“Dieses Stück passt genau hierher”

Kultur / 05.11.2021 • 04:30 Uhr
"Dieses Stück passt genau hierher"
Das Stück “Wir reden über Polke, das sieht man doch!” wird am 6. November am Vorarlberger Landestheater uraufgeführt. VLT/Köhler

Stephanie Gräve hat für das Vorarlberger Landestheater ein humorvolles Stück über Kunst, Theater und Gesellschaft initiiert.

Bregenz Sie war auf vielen seiner Ausstellungseröffnungen und bei Premierenfeiern. Dass “The Wooster Group”, ein bekanntes New Yorker Theaterensemble, immer noch für den deutschen Künstler Sigmar Polke (1941-2010) schwärmt, hat Stephanie Gräve erst jüngst bei der Begegnung mit Mitgliedern der Gruppe nach einem Gastspiel bei den Wiener Festwochen erfahren. “Sein Werk hat viel damit zu tun, wie man ein Theater führen und leiten muss”, erklärt sie im Gespräch mit den VN. Es findet im Vorfeld der Uraufführung “Wir reden über Polke, das sieht man doch!” statt. Die Intendantin hat das Stück für das Vorarlberger Landestheater initiiert bzw. beim deutschen Autor Gerhard Meister in Auftrag gegeben. Ein umfangreiches Begleitprogramm wird angeboten, die Schauspielerin Anna Polke, Tochter des Künstlers, und Kunstexpertin Bice Curiger sind unter anderem zu Gast.

Szene aus "Wir reden über Polke, das sieht man doch!" <span class="copyright">VLT/Köhler</span>
Szene aus "Wir reden über Polke, das sieht man doch!" VLT/Köhler

Warum aber Polke? In der Region kennt man die von ihm gestalteten Glas- bzw. Achatfenster im Zürcher Großmünster, im dortigen Kunsthaus waren vor Jahren Ausstellungen zu sehen, im süddeutschen Raum, das heißt, im Radius der gut erreichbaren Kunstorte, wäre die Sammlung Frieder Burda in Baden-Baden zu nennen, die immer wieder nicht nur Arbeiten von Gerhard Richter, sondern auch jene von Polke zeigt. Was – eher oberflächlich – gerne der deutschen Pop-Art zugeordnet wird, also Werke, auf denen Rasterpunkte als Verweis auf Vervielfältigungen zu sehen sind, hat fast jeder Kunstliebhaber beim Namen Polke vor Augen. An Polke habe sie aber fasziniert, dass er sehr unterschiedlich gearbeitet hat, dass er, so Gräve, wie ein Alchimist Materialien ausprobiert hat, und dass sich seine Verbindung von Handwerk und Kunst auch auf das Theater übertragen lässt. “Inwieweit Schauspielerinnen und Schauspieler Künstlerinnen und Künstler sind und wo sie ein Handwerk ausüben, beschäftigt uns ständig. Machen wir originäre Kunst oder sind wir nur nachschaffend?” Zudem handle es sich bei Sigmar Polke um einen ganz autonomen Künstler, der sich andererseits aber auch mit “einem guten Humor” mit gesellschaftlichen Themen auseinandergesetzt habe. Hier setze das Stück an.

Sigmar Polke zählt zu den renommiertesten deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts. <span class="copyright">AP</span>
Sigmar Polke zählt zu den renommiertesten deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts. AP

Relativ viel Humor

Wer sich mit dem Text befasst, entdeckt relativ rasch relativ viel Humor. Angesichts der Tatsache, dass vor allem Gerhard Richter, mit dem Polke auch einmal zusammengearbeitet hat, immer wieder als teuerster deutscher Künstler zitiert wird, ist es interessant, dass sich Polke intensiv mit Mechanismen des Kunstbetriebs beschäftigte. Der Stückautor lässt es nicht nur durchscheinen.

„Das Werk von Polke hat viel damit zu tun, wie man ein Theater führen und leiten muss.“

Stephanie Gräve, Intendantin Vorarlberger Landestheater
Werk "Girlfriends" von 1965 von Sigmar Polke. <span class="copyright">AP</span>
Werk "Girlfriends" von 1965 von Sigmar Polke. AP

“Das Werk von Richter, Beuys und Warhol kann man jeweils mit ein paar Wörtern zusammenfassen, jenes von Polke nicht”, betont Gräve. Interessanterweise sei dem an der Produktion mitwirkenden Musiker Gilbert Handler das Polke-Werk bekannt gewesen, während sich das Schauspielteam erst einarbeitete. Alles in allem steht für die Intendantin fest, dass das Stück in seiner Komplexität und in seiner Komik sehr gut nach Vorarlberg passt. Nicht nur hier wird es gespielt, im Kulturhaus Helferei in Zürich gibt man ein Gastspiel. Das Landestheater reist somit wieder. “Glücklicherweise” laufe der Betrieb nun auch wieder gut. Gräve: “Ich bin sehr froh darüber, dass wir sogar etwas mehr Zuschauer zählen können als noch vor der Pandemie.”

Szene aus "Wir reden über Polke, das sieht man doch!" von Gerhard Meister, inszeniert von Bérénice Hebenstreit. <span class="copyright">VLT/Köhler</span>
Szene aus "Wir reden über Polke, das sieht man doch!" von Gerhard Meister, inszeniert von Bérénice Hebenstreit. VLT/Köhler

Uraufführung “Wir reden über Polke, das sieht man doch!” des Vorarlberger Landestheaters am 6. November, 19.30 Uhr am Bregenzer Kornmarkt: landestheater.org