Kapsberger oder De Visée aber spüren, wie zeitlos gültig derartiges Wecken der Sinne ist.

Demnächst bei den Zwischentönen: h-Moll-Messe von Bach, Feldkircher Kammerchor, Ensemble Concerto Stella Matutina am 19. und 20. November im Montforthaus.