Transzendenz widerspricht der Eitelkeit

Ausstellung in der Villa Claudia: Fotokünstlerinnen und -künstler beschäftigten sich mit der Transzendenz.
Feldkirch Für seine seit Längerem geplante Ausstellung „Fotografie und Transzendenz – Wege nach außen“ hat der Vorarlberger Fotograf und Lichtkünstler Hermann Präg neun Künstler eingeladen, die mit unterschiedlichen fotografischen Techniken beeindrucken. Die Ausstellung zeigt facettenreiche Zugänge zum Thema Transzendenz, die vom Handabzug bis zum computergenerierten Bild reichen.
Transzendenz bedeutet Überschreiten, die normale Sinneswahrnehmung überschreiten. Es geht um das Undarstellbare. Ursprünglich war es in der Religion beheimatet. Der Begriff ist wieder in der Gegenwart und auch in der Kunst angekommen. Beispielsweise hat die Kunstuniversität in Linz einen Transzendenz-Aufzug gebaut, der ein Stück Richtung Himmel führt. Die Ausstellung in der Villa Claudia konzentriert sich auf die Fotografie, die immer Abwesendes wiedergibt. Das Motiv des Fotos ist nicht mehr anwesend. Bei einem Portrait ist die Person nicht mehr da, es existiert nur noch das Foto. Die Transzendenz ist das Nichtmehrdasein, nicht mehr greifbar sein. Das Foto hat trotzdem eine extreme Präsenz. Hermann Präg zeigt mit seinem Ausstellungsprojekt auf, wie mit Dargestelltem (Fotografie)das Undarstellbare (Transzendenz) dargestellt werden kann, ein Nebeneinander der Gegensätze, ein Paradoxon.
Blick nach außen
Für Hermann Präg bedeutet Transzendenz das Überschreiten der normalen Welt, der Versuch „hinauszuschauen“. „Wir bewegen uns in einer narzisstischen Welt. Auch in der Kunst gibt es die Selbstdarsteller. Wir leben mit einer starken Ich-Bezogenheit in einer Welt der Selfies“, meint Präg. Es gäbe einen starken Konkurrenzkampf zwischen Ich-Darstellern in der Kunst. Doch es besteht Hoffnung: die Documenta in Kassel (die weltweit bedeutendste Reihe von Ausstellungen für zeitgenössische Kunst) arbeitet mit Künstlergruppen, die gemeinsam an etwas arbeiten, gemeinsam etwas entwickeln.
Die Fotografien der zehn unterschiedlichen Künstler fordern auf, sich auf etwas einzulassen. Sie lenken von uns selbst ab. Es sind Blicke nach außen, Blicke auf das Andere. Das Fremde kann beunruhigen, gibt Rätsel auf und macht gerade deshalb neugierig. Das Überschreiten von Grenzen wird in Hermann Prägs und auch in Marzena Wieczoreks architektonischen Konstruktionen thematisiert. Harte Kanten trennen das Hier vom Dort. In dieses Dort, dieses Andere, kann man bei Daniela Peters cinemascopeartig gestreckten Bildern hineintauchen. Archaisch wirkt der Übertritt vom Stein ins Wasser bei Grid Marrisone. Für Samantha Evans ist es ein großes Anliegen, „was in den tieferen Instinkten der Menschen steckt und was sich hinter ihren Emotionen verbirgt.“ Es geht ihr um die transzendente Darstellung des Nicht-sichtbaren. Petra Jaenicke beschreibt ihre Arbeit: „Visionen und andere Dimensionen können, auch wenn es nur für einen winzigen Moment ist, wie hinter einem durchscheinenden Schleier, einer sich kurz öffnenden Grenze, erahnt werden. Auf seltsame Weise bricht das Fremde, das Außen, bei Georg Vith hinein in die scheinbar schutzbietenden Innenräume. Das Interessante an den Bildern dieses Künstlers ist seine Arbeit mit der camera obscura. Die kleinen iPhone-Aufnahmen von Carmen Kubitz wirken wie Erscheinungen aus einer anderen Welt. Christian Dür überschreitet den Horizont, und die aus der ehemaligen DDR stammende Künstlerin Marit Beer findet ein beeindruckendes Bild für die Grenze im Übergang von der Stadt zum Land.
Transzendenz widerspricht der Eitelkeit, einer Eigenschaft, die insbesondere von Menschen in führenden Positionen überwunden werden muss, um die globalen Probleme lösen zu können. yas



Die Ausstellung ist in der Villa Claudia in Feldkirch (Bahnhofstraße 6) bis 14. November geöffnet, Fr, 16 bis 18 Uhr, Sa, 15 bis 18 Uhr, So, 10 bis 12 Uhr, 15 bis 18 Uhr.