Bregenzerwälder Juppe: Handwerk, Tradition, Kulturerbe

Die Juppe ist nun Teil des Kulturerbes Österreich.
Riefensberg Das Geheimnis ihrer Herstellung wäre um ein Haar verlorengegangen. Seit 2003 pflegt die Juppenwerkstatt mit 25 Kunsthandwerkerinnen die Techniken rund um die Bregenzerwälder Tracht. Die Juppe lässt sich bis ins späte 15. Jahrhundert zurückverfolgen und gilt damit als eine der ältesten noch getragenen Trachten Europas. Am Donnerstag wurden die Herstellung und das Tragen der Juppe in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes Österreichs aufgenommen, ebenfalls auf Initiative der Juppenwerkstatt.

Jubelstimmung
“Das ist eine große Auszeichnung für unser Haus, den Bregenzerwald und alle Akteurinnen, die dazu beitragen, diese ganz außergewöhnliche Form der Tracht in die Zukunft zu führen”, freut sich Maria Rose Steurer-Lang, Historikerin der Juppenwerkstatt. In der Juppenwerkstatt wird auf 100-jährigen Maschinen gearbeitet, der gefärbte Stoff trocknet meist vor dem Haus in der Sonne. Reiche Stickereien, edle Gürtelschnallen und die Fältelung zeichnen die Juppe aus. Für 2021 habe man sich vorgenommen, das österreichische Museumsgütesiegel zu erlangen und die Wälder Tracht ins Kulturerbe aufnehmen zu lassen. “In beidem waren wir erfolgreich, wofür wir sehr dankbar sind”, betont Steurer-Lang. Der Status als Kulturerbe trage dazu bei, dem um die Tracht entstandenen Wertekanon und den Erfahrungen eine Außensicht zu geben, die sich auf die Trachtenkultur positiv auswirken.

Ein Produkt der Geschichte
Steurer-Lang betont die lange Geschichte der Juppe, die immer wieder Verbindungen des Bregenzerwaldes mit der Welt aufzeigt: Der Grundschnitt des Gewandes ist frühmittelalterlich, die Silhouette ist mit der Mode Spaniens aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu assoziieren. Andere Accessoires entstammen wiederum dem Biedermeier. Die Juppe muss sich weiteren Herausforderungen stellen: Den Techniken ihrer Herstellung muss der Generationenwechsel in den Vereinen der Juppenwerkstatt und INTRACHT gelingen. Und die Juppe erlaubt auch moderne Spielereien, verrät die Historikerin: “Derzeit arbeiten wir an neuen Ärmelmodellen aus transparenten Seidenstoffen für eine junge Linie.”

Zu den weiteren zehn Neuaufnahmen durch Sabine Haag, die gebürtige Bregenzerin, Direktorin des Kunsthistorischen Museums und Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission, zählen außerdem der Krippenbau und Alpinismus. Zum Kulturerbe zählen bereits der Montafoner Dialekt, das Scheibenschlagen, der Funkensonntag und die Bodensee-Radhaube.