Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Das Theater ums Theater

Kultur / 07.11.2021 • 09:00 Uhr

Vor Kurzem war eine erstaunliche Ankündigung zu lesen: Der Bund erhöht sein Kunst- und Kulturbudget um nicht weniger als 61,1 Millionen auf 557,1 Millionen Euro, das sind um etwa zwölf Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Damit werden vor allem die Bundestheater und die Bundesmuseen besser ausgestattet, natürlich auch die Staatsoper und die Salzburger Festspiele. Aber auch die Bregenzer Festspiele und kleinere Einrichtungen werden berücksichtigt.

„Vor allem das Vorarlberger Landestheater ist bei einem Budget von etwa vier Millionen im Vergleich mit ähnlichen Institutionen deutlich unterdotiert.“


Neidisch blickt man nach Wien. Dabei war es lange umgekehrt, über viele Jahre waren die Kulturausgaben in Vorarlberg deutlich besser als in anderen Ländern oder dem Bund. Jetzt aber ist das anders und wir können festhalten: So einen Schritt könnten wir auch brauchen, denn bei uns bleibt die „Erhöhung“ unter der Inflationsrate. Vor allem das Vorarlberger Landestheater ist bei einem Budget von etwa vier Millionen im Vergleich mit ähnlichen Institutionen deutlich unterdotiert. 4,5 Millionen, auf Dauer wohl fünf Millionen wären, so Intendantin Stephanie Gräve, unbedingt notwendig. Das sagt sie auch öffentlich.
Genau das aber wird beim Land nicht gerade gerne gehört. Mit öffentlich geäußerten Forderungen ist man da nicht gerne konfrontiert. Und so hält sich in Bregenz hartnäckig das Gerücht, dass Intendantin Gräve ihre erste Intendanz hier nicht überleben wird. Sowohl Kulturlandesrätin Barbara Schöbi-Fink als auch Kulturamtsleiter Winfried Nußbaummüller wollen das nicht bestätigen – aber ein eindeutiges Dementi kommt ihnen auch nicht über die Lippen. Dabei konnte Gräve mit ihrem bisherigen Spielplan durchaus überzeugen, nicht zuletzt konnte sie auch die jüngere Generation besser ansprechen. Kaum drei Jahre ist Gräve im Amt, fast zwei davon fielen unter Corona. Sie konnte sich also mit ihren Ideen kaum wirklich zeigen – und schon sollte sie wieder gehen? Kaum vorstellbar, denn eine Änderung nach solcher Zeit würde auch kein gutes Licht auf den Erhalter, also das Land, werfen.

Dabei stehen echte Probleme an: Kann während der Renovierung des Theaters in zwei Jahren an anderen Plätzen gespielt werden? Will man das Theater für das Renovierungsjahr stilllegen und das damit gesparte Geld in die Renovierung stecken? Was allein schon als Idee unvorstellbar ist und geradezu Proteste hervorrufen müsste. Vielleicht wäre das überhaupt ein Weg: Proteste einmal für ein Theater und für eine Intendantin, deren Spielplan und deren Anwesenheit man im Land schätzt. Und vielleicht sollte man dann auch einmal die Stadt Bregenz darauf ansprechen, dass sie besonderer Nutznießer dieses Theaters ist, also auch einen entsprechenden Beitrag zum Spielplan leisten sollte.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.